Natürlich kann beides gehen und es ist auch für unseren Erfolg notwendig, dass das zukünftig wieder klappt. Aber die Aussagen, dass die richtige Einstellung fehlt, kommt von Schaaf/Allofs und von den Spielern selbst - zuletzt von Frank Baumann. Das ist ein grossen Dilemma und zeugt davon, dass es den Spielern scheinbar in unserem schönen und beschaulichen Bremen zu gut geht, auch nach Niederlagen. Ausserdem stellt sich Thomas Schaaf mit solchen Aussagen selbst kein gutes Zeugnis aus, da er für die richtige Einstellung der Spieler verantwortlich ist.
Insgesamt wird es schwierig werden, beides miteinander zu vereinbaren. Sollte Werder den Weg zum echten Spitzenclub wirklich gehen wollen, müssen sich die Verantwortlichen darüber im Klaren sein, dass Werder Bremen dann eben kein Ausbildungsverein für anderswo nicht zum Zuge gekommene Talente mehr sein kann (was nicht bedeutet, dass Spieler des Typ`s Özil oder Boenisch nicht trotzdem den Sprung schaffen können). Andererseits haben wir natürlich Standortnachteile im Vergleich z. Bsp. mit Hamburg, ganz zu schweigen von Städten wie München, Stuttgart oder Frankfurt. Auch ein Vergleich mit Hoppenheim - der sicher immer wieder rausgeholt wird - ist nicht möglich, weil ein Verein mit der Tradition wie Werder Bremen nicht Spielzeug eines großen Investors (nach englischem Muster) sein sollte. Obwohl auch dort klug sehr viel Basisarbeit hinsichtlich Jugendarbeit, Talentförderung und Investitionen in Infrastruktur und Umfeld verrichtet wird.
So wird es weiterhin auf das Improvisationstalent, das Auge für bestimmte Fussballer der Herren Allofs, Born und Schaaf und der innovativen Möglichkeiten unseres ruhigeren Umfeldes ankommen. Nur muss das Ganze allmählich auf höheres Niveau gehoben werden, weil wir eben im Konzert der Grossen mitspielen wollen.
Und da liegt die grösste Herausforderung - die Balance zu finden zwischen Spitzenclubverständnis und der Rolle als Verein, der in Bezug auf Innovation und Talentsicht anderen einen Schritt voraus sein muss (was uns wiederum kontinuierlich in die Bundesliga-Spitzengruppe geführt hat, aber eben nicht kontinuierlich Titel bringt).
Zum Verständnis als absoluter Spitzenverein gehört,
1.) der selbstverständliche Druck aus dem Umfeld - dass das erste verlorene Spiel schon knallhart analysiert, Spieler und Trainer auch einmal hinterfragt werden und das nicht nach dem Motto,, nicht weiter schlimm, andere haben auch verloren" oder ,, die Einstellung stimmte heute nicht" abgetan wird. Dann kommen Niederlagen der Art und Weise wie in Gladbach meist nur einmal in einer Saison vor und wiederholen sich nicht - wie soeben in Stuttgart geschehen.
2.) Dass manchmal eben mehr das Ergebnis im Vordergrund steht als die Unterhaltung der Zuschauer. Dies ergibt sich allein aus Punkt 1. Eine Mannschaft muss lernen, auch Spiele, in denen es nicht so läuft, gewinnen zu können. Sei es durch Systemumstellung vor oder im Verlauf eines Spiels, sei es durch ein Überdenken der (Offensiv-)Philosophie, wenn dies auf Dauer keinen Erfolg zeitigt oder sei es durch ein Einteilen der Kräfte, wenn gegen einen überaus passiven Gegner eben mal ein hässliches 1:0 reichen muss.
Nehmen wir die letzte Saison: Da hat Werder nur vier Spiele nicht verloren, wo sie eher die schlechtere Mannschaft waren (München A, Hamburg A, Leverkusen A, Schalke H), aber acht Spiele nicht gewonnen, wo sie streckenweise das klar bessere Team stellten ( Bochum A und H, Hannover A, Frankfurt A, Stuttgart A, Duisburg H, Bielefeld A, Karlsruhe A). Quote 4:8.
Egal, in welcher Liga wir schauen, die Mannschaften, die die Titel holen, haben in dieser Hinsicht mindestens eine ausgeglichene Bilanz. Das zog sich bei Werder schon wie ein roter Faden auch durch die Spielzeiten 05/06 und 06/07!
3.) der nächste Schritt folgt: Wenn das beschauliche Bremen als langjähriger CL-Verein auch von Stadt und Umfeld als dieser angenommen wird, der Fussball im Mittelpunkt steht. Da muss z. Bsp. ein Stadionumbau nach internationalem Spitzenstandard durchgezogen und nicht im Kaufmannsdenken verworfen werden.
Gelingt das aansatzweise, wird es Werder Bremen meiner Meinung nach schaffen, auf Dauer nicht nur oben zu bleiben, sondern auch ein/zweimal die Meisterschaft in den nächsten sechs Jahren zu holen.