Der IST-Zustand ist schon so, dass Werder zu anderen Vereinen mit größeren und moderneren Stadien aufschauen muss, das ist nicht von der Hand zu weisen. Aber, nochmal wiederholt: das ist der IST-Zustand.
Ich denke, viele von uns verfolgen Werder durchaus seit 15-20 Jahren auch live im Stadion. Man darf nicht vergessen, dass Werder auch oft der erste Verein war, der in Sachen Stadionmanagement neue Wege gegangen ist. Die Logen in der Südgeraden waren ein Novum, ebenso wie die multifunktionale Nutzung der gesamten Südgeraden. Als weitere Beispiele fallen mir die Implementierung des Sportheps, der Geschäftsstelle, danach die des Internats, der Fanshops und weiterer Büroräume ein. aber auch am Komfort für die Zuschauer wurde immer wieder gearbeitet.
Worauf ich hinaus will?
Hier wird immer aufgezeigt, wie lächerlich Werder im Vergleich zu Hamburg, Schalke oder München im Bezug auf das Stadion wirkt. Viele haben schon vergessen, in welch maroden Stadien Hamburg, Schalke und München vor ihren Neubauten jahrzehntelang spielen mussten. Während dieser Zeit hat Werder wiederholt neue Maßstäbe gesetzt und sich in diesem Punkt von den Konkurrenten abgehoben. Und ich wage mal zu behaupten, dass hier schon früh die Weichen für weitere lukrative Einnahmequellen und Vermarktungsmöglichkeiten gestellt wurden. Hier haben wir uns einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen Vereinen verschafft. Durch diese sukzessiven Erweiterungen haben wir als Zuschauer in den letzen 20 Jahren stets das Gefühl gehabt, in einem modernen, wettbewerbsfähigen Stadion zu spielen, während andere Bundesligastadien vor sich hingegammelt haben und ein Neubau letztendlich die einzig vernünftige Lösung war.
Sicher hätten auch wir nun einen Neubau haben können, die WM war sicherlich die beste Chance dazu. Dann hätten aber auch wir bis 2-3 Jahre vor der WM in einem Weserstadion spielen müssen, das sich so darstellt:
Beispiel: Ostkurve
Das hätte beudeutet: keine Einnahmen durch Logen und weitere Räumlichkeiten des Stadions, 2 unüberdachte Stehplatztribünen, kaum sanitären Anlagen, wenig Gastronomie, schlechte Stimmung und wiederkehrende Instandhaltungskosten (wie damals in der alten Westkurve).
Nun kann man drüber streiten, wie wichtig die letzen 15-20 Jahre in einem ständig weiterentwickelten Stadion waren. Ich halte sie durchaus für wichtig für die Entwicklung des Vereins.
Ich kann zwar auch verstehen, dass einige nun der Meinung sind, dass diese ständigen Baumaßnahmen uns einen Neubau versaut haben. Aber dennoch möchte ich diese Entwicklung nicht missen, und noch weniger hätte ich die letzten 20 Jahre Lust auf ein Stadion gehabt, das auf dem Stand der 70er Jahre steht.
Zusammenfassend kann man also folgende Frage stellen:
Hätte man die letzten 20 Jahre gegen ein jetzt 50.000 Zuschauer fassendendes Stadion eintauschen sollen?
Nun, auf diese Frage gibt es kein richtig oder falsch. Da hat eben jeder seine Präferenzen.
Nach der jetzigen Ausbaustufe haben wir jedenfalls in punkto Komfort und Modernität keineswegs das Nachsehen gegenüber anderen Stadien. Bleibt die nächsten Jahre halt leider noch der Nachteil der fehlenden Kapazität.