@ Schmolle
Erstmal freuts mich dich hier wieder zu "lesen". Ist ne ganze Zeit her seit ich zuletzt hier im Werderforum etwas geschrieben habe und ein paar alte Diskussionspartner sind also noch da.
Eigentlich kann ich nicht mehr viel hinzufügen. Die Systemfrage hast du ja schon angeschnitten und als Klinsmann am Anfang mit einer Dreierkette hat spielen lassen habe ich mich gefragt ob wir wieder in die Zeiten des Liberos zurückfallen und ob er uns das dann als sein "Projekt" verkaufen will. Es wird schon seine Gründe haben wenn keine Mannschaft in Europa mehr mit einer Dreierkette spielt. Vielleicht hätte jeder (der Vorstand!!!!) Fussballinteressierte spätestens da merken müssen das die Taktik bei der Nationalmannschaft wohl damals doch von Löw gemacht wurde, auch wenn sowohl Löw als auch Klinsi gerne etwas anderes erzählen.
Dann diese Reihe von Fehlentscheidungen wie sie tölpelhafter kaum sein könnten. Welcher Trainer ernennt denn einen Kapitän um diesen gleich danach zu "rasieren" und dennoch weiterhin in vollsten Tönen zu loben? Der Kapitän sollte doch der "verlängerte Arm" des Trainers sein und sein vollstes Vertrauen genießen oder war die Rolle des Kapitäns in Klinsmanns Projekt vielleicht auch anders als in unserer antiquitierten Sicht der Fussballwelt, da Klinsmann den FCB und am Besten gleich die ganze Fussballwelt reformieren wollte. Dazu kamen die Versprechen gegenüber Spielern die dann ohne Begründung nicht eingehalten wurden und wenn sich dann ein Ribery in die Pressekonferenz setzt und sich für seinen "Kumpel" Van Buyten stark macht, dann ist es um die Autorität des Trainers ja nicht weit her.
Ganz schwach fand ich im Übrigen auch seinen Umgang mit jungen Spielern. Genau daher hatte ich man ihn doch auch geholt umd gerade Spieler wie Schweinsteiger, Podolski, Breno, Sosa etc. zu fördern aber passiert ist in dieser Hinsicht leider (fast) nichts. Schweinsteiger stagniert in seinen Leistungen wie seit Jahren oder entwickelt sich gar zurück und Podolski hätte man schon im Winter abgeben müssen, was Klinsmann ja nicht wollte. Breno hat überhaupt keine Rolle gespielt und Sosa wurde ewig hochgelobt aber kam nur am Ende auf Grund von Verletzungen anderer Spieler zum Zuge. Verbessert hat sich da keiner. Ich wage sogar zu behaupten das Sosa sich bei Werder Bremen zu einem hervorragenden Bundesligaspieler entwickelt hätte, denn der Junge hat was drauf, davon konnte ich mich während meiner Zeit in Argentinien überzeugen.
Allerdings sollten sich auch die Herren aus dem Vorstand mal hinterfragen, denn Klinsmanns scheitern ist auch teilweise ihr Verdienst. Sie haben ihm ja z.B. den Torwart diktiert den Klinsmann ja, wie wir heute wissen, schon zu Saisonbeginn ersetzen wollte. Hätten Leute wie Hoeneß und Rummenigge mit so viel Erfahrung nicht erkennen müssen das Klinsmann ein wunderbarer Vertreter für Staubsauger oder ähnliches wäre, der dir an deiner Haustür alles mögliche anschwatzen kann, aber sicherlich kein Trainer.
Den Vorstand gleich zum Rücktritt zu zwingen, wie es ja einige Fans und Medien gerne tun würden, halte ich für übertrieben, denn auch diesen Herren sollten Fehler zugestanden werden, aber unter scharfe Beobachtung sollten sie bei ihren nächsten Entscheidungen (Transfers und Trainerposten zur neuen Saison) schon gestellt werden.
Sein legendärer Spruch "Jeden Spieler, jeden Tag ein kleines Stück besser machen zu wollen" ist nichts mehr als eine nette Phrase, von denen Klinsmann ja genug berrscht. Da frage ich mich doch was andere Trainer eigentlich machen wollen. Versucht nicht jeder Trainer seine Spieler jeden Tag zu verbessern?
Das Problem von Jürgen Klinsmann ist das er Fussball und Vereine wie Unternehmen ansieht, was sie sicherlich auch sind, aber dennoch ticken Fussballklubs ein wenig anders. Vereine haben eine Seele und diese Seele sind die Fans. Klinsmann versteht das nicht, denn auch als Spieler hat er sich ja schon überall schnell wieder aus dem Staub gemacht. Er hätte wissen müssen das er nach seiner Zeit als Spieler und Bundestrainer niemals mit offenen Armen in München empfangen werden würde. Er wollte den ganzen Verein umkrempeln und hat ja schon als Bundestrainer damit begonnen, indem er Ikonen des FC Bayern demontiert hat. Als Bayerntrainer hat er da dann nahtlos weiter gemacht. Er sieht immer alles nüchtern und entspannt und versteht scheinbar nicht das Fussballfans mit "Liebe" bei ihrem Verein sind und ihr Herzblut für diesen geben. Für ihn sind Vereine ja nur Hüllen über die er seine Projektpläne stülpen kann so wie es ihm passt.
Er sprach davon beim FC Bayern seinen Stil, seine Philosophie umzusetzen ohne dabei die Geschichte und Philosophie des Vereins zu vergessen. Weiss er überhaupt genaueres über die Geschichte des Vereins? Was weiss er denn schon von der Philosophie des FC Bayern? Wenn Leute wie Kahn, Scholl, Jeremies, Elber, Effenberg usw. so etwas gesagt hätten, dann wäre das in Ordnung gewesen. Diese Spieler standen für diesen Klub und einige stellten ihre eigene Karriere hinter der des Klubs zurück (siehe Jeremies). Aber Klinsmann?
Nein. Klinsmann ist, wie von dir so treffend ausgedrückt, ein Blender und nichts weiter. Ein Trainer ist er sicherlich nicht, bestenfalls könnte er eine ähnliche Position ausfüllen wie derzeit Sammer beim DFB. Da könnte er seine Projekte durchführen ohne konkrete Ergebnisse vorweisen zu müssen und man würde erst nach mehreren Jahren feststellen das Klinsmann leider nur ein guter Vertreter für Staubsauger war und nicht mehr.
Zuletzt noch etwas zum FC Bayern. Mich freuts es sehr das mit Jupp Hynckes erneut ein Trainer zum FCB zurückkehrt wie einst schon Hitzfeld und Lattek und diverse Spieler. So kalt und schrecklich kann dieser Klub dann also nicht sein, denn sonst würden nicht so viele Leute ein zweites Mal zu diesem Verein gehen.