Ich persönlich finde es offen gesagt schon etwas sehr seltsam, wenn hier im Hinblick auf rechtes Gedankengut teils geäußert wird, dass Politik nichts im Stadion zu suchen hat und man Nazis im Stadion duldet, solange sie sich beim konkreten Anlass vor Ort nichts zu Schulden kommen lassen.
Warum sollte ich einen Menschen nicht dulden, wenn er sich in meiner Gegenwart völlig korrekt verhält? Sorry, aber das ist schon etwas bigott, wenn sich jemand anmaßen will, andere Menschen willkürlich auszuschließen ohne Anlass oder Grund!
Grundsätzlich gibt es bei dem ganzen Thema 3 große Proleme:
1. Problem: Definition
Das Problem scheitert schon bei der Definition, was ein Nazi ist:
- Jemand der ein Londsdale Pullover trägt?
- Jemand der im Stadion "Zigeuner" ruft?
- Jemand der die AfD wählt?
"Nazi" ist ein absolutes Buzzword geworden, was aber keiner befriedigend definieren kann. Deswegen ist es meiner Meinung nach ungeeignet, überall "gegen Nazis" oder "gegen rechts" zu sein.
2. Problem: Das Gegenteil von Rassismus ist nicht Antifaschismus
Die Lösung gegen Rassismus oder Ausländerfeindlichkeit kann in meinen Augen nicht der Antifaschismus als Ideologie sein, sondern nur die Demokratie. Bei genauerem Betrachten bestehen zwischen sog. Neonazi- und sog. Antifaschistischen Gruppen eher Gemeinsamkeiten. Wer meint die Antifa zu brauchen, um das Stadion zu einer "Nazifreien Zone" zu machen, der würde wohl auch mit den Bandidos Jagd auf die Hell's Angels machen. Wie sehr der interviewte Initiator der Demo sich zur Rechtsstaatlichkeit bekennt, kann man in dem Video ja erkennen. Daher: Wer gemeinsam mit Demokratiefeinden andere Demokratiefeinde bekämpft, muss sich nicht wundern, wenn er irgendwann keine Demokratie mehr hat

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3. Problem: "Hass" bringt uns nicht weiter
Wenn man so manche Spruchbänder liest oder Aussagen hier hört, bekommt man wirklich das Gefühl, dass hier ein riesiger Hass direkt gegen die PERSON gerichtet ist. Und das kann ich nicht verstehen! Wenn ich einerseits von einer friedlichen Gesellschaft überzeugt bin, passt es meiner Meinung nach nicht dazu, andere Menschen als Personengruppe (in diesem Fall Nazis) pauschal zu hassen. Und da zeigt sich nämlich, worum es bei der politischen Einstellung wirklich geht! Wenn ich von Demokratie und Freiheit überzeugt bin, sollte es mein Ziel sein, andere Menschen davon überzeugen und in diesem Punkt ein Vorbild zu sein. Und wenn ich das "rechte Gedankengut" einer Person noch so ablehne, will ich doch trotzdem alles dran setzen um ihn als Menschen zu gewinnen und davon zu überzeugen, dass er ideologisch auf dem Holzweg ist. Viele geraten als Jugendliche auf der Suche nach Orientierung in die Szene, ohne wirklich drüber nachzudenken. Und viele sind auch weit entfernt davon, rassistisch zu sein. Diese Menschen gilt es zu erreichen. Aber Menschen gewinnt man nicht, in dem man sie beleidigt, sondern in dem man auf sie zu geht.
Um es mal überspitzt zu sagen: Was bringt es denn, wenn wir durch Spruchbänder oder Antifa-Aktionen irgendwann ein Nazifreies Weser-Stadion haben, die rausgeekelten "Nazis" sich aber durch den ihnen entgegenschlagenden Hass radikalisieren und solidarisieren. Dann können wir uns im Stadion zwar gegenseitig für unser tolles Weltbild abfeiern, der Gesellschaft hilft es aber Null weiter!