Es bleiben zwei große Unwägbarkeiten. Sollte der spanische Fiskus den Geldtransfer des FC Bayern an Martínez als Einkommen interpretieren, würden Steuern anfallen, die sich auf zehn bis 20 Millionen Euro belaufen könnten. Auch die könnte Martínez den Münchnern in Rechnung stellen, was möglicherweise wiederum steuerpflichtig wäre, undsoweiter. Es hängt also alles an Fragen des spanischen Steuerrechts, über die es bislang aber keine Rechtssprechung und damit auch keine Rechtssicherheit gibt. Die Münchner Transferambitionen stecken auf unerforschtem Gelände*fest.
Juan de Dios Crespo, einer der führenden Sportrechtsexperten Spaniens, sagte der Süddeutschen Zeitung: "Es gibt hier zwei Theorieschulen." Eine, die einen derartigen Deal für steuerpflichtig halte, und eine, die das Gegenteil behaupte. Crespo tendiert zur zweiten*Sichtweise.
Der Generalsekretär des spanischen Ligaverbandes LFP, Carlos del Campo, sieht das ähnlich. Er sagte der SZ, er sei davon überzeugt, dass auf den FC Bayern und Martínez "überhaupt kein steuerliches Problem" zukommen werde. Im Umfeld von Martínez sorgt die unsichere Lage aber trotzdem für ein mulmiges Gefühl, zumal nicht zu unterschätzen ist, dass sich Spanien in einer schweren Finanzkrise befindet. Der spanischen Öffentlichkeit dürfte jedenfalls kaum zu vermitteln sein, dass der Staat kampflos auf bis zu 20 Millionen Euro Steuern von einem solventen deutschen Fußballklub*verzichtet.
Finanzielle und rechtliche Restrisiken
Ein finanzielles Restrisiko bliebe für die Münchner also in jedem Fall, sollten sie das Geschäft ohne Einwilligung von Bilbao durchziehen. Hinzu käme eine sportrechtliche Unwägbarkeit. Martínez hat mit Athletic im April 2011 verlängert, sein Vertrag steht demnach noch unter einer Schutzfrist. Laut Artikel 17 der Fifa-Transferregeln darf er nicht ohne triftigen Grund beziehungsweise der Zustimmung beider Vertragsparteien aufgelöst*werden.
Im Extremfall könnte Bilbao den FC Bayern des Vertragsbruchs bezichtigen, wofür die Fifa-Regeln eine strenge Strafe vorsehen: Ein Kaufverbot für Spieler während der folgenden zwei Transferperioden. Bislang deutet nichts darauf hin, dass Athletic den FC Bayern tatsächlich verklagen würde. Aber auch an dieser Stelle bleibt ein Restrisiko. Es geht hier also nicht nur um den teuersten, sondern auch um den kompliziertesten Transfer der*Bundesliga-Geschichte.