Daß ein Sportvorstand sich (bis zu einem gewissen Zeitpunkt) öffentlich hinter seinem Trainer stellt, ist in der Tat ein völlig normaler Vorgang, entscheidend ist dabei jedoch, wie er diese Rückendeckung artikuliert. Sich nach zwei blutleeren Partien zum Saisonauftakt zu der Aussage hinreißen zu lassen, daß ein Trainer im Amt bleibt, auch wenn er die kommenden 8 Partien nicht gewinnt, war keine für den Bundesligaalltag übliche Wortwahl, so daß der interviewende TV-Moderator verständlicherweise Mühe hatte, ein Lachen zu unterdrücken - ganz abgesehen davon, daß abgesehen von TS in 12/13 es in den 53 Bundesligajahren zuvor wohl kaum einen Trainer gegeben hat, der nach 10 sieglosen Pflichtspielen in Folge weiter im Amt bleiben durfte. Mit dieser und anderen Formulierungen ("... wir werden da in den nächsten Monaten definitiv nichts verändern...") hat FB sich ebenso wie seinen Äußerungen über VS bei Amstantritt als GF Sport sehr, sehr weit aus dem Fenster gelehnt, und ist somit aus selbigen heraus gefallen. Daß er im Nachhinen seine Schuld eingesteht, ehrt in einerseits; aber wenn man Fehler macht, sollte es losgelöst von irgendwelchen bestimmten Personen oder Sachverhalten doch eigentlich selbstverständlich sein, daß man über so viel Rückgrat verfügt, um seine Fehler einzugestehen, oder?
Sollte man das? Vielleicht ohne Zeitangabe gab es eben gleiche Formulierungen ala "Der Trainer steht nicht zur Diskussion." "Auch nicht nach einer weiteren Niederlage" "Auch dann nicht." vielfach in der Liga, woraufhin dann entlassen wurde. Wenn man sich nun an dem Zeitansatz, den Baumann wg immer fortwährender Nachfrage sicher auch etwas übersptitz dargestellt hat, aufhängen will, okay.
Dass der Fehler dbzgl eingestanden wurde, habe ich so zumindest bei niemandem in Erinnerung, eben deswegen ist es im Haifischbecken Bundesliga keine Selbstverständlichkeit.
Eben. Die aktuelle Serie liest sich zwar sehr gut, ist jedoch auch nur eine Momentaufnahme und darf somit auch nicht darüber hinwegtäuschen, daß wir trotz der 13 von 15 möglichen Punkten aus den letzten 5 Partien gerade einmal 2 Zähler vor dem Relegationsplatz stehen,
Was aber eben mit dem Rest der Saison zu tun hat. Mit dem Wort "Momentaufnahme" reduziert man die aktuelle Serie auf eine Art Zufall, Betriebsunfall. Genauso könnte man umgekehrt sagen, dass die 4 Niederlagen zuvor eine Momentaufnahme sind.
Mag ich nicht, ist nicht mein Ding. Ich argumentiere dann lieber aus dem Jetzt heraus. Nicht aus dem "die HR war scheisse, also ist das jetzt nur ne Momentaufnahme" - Pessimismus, genauso wenig aus dem "Jetzt starten wir richtig durch, es kann nichts mehr passieren" - Optimismus. Wir können genauso gut wieder verlieren, wie auch weiter gewinnen.
Trotzdem sind die letzten Spiele eben kein Zufall, sondern ein Trend, der eben nicht erst seit 5 Spielen herrscht, sondern schon seit Beginn der RR + Hinspiel Dortmund. Und deswegen sehe ich das aus der jetzigen Perspektive, nicht aus der was noch kommen könnte. Und dort sehe ich eine gut spielende funktionierende punktende Mannschaft, in der fast alle Neuzugänge gute, wenn nicht gar tragende Rollen spielen und der Trainer eine Idee hat, die er fähig ist, umzusetzen.
Und aus dieser Jetzt-Perspektive gibt es sehr wenig, was man Baumann vorwerfen kann. Kritisieren kann man ihn wieder, wenns wieder nicht gut läuft, und der IV doch Invalide ist, wie schon mehrfach beschworen. Aber das jetzt wieder weiterhin anzukündigen, und die momentane Situation als "Momentaufnahme" kleinzureden (Gegenteil von Schönreden übrigens) wird der Sache und den Protagonisten nicht gerecht.