Trotzdem: Selbst wenn Leverkusen, selbst Hoffenheim, selbst HSV und Bayern diese Saison vor Werder landen - diese Vereine bis auf Bayern sind dann nicht an uns vorbei gezogen (Wolfsburg und Schalke spielen aktuell ja dieselbe Grütze zusammen wie wir selbst - mal hui, mal pfui). Das braucht dann weitere drei bis vier Jahre dieselbe Leistung.
Wir haben doch die Benchmark für die restlichen Klubs vorggeben: Fünfmal in Folge CL.
Es sind genau solche Denkweisen, die dazu führen, dass Vereine sich solange in der Vergangenheit sonnen, bis sie merken, dass sie an diese auf lange Zeit nicht mehr werden anknüpfen können. Kurz: Sie haben vergessen, die Zeichen der Zeit rechtzeitig zu deuten und danach zu handeln. Hoffentlich kommt es nicht so weit:
In vier Jahren, wenn wir dann das zweite Mal nacheinander so mit ein bisschen Glück um Platz 10 mitspielen, freuen wir uns dann immer noch, dass Leverkusen,HSV oder Wolfsburg es in dieser Zeit ,,nur" dreimal auf fünfte und dritte Plätze geschafft haben. Denn wir haben ja irgendwann einmal die Benchmark vorgegeben, was soll`s - wir sind ja besser!?
Nein, wichtig für Werder ist vor allem, das Gesamtkonzept des Vereins so zu hinterfragen, ob das, vor allem die Art und Weise, wie vieles, was (schon zu lange so?) abläuft, noch dazu beiträgt, die Erfolge der letzten Jahre zumindest ansatzweise weiterführen zu können.
Das vieldiskutierte Spielsystem, das zu lange als erfolgreiches Mittel, weil früher bewährt, gesehen wurde, aber inzwischen mit dem vorhandenen Spielerkader so kaum noch umsetzbar ist. Jetzt ist es eben schwierig geworden, die Raute flexibel so zu gestalten, dass in einem Spiel umgestellt werden kann. Was TS zuletzt gegen Leverkusen und Athen erfolglos versuchte. Hätte er das mal früher gemacht, als ihm die Abkehr von der eindimensionalen Spielweise noch leichter gefallen wäre! Das von 2002 - 2004 praktizierte war einmal auf Spieler ausgerichtet (One-Touch, schnelles geradliniges Spiel nach vorne, überfallartig Überraschungsmomente schaffen), die Werder kaum noch hat.
Auch ohne das ganz grosse Geld kann eine Mannschaft offensiven, attraktiven, aber trotzdem erfolgsorientierten Fussball noch länger spielen, wenn sie ihr System rechtzeitig auf gegebene Umstände (Spielerabgänge, nicht gleichwertige,aber Zukäufe mit Perspektive, schnellere Integration des eigenen Nachwuchses usw.) ausrichtet. Wie aktuell Lyon oder Mitte bis Ende der 90er Ajax Amsterdam. Irgendwann entscheiden freilich die finanziellen Nachteile, aber vorher sollte wenigstens etwas versucht werden!
Der grösste Nachteil, den Werder hat, ist aber, dass es allein vom Umfeld her nicht geschafft wird - durch Reagieren auf bestimmte Anzeichen wie zunehmendes Phlegma, Sorglosigkeit und dadurch bedingtes, inkosequentes Abwehrverhalten des gesamten Teams oder fehlender Siegeswille - innerhalb der Mannschaft die Spannung hochzuhalten.
Nach einem gloriosen 5:1 gegen Hertha haben wir uns aus der Krise geschossen. Dabei wird vergessen, dass 3 Tage später ein so immens wichtiges Spiel ansteht. Vergleichsweise bei Athen hatte vorher trotz eines Ligasieges die Luft gebrannt, wurden Trainer samt Taktik und alles angezweifelt. Das Ergebnis ist bekannt. Danach werden bei Werder Spieler infrage gestellt, die vielleicht gehen müssen, aber nach dem 0:0 in Bochum ist keine Rede mehr davon, sondern -Zitat TS:,, dass die Mannschaft die vorgegebenen Aufgaben erfüllt hat." und Zitat KA: ,,Auf diese Reaktion der Mannschaft müssen wir aufbauen, dann schießen wir auch wieder Tore und es geht aufwärts" Auf diese Weise erhält die Mannschaft nicht nur immer wieder eine Legitimation für erfolglose Leistungen, sie wird auch die jedesmal bestenfalls in Interviews angedrohten, aber fast nie verwirklichten Konsequenzen nicht als solche wahrnehmen. Wodurch es keine Rolle spielt, ob dann erneut auf die selbe Art ein Spiel vergurkt wird.
Auch die Aussendarstellung als das liebe, loyale Werder Bremen wirkt mittlerweile mehr hinderlich, als dass es hilft. Özil wird für eine Aktion, die eher aus der Bewegung heraus geschieht und wo sein Gegenspieler in vorher klar umklammert und legt, vom Platz gestellt. Dazu der nicht gegebene glasklare Elfer. Doch bei Werder regt sich niemand auf. Statt bei Mesut auf mildernde Umstände zu plädieren, wird die 3-Tage-Sperre frohen Sinnes akzeptiert. Oder in der letzten Saison, als die desaströse Leistung von Herrn Stark in Hannover die Herbstmeisterschaft kostete, wurde mehr nebenbei gesagt:,,es wäre besser, wenn Herr Stark und Werder nicht mehr zueinander finden". Ich möchte nicht wissen, was bei Bayern-Uli in ähnlichen Fällen abgegangen wäre.
Letztlich wurde schon zu König Otto`s Zeiten verpasst, gewisse Vorteile aus Erfolgen zu zementieren, indem der Verein zu dieser Zeit nicht in Innovationen ausserhalb des Platzes, ebenso Rehagel nicht in flexiblere Trainingsmethoden investierte usw. Als Otto ging, merkte der Verein erst da, dass viel zu lange alles auf eine Person ausgerichtet und einiges an Entwicklung an Werder vorbeigegangen war.
Bayern München und andere Spitzenvereine in europäischen Ligen sind gerade deswegen über Jahrzehnte dominant, weil sie es schon nach ihren ersten erfolgreichen Zeiten schafften, Erfolgsdenken zu verinnerlichen und somit in den Verein über Generationen hinweg zu importieren. Auch Bayern war zwischendurch fast pleite und kam noch gestärkter daraus hervor.