In der Tat. Man muss nicht verstehen, dass ein Ex-Trainer, der in Bremen zwar gute Jahre hatte, aber auch der Architekt des Niedergangs war (schon vergessen?) und in zwei anderen Clubs auch beinhart gescheitert ist für viele hier der ideale Mann für den Posten des TD sein soll. Womit hat er sich für die Position jetzt genau qualifiziert? Mit dem Titelgewinn 2003/2004 oder mit dem DFB-Pokalgewinn 2009?
Das ist lange her und wurde noch mit einem Spielsystem namens Raute erreicht. 2017 ist das allerdings nicht mehr state of the art.
Dass er in Frankfurt beinhart gescheitert ist, scheint mir eine Legende zu sein. Er hat eine (im Vergleich zum Vorjahr) massiv geschwächte Mannschaft auf einen guten 9. Platz geführt. Eine Mannschaft, die sein hochambitionierter Vorgänger und Nachfolger in Personalunion Armin Veh zuvor verlassen hatte, weil er wieder mehr Siege feiern wollte und mit der er nach Schaaf wegen Erfolglosigkeit keine ganze Saison arbeiten durfte. Schaaf hat dort wegen der Frankfurter Führung freiwillig das Handtuch geworfen.
Bei 96 hat er den Gaul nicht mehr ins Ziel bringen können, aber der war auch vorher schon schwer angeschossen. Wenn man ihm das anlasten möchte, kann man das natürlich machen. Das ändert aber gar nichts an seiner Bremer Zeit.
Und da ist "zwar gute Jahre hatte..." wohl die Untertreibung schlechthin. Mir wird regelmäßig schwindelig, wenn ich höre und lese, wie manch ein Werder-Fan in der Retrospektive die Arbeit von Schaaf (und auch Allofs) beurteilt. Was haben die Leute für einen Anspruch? Ist euch nicht klar, dass Werder über fast ein Jahrzehnt MASSIV overperformt hat, was genau diesen beiden Personen zu verdanken ist???
Architekt des Niedergangs? Ehrlich? Schaaf hat die Mannschaft in einer Situation übernommen, die nicht weniger kompliziert war, als das was wir die letzten Jahre erlebt haben und hat daraus einen dauerhaften Meisterschaftskandidaten und CL-Teilnehmer gemacht, mehrere nationale Titel geholt, das Uefa-Cup-Finale erreicht, gegen Mannschaften wie Real, Juve, Chelsea gewonnen.
Und jetzt kommt der Witz an der Sache: Das alles obwohl Werder praktisch jedes Jahr absolute Topspieler abgeben und ersetzen musste. Ich kann dir aus dem Stand mindestens 20 Spieler nennen, die Werder in der Schaaf-Ära verlassen haben und zum jeweiligen Zeitpunkt absolute Leistungsträger waren bis hin zum besten was die Bundesliga auf Ihrer Position zu bieten hatte. Und über Jahre hinweg haben Allofs und Schaaf es geschafft, trotz begrenzter finanzieller Möglichkeiten diesen Aderlass ohne Leistungsabfall zu kompensieren. Das ist eine absurd gute Leistung. Dass dies im achten oder neunten Jahr dann nicht mehr so reibungslos geklappt hat und mit Leuten wie Arnautovic oder Marin daneben gegriffen wurde, macht ihn zum Architekt des Niedergangs... Wahnsinn! Dass nebenbei massiv Geld im Stadion verbrannt wurde, welches nicht mehr für die Mannschaft zur Verfügung stand, wird bei der Bewertung von KATS dann auch noch hinten runter fallen gelassen.
Der Mann gehört ohne jeden Zweifel zu den erfolgreichsten deutschen Trainern seit 2000 und arbeitet seit Jahren für die UEFA in einer themenverwandten Rolle, über die jetzt bei Werder diskutiert wird. Und hier wird ihm tatsächlich der fußballerische Sachverstand und die Tauglichkeit für eine solche Position abgesprochen.
Ich glaube kaum, dass es Schaaf finanziell nach fast 40 Jahren im professionellen Fußball so schlecht geht, dass Baumann sich um dessen Wohlbefinden sorgt.