Das sehe ich nicht so, dass durch den einen Paragraphen alle Schuld von Mercedes genommen wird. Denn Daten hat Mercedes trotzdem bekommen: eigene Daten und Pirelli-Daten (wie anhand des E-Mail-Verkehrs heute offenbar nachgewiesen wurde). Auch der Verweis darauf, dass die anderen Teams längst auch eine Test-Angebot erhalten hatten, ist mMn Blödsinn. Wenn sowas mit wochenlanger Verspätung stattfindet, haben die Teams einen wochenlangen Entwicklungsrückstand. Wenn jetzt Lotus, RB und McLaren auch noch eingeladen werden zum Testen, wäre jedenfalls nicht plötzlich alles in Butter!
Tatsächlich ist es ja wohl sogar so, dass solche Test bereits 2012 allen Teams angeboten wurden. 2013 hat sogar RBR ein solches Testangebot vorgelegen. RBR hat es eben abgelehnt, weil sie eben nach ihrer Auffassung nicht dürften. Ist halt eine Auslegungssache.
MAMG wird aus den Fahrten sicherlich Erkenntnisse gezogen haben. Nur welche? Die Fahrer werden sicherlich auch Unterschiede gemerkt haben. Nur sie wissen ja auch nicht welche Art von Reifen gerade unter dem Auto waren, auch wenn man das sicherlich erahnen kann.
Bin nun wirklich kein MAMG-Fan, aber hier hat in meinen Augen die FIA den größten Bockmist gebaut. Allein das ein Whiting bei einem FIA-Justiziar nachfragt und ein Ok für solche Tests gibt, stinkt in meinen Augen zu Himmel. Mich nervt, dass die FIA sich mit einer Bestrafung von MAMG einfach so aus der Affäre ziehen möchte. Wenn ich das richtig gelesen habe, dann hat der FIA-Vertreter ja sogar argumentiert, dass man selbst Pirelli als "Wettbewerber" in Sinne diese ominösen Artikels (meine es sei der 22) der sportlichen Regeln verstehen müsse.
Hier wird sehr viel interpretiert und hineingelesen. Deutlich ist das alles nicht. Man darf daran erinnern, dass RBR letzte Saison bis Monaco eigentlich mit einem nicht den Regeln entsprechenden Auto gefahren ist. Das wurde dann geändert. RBR wurde eben nicht bestraft, weil die Regeln nicht genau genug formuliert waren und man daher diese nur präzisiert hat. In meinen Augen schon eine Art Präzedenzfall für solche Situationen.
Ich bin davon überzeugt, dass MAMG heute eine sehr empfindliche Strafe bekommen wird. Allein damit an der FIA selbst nichts hängen bleibt.
Ich find's generell nicht gut, dass die mit Spitzenautos testen. Dass in den letzten Jahren besonders viel mit einem alten Renault und einem alten Ferrari getestet wurde, wird sicher auch in der aktuellen reifenschonenden Fahrweise der beiden Autos sichtbar. Dennoch liegen da zwei Jahre Entwicklung dazwischen und es wurden auch nicht die Einsatzfahrer benutzt. Daher finde ich die Fälle auch nicht vergleichbar.
Pedro de la Rosa ist nun auch ein äußerst erfahrener Fahrer. Er hat über 100 GP auf dem Buckel. Der kann mit seiner Erfahrung aus den Tests ebenso viele Informationen ziehen wie Rosberg oder Hamiliton.
Was mich eben stört ist auch hier, dass in den Medien immer verbreitet wird, dass das Testen mit einem zwei Jahre alten Auto laut Regelement erlaubt sei. Das stimmt aber so auch nicht. Sondern da steht, dass Test auch mit einem Auto verboten sind, das im Wesentlichen mit dem Reglement der zwei vorangegangenen Jahre übereinstimmt. Man dürfte also auch nicht mit einem 2011er Auto testen.
Ist alles typische juristische Haarspalterei, aber um eben nichts anderes geht es hier. Geht man nur von dem Wortlaut aus, dann sind die Tests mit 2011er, 2012er, 2013er Autos für die Teams, die um die Weltmeisterschaft fahren schlicht verboten. Das trifft aber nicht auf Pirelli zu. Die sind ja kein Wettbewerber (= Team) sondern eben Ausrüster. Dazu haben sie das vertragliche Recht 1000 Km-Tests durchzuführen. Nur Pirelli hat halt bis auf einen 2010er Renault keine eigenen F1-Fahrezeuge. Wie sollen sie also Testen? Man bediente sich dann eben in der Vergangenheit häufig bei Ferrari, die zwei solcher Test gemacht haben. Allerdings eben mit älteren Fahrzeugen, wobei das ja von den Regeln eigentlich auch nicht gedeckt war. Fraglich auch, wer kontrolliert hat, dass unter dem 2011er Chassi nicht neue Teile getestet wurden. MAMG hat einen solchen Test gefahren. Allerdings eben mit dem aktuellen Auto.
Entweder sind die Ferrari-Tests dann genauso illegal wie die MAMG-Tests oder sie sind beide legal.
Allerdings geht es - wie bereits gesagt - nicht um Gerechtigkeit, sondern um Politik!