Ich erlebe es hier ja quasi hautnah.
Wie sich alles entwickelt, wie die Leute die Dosen wahrnehmen, wie die Kinder in die Situation hineinwachsen, etc.
Es ist schon sehr, sehr mehrschneidig.
Eins vornweg.
Die Vereinsstruktur ist mehr als grenzwertig, scheint aber den Regularien zu entsprechen.
Ob die indirekte Zusammenarbeit mit RB Salzburg das Nonplusultra darstellt, wage ich zu bezweifeln.
Viele Spieler kamen von dort, die wenigsten sind Extraklasse, sondern eher gehobenes Mittelmaß.
Ob sie schönen Fußball spielen, darüber kann man m.M.n. trefflichst streiten.
Das kommt wohl ganz darauf an, was jeder persönlich für sich als solchen empfindet.
Dass er einigermaßen erfolgreich ist, kann man nicht leugnen.
Was die Fans betrifft, so beginnt sich meiner Wahrnehmung nach, etwas zu bewegen.
Die vielen Leipziger und Leute aus dem Umland kann man m.M.n. jedoch (noch) nicht als Fans, im Sinne der Traditionsvereine, bezeichnen.
Woher und wie soll das in der kurzen Zeitspanne auch entstanden sein?
Ich kenne genug, die sich als Fans bezeichnen, aber kaum heftige Gefühlsregungen bekämen, würde RBL nicht Zweiter, sondern nur Sechster oder Siebenter werden.
Es ist mehr die Erfüllung des Wunsches BL in Leipzig erleben zu können.
An dieser Stelle kommt die Standortwahl von Mateschitz ins Gespräch.
Leipzig hätte bei einigermaßener Vernunft und Zurückhaltung persönlicher Eitelkeiten, durchaus selbständig eine BL-Mannschaft haben können.
Der VfB Leipzig (eigentlich oder ursprünglich 1.FC Lok) spielte kurzzeitig in der BL.
Eine Fussion mit Chemie hätte mit entsprechender Vernunft (auch der Hardliner unter den Fans) eine Lösung sein können.
War eben leider nicht möglich.
Dass Mateschitz BL-Fußball nach Leipzig gebracht hat, war von daher ein Segen für alle Fußballliebhaber der Region.
Hier interessieren sich nur wenige für die Vereinsstruktur, die ist den Leuten ziemlich egal.
Sie wollen, wie früher zu DDR-Oberligazeiten, Live-Fußball erleben.
Für mich ist das, als den Dosen sehr kritisch gegenüberstehender BVB-Fan, letztlich nachzuvollziehen.
Weil ich erlebe, wie es die Menschen genießen, denen die eigenen Vereine in teils übler Art (von westdeutschen Scharlatanen und Finanzjongleuren) plattgemacht wurden, wieder ins Stadion gehen zu können.
Wie die kleinen Kinder, u.a. auch mein eigener Enkel, stolz mit dem RB-Trikot herumlaufen.
Für mich etwas sehr schönes, was die Kinder erleben dürfen.
Auch sie interessieren sich gewiss nicht für die kritische Vereinsstruktur und fehlende Tradition.
Übrigens, die Tradition wird, wenn alles in normalen Bahnen läuft kommen.
In 30 Jahren haben auch die Dosen eine Tradition, denn auch alle heutigen Traditionsvereine hatten einen Tag eins.
Für euch wird Werder und für mich der BVB der Mittelpunkt fußballerischen Lebens sein.
Einen Fehler mache ich bestimmt nicht.
Nämlich aus sturem Traditionsgefasel dem Verein meiner Heimatstadt Schlechtes zu wünschen.
Dafür ist er hier für viele Menschen, Freunde, Bekannte und Verwandte von mir, ein viel zu bedeutender Teil des gesellschaftlichen Lebens und Miteinander.
Natürlich müssen die möglichst hinter dem BVB plaziert sein
