@Sportvereinwerderbremen
Auch ich bin nach längerer Steher Zeit im Oberrang gelandet. Viele derjenigen die "früher" in der Kurve standen sitzen mittlerweile oben. Die Ultras stehen nun mittlerweile 12 Jahre in der Kurve - eine lange sehr lange Zeit.
Das sich Gebaren, Gesänge, Fahnen, sonstige Utensilien ändern in dieser Zeit dürfte erstmal selbstverständlich sein - so sind die alten Gaströten und Mundhupen aus den Siebziger/Achtziger sind nicht mehr (nur noch vereinzelt) im Stadion zu hören. Aus vereinzelten langen Fangesängen (Ole hier kommt der SVW) von damals wurde der Dauersupport aus dem Staubsauger.
Das man in der Ost das ganze Stadion "mitgenommen" hat wie du es sagst, glaube ich einfach nicht, aber sicherlich war es "gefühlt anders". Das ist aber auch Ansichtssache. Die "Bekloppten in der Ostkurve" - das galt damals wie heute würde ich sagen. Manchmal war es aber hip von vielen "auch mal Ost" zu stehen - sowie es heute auch hip ist - das nenne ich halt die "Kurventouristen".
Daraus jemanden absprechen wollen er sei "ein besserer" Fan als irgendein anderer? Ich nicht.
Das sich die Ultras da "unten" aber so gerieren als seien sie die Besseren, daß ist einfach so. Das ist ein jedweder Gruppe immanentes Wesen und Kern - ungewollt oder gewollt: Man kleidet sich anders, äußert sich anders, benimmt sich konträr zum Konsens und pocht auf seine Ansichten und geht rüde und mit Unverständnis mit "den anderen" und ihre Ansichten" um. Und entwickelt seinen eigenen "Kodex".
In den Neunzigern war die Kurve mal sowas wie "politisch korrekt" - Sitzen fürn Ups, ich muss meine Wortwahl ändern

, Gegen Nazis etc. pp., das ist nicht mehr ganz so augenfällig wie früher floß aber wenigstens zum Teil in die jüngere Szene der Kurve mit ein.
Die Ultras bzw. die Gruppe die aktuell mit dem Verein über den Staioumbau beriet war überwiegend mit Ultras besetzt - doch auch einige der alten waren mit dabei.
Was das "Stadionerlebnis" Werder anbetrifft muß das jeder für sich selber suchen und in Anspruch nehmen - dafür gehört für mich eben dazu, daß ich wenn ich stehe, den Platz nehme wo ich immer stehe - wie im Pausenraum beim Arbeitgeber: da sitze ich auch jedesmal auf den selben Platz.
Wer zumindest das bestimmt? Ich selber.
Alle anderen "Regeln in der Kurve" haben sich so ergeben und ändern sich je nachdem wie der Zeitgeist da gerade tickt, was bei der Jugend gerade Mode ist und sonst so. Das es da anders zugeht und immer anders zugehen wird wird sich - nicht ändern lassen meiner Meinung nach. Und deswegen lässt man sich darauf ein oder lässt es. Beim Rockkonzert geht man entweder in die ersten Reihen und pogt hüpft, springt und gröhlt mit oder geht paar Reihen nach hinten.
Wir - ua. du und ich - sind jetzt "die alten". Damals waren wir "die Jungen". Eine/unsere Generation war es die Toleranz über und für jedweden anderen über seine eigenen Ideale stellte - die unsere. Und das ist jetzt wieder anders. Die alten früher haben uns für bescheuert und intolerant erklärt und auch in Abrede gestellt, daß wir mit unseren Gebaren etwas für den Klub ändern können (Meint ihr etwa, nur weil ihr lauter schreit spielt Werder besser?" - das war der Vorwurf der "alten" gegen uns. Die gingen im Mantel ins Stadion, wir zeigten unsere Farben).
Jetzt sitzen wir im Oberrang und schreien vereinzelt "Ultras raus" - wir machen das, was unsere Vorgängergeneration mit uns tat.
Ich kann drüber schmunzeln - alles an den Ultras ist nicht verkehrt und was wir so tun, ist auch nicht alles richtig.
Wie vor zwanzig Jahren.
Man vergisst zu schnell was man früher tat und überschätzt was man heute tut. Zu gerne meinen wir nach einem Ideal zu leben das ein allgemeines Gesetz werden sollte bzw. das allgemein als "richtig" erachtet wird.
Und das, Sportvereinwerderbremen, beantworte ich mal mit Richard Nixon: "Das ist nicht richtig!"
Jede Generation geht konträr zu ihrer Vätergeneration - das ist ein nicht zu ändernder Umstand.
Das wir das nicht so heftig veranstalteten wie die aktuelle junge Generation lag daran, daß wir einfach klüger waren
