Der Werderweg umfasst u.a. auf eigene Leute zu setzen, weil diese durch die Nähe zum Verein (=höhere Identifikation) eine höhere Verbindlichkeit erzeugen. Höhere Verbindlichkeit wiederum erzeugt bessere Arbeitsleistung. So die Theorie, die auch stichhaltig ist. Leider ersetzt höhere Identifikation keine Kompetenz.
Werder meint seit den 80er, dass sie das Gegenmodell der Liga seien. Mit der jetzigen Wagenburgmentalität erhoffen sie sich, gegen die Einflüsse von Außen weitestgehend abschotten zu können. Ihre ganze Strategie ist auf Risikovermeidung aufgebaut. Bilanz der letzten 5 Jahre ist, dass Eigenkapital weg, nur Abstiegskampf, keine Weiterentwicklung sondern ausgeglichenen Haushalt. Was sie jetzt tun, dass sie wieder in ihre alten Verhaltensmuster verfallen, versuchen Mehrerlöse über Transfers zu erzielen und preiswerte Spieler mit Potential zu holen.
Für mich das klassische Gegenbeispiel ist Gladbach, die 2007 abstiegen, mehrfach dem Abstieg entronnen sind und durch kalkulierbares Risiko sich im oberen Drittel etabliert haben. Nebenbei haben die noch einen Stadionneubau finanziert. Mit dem Wechsel auf Baumann wird dieses hanseatische Kaufmannsgehabe zementiert.
Diese Idee mit dem Gegenmodell ist grundsätzlich nicht schlecht. Es ist auch nicht schlecht, wenn man versucht auf Identifikationsfiguren zu setzen.
Der FC Bayern, als deutscher Klassenprimus, ist am Ende des Tages auch ein gewisses Gegenmodell zur Liga. Auch arbeiten beim FC Bayern an den Schaltstellen Identifikationsfiguren des Vereins.
Nur hat sich der FC Bayern niemals den Entwicklungen im Fussball entzogen. Viele Entwicklungen hat man mit voran getrieben. Hat man gesehen, dass man irgendetwas versäumt hat, dann hat man da sofort nachgesteuert. Als sich das Spiel mit der Philosophie Klopps änderte, steuerten die Bayern nach. Dortmund wurde zwei mal Meister. Seit dem beherrschen die Bayern wieder Liga.
Gleichzeitig hat man sich niemals den wirtschaftlichen Notwendigkeiten entzogen. Die Bayern haben recht früh Anteile an langjährige Partner verkauft. Man war im Merchandising in Deutschland Pionier. Als die WM 2006 die Möglichkeit bot endlich ein neues Stadion zu bauen, da hat man sich nicht mit irgendwelchen romantischen Träumerein aufgehalten, sondern hat Stadion schlicht verkehrsgünstig an die Autobahn gesetzt. Man hat da schlich ganz pragmatisch gedacht. Keine Überlegungen über einen Umbau der alten Schüssel im Olympiapark.
Man geht bei den Bayern ein kalkuliertes Risiko, ist innovativ und setzt gleichzeitig auf Identifikationsfiguren. Diese Personen werden aber ziemlich gezielt nach ihren Fähigkeiten eingesetzt. Was man bei den Bayern aber nie gemacht hat, zimperlich mit den Trainern zu sein, wenn die sportliche Entwicklung nicht das hergeben hat, was man wollte. Dann mussten auch einige Trainer vorzeitig gehen. Manchmal auch nach eine gewonnenen UEFA-Cup Halbfinale. In München weiss man ganz genau, dass der sportliche Erfolg die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg ist.
Bei Werder ist man einfach zu romantisch. Das Festhalten am Standort Weserstadion war im Vorfeld der Fussball WM 2006 ein Fehler. Schon den Umbau der Nordgeraden hätte ich nicht mehr vollzogen. Sich wäre mit einem "Stadion am Bremer Kreuz" einiges an Flair verloren gegangen, aber auch in Gladbach hat man den Umzug überlebt. Auch ordnet man eben nicht alles dem sportlichen Erfolg unter. Schon 2007 hätte man nach der verpassten Meisterschaft einen neuen Trainer holen können. Zu diesem Zeitpunkt waren Geld und Perspektive vorhanden. Da hätte man dann eben mal versuchen müssen sich in der Spitze Europas zu etablieren. Du muss dich täglich entwickeln. Stillstand ist Rüschritt und irgendwann wunderst du dich, dass dich sogar vermeintlich kleinere Klubs überholen. Es wäre auch damals die ideale Zeit gewesen mit Unternehmen über langfristige Partnerschaften zu sprechen. All das hat man irgendwie verpennt.
Ich weiss nicht wie Baumann die Sache angehen wird. Vielleicht ist er da innovativer als wir alle denken. Vielleicht ist das sogar Bode innovativer als wir denken. Ich weiss es nicht. Ich bin gewillt Baumann die Chance zu geben. Er hat eigentlich gute Ausgangsbedingungen. Die Frage ist nur, ob wir sportlich richtig aufgestellt sind. Wichtig ist in meinen Augen, dass man Baumann auch wirklich arbeiten lässt. Dass sich die Riege im Aufsichtsrage aus den täglichen Geschäften raushält. Von der Vita her ist der einzige, den ich da wirklich für tauglich halte ohnehin Fuchs. Mit Abstrichen Bode. Bode hat es sich bei mir in den letzten Monaten ziemlich verscherzt.
Für Werder Bremen kann man nur das Beste hoffen. Einfache Zeiten werden das definitiv nicht!