Ja, das war doch auch unter FK so Defensive und Umschaltspiel. Nur wenn der Gegner selbst auch nicht anders wollte,wurde Offensiv gespielt, trotzdem relativ sicher Defensiv. Nur wir haben selbst deutlich zu wenig Tore geschossen (37 Tore gesamt). Also fehlte uns auch in der Offensive Qualität und Torgefahr, jetzt ist diese Baustelle hoffentlich behoben. Vorne werden Punkte geholt hinten verteidigt. So ist Frankreich Weltmeister geworden.
Daß wir wegen fehlender Qualität in der Offensive die wenigsten Tore in der Werder-Bundesligahistorie geschossen haben, ist zwar richtig, aber bei tiefgründiger Betrachtung fallen hierbei auch noch Ursachen auf:
Der moderne Fußball hat sich in den letzten 2 Jahren dahingehend entwickelt, daß die Offensivbemühungen der Gegner schon damit im Keim erstickt werden sollen, um mit einer klugen Raumaufteilung gar nicht erst zum Zug kommen lassen. Das Spiel Kroatien gegen Argentinien bei der WM war ein Paradebeispiel dafür, wo die Kroaten die Räume so geschickt zumachten, daß die Argentinier ihren Schlüsselspieler Messi so gut wie kaum in Szene setzen konnte und aus dieser Raumaufteilung heraus haben sie ihre Gegenangriffe generiert. Das Grundkonzept der Franzosen war genau das gleiche, auch wenn deren Interpretation deutlich defensiver als das der Kroaten gewesen ist, mit dem sie von den ersten ca. 20 Minuten abgesehen selbst die offensivstarken Belgiern den Zahn gezogen haben und in 4 von 7 WM-Partien ohne Gegentor blieben, aber gleichzeitig auch "nur" 2 Tore weniger als eben jene offensivstarken Belgier erzielten.
Dieser Entwicklung des Fußballs hinkt Werder teilweise noch hinterher, denn wie schon öfters erwähnt, dürfen die numerisch wenigen 40 Gegentore nicht darüber hinwegtäuschen, daß Pavlanka nach dem Kölner Keeper Horn in der abgelaufenen Saison die meisten Schüsse aufs Tor bekam, ohne dessen herausragenden Leistungen die Anzahl der Gegentore deutlich höher ausgefallen wäre. Ergo hat es mit der im modernen Fußball erforderlichen Raumaufteilung bei Werder nicht so gut geklappt, wie man es sich wünschen könnte, und genau hier liegt der Schlüssel zum (Tor-)Erfolg, denn eine kluge Raumaufteilung erfüllt die Doppelfunktion von Verhinderung von Gefahr für das eigene Tor und bietet somit die Chance für Ballgewinn sowie einem aus dieser defensiven Grundordnung resultierenden Gegenangriff.
Doch hierzu bedarf es auf die Defensive spezialisierte Spieler, die einen solchen Gegenangriff eröffnen können. Es war in der vergangenen Saison schon zu beobachten, daß wenn bei Werder die defensive Grundordnung stimmte und ein Moisander oder Bargfrede von hinten heraus einen solchen Gegenangriff starteten, Werder für Torgefahr beim Gegner sorgte. Nur: das passierte zu selten. weil uns ein starker Defensivverbund ebenso fehlte wie defensivstarker Spieler, die ein Spiel von hinten heraus eröffnen können, so daß unsere nominell ohnehin schon blasse Offensive noch schlechter aussah. Bezeichnenderweise hat Werder von den 9 Partien, in den Moisander nicht mitspielte, 8 nicht gewonnen; seine Abwesenheit war sicherlich nicht der alleinige Grund für diese schlechte Quote, aber dennoch ist es ein deutlicher Hinweis darauf, welche Schlüsselrolle Defensivspieler mit der Fähigkeit zur Spieleröffnung als Teil eines funktionierenden Defensivverbunds im heutigen Fußball einnehmen.