Jetzt liegt die Süddeutsche Zeitung von morgen vor mir und ich muss leider sagen: Da scheint etwas überhaupt nicht koscher zu sein und es sieht ganz so aus, als stehe der Verein vor einer schweren Zeit, bzw. steckt schon mittendrin. Der Artikel im Sportteil wurde u.a. von Hans Leyendecker geschrieben, und Leyendecker ist alles andere als ein Nachrichten-Spekulant.
Ich fasse hier mal kurz zusammen, was drin steht:
-generell im Moment sehr viel Gerüchte im Umlauf (Schattenhaushalte bei Transfers, Stundung der Grundsteuern), von denen aber niemand weiß, ob was dran ist. Sonst halten sich die Autoren allerdings an Fakten.
Die Fakten:
Am 28. September gab es ein Treffen zwischen Schechter, Vereins-Anwalt Paeffgen, Tönnies, Peters und Magath
Schon am 31. August hatte Paeffgen ein streng vertrauliches Memorandum an den Aufsichtsrat geschickt. Zitat: "Ziel: Abwendung einer Insolvenz"
Schechter und Paeffgen stellten einen Plan vor:
-verpfändete Rechte am Stadion sollten von einem neuen Investor ausgelöst werden
-danach: Gründung eines Real Estate Investment Trust, einer Immobilien-Aktiengesellschaft, deren Aktien zum Teil an der Börse gehandelt werden. Inhalt des Fonds wohl vor allem die Veltins Arena (Name "Veltins Arena REIT")
Rechnung: Eigenkapitalrendite von mindestens sechs Prozent, um den Verein wieder regelmäßig liquide zu machen
-Forderung. Schnusi und Peters nicht mehr zeichnungsberechtigt, Vorstand wird nicht entlastet, aber auch nicht abberufen
-Paeffgen, und jetzt wirds typisch Schalke, schlug vor, dass er und Magath künftig gemeinsam "zur Vertretung Schalkes berechtigt seien".
-> Paeffgen wollte die Situation auch dazu nutzen, die Macht an sich zu reißen
Folge: Tönnies und der Aufsichtsrat haben Paeffgen zum 2. Oktober das Mandat gekündigt
Vergangener Donnerstag: Tönnies spricht vor der "Vereinigung königsblauer Landtag", Schalke-Anhängern, die im Landtag sitzen.
136 bis 140 Millionen Euro Schulden
ca. 400 Millionen Euro Vereinsvermögen (Stadionanlage, Immobilien, Spielerkader)
Die SZ fragt (zurecht): Wäre das Vermögen im Fall der Fälle wirklich in so einer Größenordnung belastbar?
Konto bei der WGZ-Bank in Düsseldorf (auch bekannt als "Sicherungskonto"):
-Ende August hätten 11,3 Millionen drauf sein sollen, tatsächlich waren es 3,7 Millionen (Die Summe, die genau für die am 1. September fällige halbjährliche Tilgungsrate nötig ist).
Dann wird noch von Kontobewegungen berichtet, bei denen sechsstellige Summen eingezahlt und am selben Tag wieder abgehoben wurden.
Sprich: Das Konto soll eigentlich als Puffer gegen Ausfälle dienen, ist aber leer - es sei denn, es wird Geld gebraucht. In meinen Augen ein deutliches Indiz dafür, dass wir riesige Liquiditätsprobleme haben (ich hoffe nur, dass es der Verein ist, der auf das Konto einzahlt, und nicht Tönnies, weil kein Geld mehr da ist).
Kleiner Nebenaspekt: Ein nicht genanntes AR-Mitglied sagt, dass Paeffgen der Meinung ist, dass nicht sicher sei, ob der der DFL vorgelegte Liquiditätsplan die "Spezialitäten der WGZ-Anleihe" berücksichtigt. Worst Case Szenario: Das könnte als Lizenzbetrug ausgelegt werden (wird es aber heutzutage wahrscheinlich nicht, nehme ich an)
Jetzt noch die Sache, die mich am meisten an die alten Zeiten erinnert:
Schalke verkauft für einige Heimspiele Stehplatzkarten, die längst verkauft sind. Der Verein hat berechnet, dass in der Regel zwischen 2000 und 4000 Stehplatzfans nicht ins Stadion gehen und verkauft deshalb die gleiche Anzahl nochmal auf dem freien Markt (wahrscheinlich schon im Verkauf vor der Saison, nehme ich an, da es ja in der Regel keine Steher mehr gibt am Spieltag).
Zitat SZ: "Schwarzkarten seien dies nicht, sagt Tönnies: 'Königsblau ja, aber Schwarz gibt es bei uns nicht.'
Starker Tobak, das alles.