Für mich hat die deutsche Manschafft wesentlich mehr erreicht als erhofft.
Das 4:1 gegen England und das 4:0 gegen Argentinien werden für viele viele Monde immerwieder hervorgeholt werden wenns drauf ankommt.
Zugegeben, wäre Deutschland Weltmeister geworden wäre die Geschichte schöner
Aber wer hat vor der WM schon ernsthaft daran geglaubt dass Deutschland Weltmeister wird? und das sag ich als hoffnungsloser Optimist.
Deutschland gehört aufgrund seiner Erfolge, seiner effektiven Spielweise, seiner Konzentrationsfähigkeit, seines Losglücks, seiner Ausstrahlung immer zu den Favoriten einer Weltmeisterschaft. Den Ruf haben wir uns, wie Italien, Argentinien, Brasilien über viele Jahrzehnte erarbeitet.
Das wäre auch jetzt in Südafrika so gewesen, wenn Löw von vornherein die richtigen Spieler nominiert und nicht freiwillig auf Erfahrung verzichtet hätte. Eine zusätzliche Schwächung trat natürlich noch durch die vielen Verletzungen im Vorfeld der WM ein.
Dass Löw damals trotz der Verletzungen etablierter Spieler (Rolfes, Ballack, Westermann) niemanden mehr nachnominiert hat und sich auf seine jungen, größtenteils noch sehr unerfahrenen Spieler verlassen aht, war ein großes Risiko. Das hat viele hier im Forum, zu recht, dazu veranlasst, die Erwartungen deutlich herunterzuschrauben. Schließlich kann eigentlich niemand erwarten, dass Deutschlands U23 in einem Jahr Europameister wird und schon ein Jahr später, ergänzt durch drei, vier Erfahrene, den Weltmeistertitel bei den "Senioren" holt.
Wie ist der 3. Platz zu beurteilen?
Normalerweise ist das Erreichen des Halbfinals für Deutschland das Minimalziel. Wünschenswert ist natürlich der Titel. Weil wir das Minimalziel auch diesmal erreicht haben, können wir alle zufrieden sein. Dass wir es unter oben beschriebenen Umständen unerwartet erreicht haben, lässt viele regelrecht frohlocken. Das liegt natürlich auch an der Art und Weise, wie die junge Mannschaft in den Spielen gegen Australien, England und besonders Argentinien aufgetreten ist. Die Unbekümmertheit, die Schnelligkeit, gedanklich wie läuferisch, die technische Raffinesse, die Ballsicherheit in den angesprochenen Spielen war fein anzuschauen. Die unerwartet deutlichen Siege haben eine enorme Begeiserung ausgelöst.
Dennoch glaube ich, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Bei bestmölicher Personalauswahl, bei Berücksichtigung erfahrener Spieler etc. wäre auch in Südafrika der Weltmeistertitel möglich gewesen. Die Chance darauf hat Löw schon vor Beginn des Turniers durch seine sture Nominierungspolitik vertan. Ein Frings, ein Kuranyi, selbst ein Metzelder als Stabilisator der Abwehr hätte man immer einsetzen können. Wie wichtig das sein kann, zeigt das Beispiel Arne Friedrich. Niemand hat für möglich gehalten, dass der als Absteiger solch ein gutes Turnier spielt. Dass er es dennoch geschafft hat, hat er größtenteils seiner langen Erfahrung zu verdanken. Selbst wenn die "Senioren" nicht spielen, sind sie für das Selbstbewusstsein, das "Sieger-Gen" innerhalb einer Mannschaft unersetzlich.
Jetzt hört man wieder häufig, dass es unsere Mannschaft auch ohne Routiniers geschafft hat und dass solche Spieler wie Ballack gar nicht mehr gebraucht werden. Das halte ich für sehr gefährlich und für falsch. Es kommt gar nicht darauf an, einen Ballack oder einen Frings bzw. einen ganz bestimmten Spieler dabei zu haben, sonder auf die Mischung innerhalb der Mannschaft. Und die hat meiner Meinung nach auch bei unserem WM_Kader nicht gestimmt. Das hat man in den oben nicht genannten Spielen deutlich gesehen - Ausnahme im Spiel gegen Australien. Immer wenn unsere Elf Favorit (Serbien, Ghana) war oder besonders viel von ihr verlangt wurde (Spanien) waren die jungen Spieler gehemmt. Das ist völlig normal. Leider waren zu wenig Erfahrene dabei, die das hätten ausgleichen können.
Ohne Spielverderber zu sein, möchte ich auch nochmal anmerken, dass wir, gerade im Spiel gegen England, trotz des Ergebnisses viel Glück gehabt haben. Das Spiel gegen Australien war ein großartiger Auftakt, das gegen Argentinien der absolute Höhepunkt der gesamten Weltmeisterschaft. Trotzdem muss man auch hier sagen, dass die Dominanz nicht nur durch die Spielweise unserer Jungs, sondern auch durch die Schwächen der Gegner zu begründen ist. Wenn Argentinien einen richtigen Trainer gehabt hätte, hätten wir sicher mehr Schwieigkeiten gehabt.
Insgesamt bleibt festzuhalten: Die Jungs haben einen insgesamt hervorragenden Eindruck hinterlassen, auch weil man von dieser jungen Mannschaft von vornherein nicht allzu viel erwartet hat und einige Siege überraschend hoch ausgefallen sind. Mit einem weniger sturen Trainer, einer auch alters- und erfahrungsmäßig ausgewogeneren Mansnchaft wäre noch mehr möglich gewesen. Aber selbst unsere Youngsters haben, gerade im Spiel gegen Ghana, wieder mal deutsche Tugenden bewiesen. Das heißt, sie haben irgendwie gewonnen, auch wenn das Spiel alles andere als gut war. Schade, dass das nicht auch gegen "ausgebuffte" Spanier gelungen ist. Viele haben übrigens vor vier Jahren schon behauptet, dass man mit der damaligen Mannschaft in Südafrika Weltmeister werden könnte. Damals waren Poldi, Schweini, Lahm und Merte die Özils, Müllers, Khediras von heute. Schade, dass die damals 25 -28- jährigen diesmal nicht nominiert wurden oder verletzt ausgefallen sind.
Der Blick in die Zukunft sieht also recht vielversprechend aus. Das einzige Fragezeichen steht für mich tatsächlich hinter Löw. Mir ist es egal, ob er bleibt oder nicht. Mit einer ausgewogen besetzten Mannschaft müssen wir Deutsche immer den Anspruch haben, oben mitzuspielen. Ich setze darauf, dass auch Löw etwas dazugelernt hat.