Der Umbau hat für mich etwas von einer Lösung, die sich mittelfristig ohnehin wieder ändert. Dafür habe ich zwar keine Quellen, aber ich kann mir nicht vorstellen dass man die neuen Dachstützen bzw. die unschöne Dachträger-Variante in Nord und Süd als Endlösung ansieht. Mich würde also nicht wundern, wenn man eine Endlösung für die Geraden in der Schublade hätte. Bei neuen Oberrängen könnte ich mir dann z.B. auch vorstellen, dass diese statisch so konzipiert sind, dass sie ein Dach auch ohne die alten Betonbinder tragen können. Aber das ist reine Spekulation.
Zitat von Sabazios:
Meines Wissens war das nicht möglich, da man außerhalb des Stadions keine großen baulichen Veränderungen durchführen durfte wegen der Anwohner. Irgendwas in die Richtung hatte ich mal vor langr langer Zeit gelesen. Ich denke, dass solche Stützen außerhalb des Stadions sicherlich eine nicht unerhebliche bauliche Maßnahme, allerdings meiner Meinung nach auch die bessere Lösung gewesen wären.
Richtig. Grund ist die Pauliner Marsch als Naherholungsgebiet. Überall wo man in die Außenbereiche eingreift, müssen woanders Ausgleichsflächen geschaffen werden. Daher waren den Anwohnern bei der ursprünglichen Planung ja auch die zusätzlichen Treppenaufgänge für den dritten Rang ein Dorn im Auge.
Außerdem muss man bei Vergleichen zu Dortmund, Hamburg oder Gladbach bedenken, dass in Bremen die Tribünen wesentlich stärker genutzt werden. Wir haben die Bürotürme in der Nord, die vielen Räume im Mantelbau Ost und West und an die Süd grenzt direkt das Stadionbad. In der West ist außerdem der Tennisclub im Weg, der sich schonmal auf stur gestellt hat, dahinter hätte man unter Umständen einen massiven Eingriff in die Natur. Da haben andere Stadien andere Voraussetzungen, da sie einerseits auf großzügigeren Flächen, andererseits z.T. aus nacktem Stahlbeton ohne weitere bauliche Ergänzungen bestehen.
Zitat von Vlad Tepes:
Die große Lösung kam ja auch (quasi) ohne Stützen im Innenraum aus. Und diese war ja bereits von allen Seiten abgesegnet. Gegangen wäre es also. Man wird es aus Kostengründen nicht anders umgesetzt haben.
Wenn man es für 60 Mio. aber wirklich nicht besser bauen kann (konnte), muss allerdings die Frage erlaubt sein, warum man es überhaupt getan hat. Das verstehe ich bis heute nicht so ganz.
Ich denke, warum man die Lösung so gewählt hat wie man sie gewählt hat, ist mittlerweile jedem klargeworden. Im Nachhinein hätte man den rapiden Preisverfall an den Rohstoffmärkten abwarten sollen, aber der war zumindest nicht in der Form zu erwarten. Wer von sich das Gegenteil behauptet, ist entweder ein Klugscheißer oder Gott
Warum der Umbau trotzdem vollzogen wurde? Ganz einfach, weil er sich amortisiert. Er hat mehrere kleinere Effekte. Schnellere Durchlaufzeiten an den Kiosken können mehr Umsatz bewirken. der Mehrkomfort rechtfertigt Preissteigerungen, die wir ja nun in erbeblichem Maße mitbekommen haben. Vor allem aber gab es, wenn denn mal Plätze freiblieben, immer an den selben Stellen Lücken: Westkurve und unüberdachte Plätze. Hier dürfte es aufgrund des Komforts nun eine gesteigerte Nachfrage geben.
Aber der wichtigste Grund warum sich der Umbau amortisiert ist die erhöhte Anzahl an Plätzen im VIP-Bereich. Ich habe bei Bekanntwerden der Pläne mal anhand der auf werder.de veröffentlichen Preise die Durchschnittspreise angesetzt und kam dann auf das Ergebnis, dass man über 8000 Sitzplätze bräuchte, um die Mehreinnahmen der neuen Logen generieren zu können. Das mag +/- 1000 nicht ganz stimmen, weil es letztendlich die grobe Schätzung eines Laien ist, aber das ändert in meinen Augen nichts daran dass die Wirtschaftlichkeit der Logen gerne mal unterschätzt wird.
Leider hat man aus unserer Sicht die Fan-unfreundlichste Variante gewählt (auch wenn mir der Umbau nur Vorteile bringt - es geht ja nicht jedem so).
Aber rein wirtschaftlich gesehen ergibt die Planung durchaus einen Sinn.
Und ich glaube auch nicht, dass man sich auf einen Schnellschuss eingelassen hat. So naiv sind gestandene Kaufleute nicht, wenn sie ein 60-Mio-Projekt anfassen.