2. Bayern ist ein Geschäftspartner wie jeder andere. Ob Diego dahin, zu Juve oder Hintertupfingen geht, kann nur mittelbar Einfluss auf die Entscheidung haben. Die Tatsache, dass Bayern für einige ein rotes Tuch ist, wird keine Einfluss haben, auch nicht, dass Bayern der große Rivale Werders ist.
Wer beide auf einer Ebene sieht, verkennt, dass Bayern pointiert ausgedrückt ein Weltverein ist, Werder ein zur Zeit erfolgreicher Provinzclub. Auch wenn das übertrieben sein sollte, gibt es objektive Gründe für einen Wechsel von Werder zu Bayern.
Von der wirtschaftlichen Seite und von der Perspektive für die Spieler her gesehen stimmt das zwar. Aber Fussball ist auch ein emotionaler Sport, er bewegt die Massen besonders deshalb, weil sich im Grunde fast jeder Normalverdiener - zumindest ab und zu - einen Stadionbesuch leisten kann, weil viel selbst Fussball spielen oder in irgendeiner Weise dem verbunden sind, sich und vor allem deswegen mit dem Volkssport Nr. 1 identifizieren können. Auch wenn Fussball freilich ebenso fast nur von der Kommerzialisierung bestimmt und geleitet wird, ist er in dieser Hinsicht dennoch nicht mit Eishockey, Basketball, Formel 1 oder Tennis zu vergleichen. Solche kleinen, aber feinen Unterschiede sorgen für eben diese enormen Zuschauerzahlen, für das sprunghaft steigende Interesse. Wenn nun im Fussball Idole den Verein wechseln und noch dazu ständig zum ligaweiten Feindbild, ist das noch was anderes als in genannten Sportarten. Für viele dreht sich das halbe Leben um Fussball. Deshalb kann ich auch die Denkweise von @Meister Schale nur zu gut nachvollziehen und würde das nicht sofort als absoluten Quatsch diskreditieren.
Seit Uli Hoeness das Zepter bei den Bayern schwingt, ist und war es deren Politik, die Vormachtstellung in der Liga insbesondere zu behaupten, indem speziell aufstrebende Vereine, die es einmal über längere Zeit schaffen, kontinuierlich und erfolgreich zu arbeiten, sinnfrei plattgekauft werden. Zu oft machten diese Spieler-Verpflichtungen bei den Bayern mannschaftsperspektivisch zu wenig Sinn - meist wurden ohnehin schon gut besetzte Positionen doppelt belegt, aber andere Problem-Mannschaftsteile nicht verstärkt - ,als dass der neutrale Betrachter ihnen abnehmen konnte, tatsächlich für`s Team investiert zu haben. Möchte mich nochmal wiederholen: Nürnberg Ende der 80er, Karlsruhe Mitte der 90er, Leverkusen Ende der 90er bis 2002 lassen grüssen..... der Wechsel Del`Haye von Gladbach steht seit jeher symbolisch, mit Elber wurde später das magische Dreieck Stuttgarts gesprengt, mit van Buyten dem HSV 2006 das Herz entrissen, der danach gegen den Abstieg spielte usw. In all den Fällen waren die Bayern auf diesen Positionen schon sehr gut besetzt, was das Ziel ihrer Vereinspolitik nur zu gut unterlegt.
In Ligen bspw. wie England oder Spanien gibt es in den Spitzenvereinen andere Philosophien. Dort werden drei, vier Nachwuchskräfte an den Kader rangeführt, vielleicht ein Spitzenspieler der Liga von einem anderen transferiert, aber ansonsten mehr und vor allem im Ausland orientiert, um da die Grössen zu verpflichten.
Bayern München hingegen holt mit Ausnahme von 2007 trotz einer weltweit operierenden Scouting-Abteilung aus dem Ausland höchstens Knaller wie Valencia, McInally, Santa Cruz, dos Santos, Sosa, selbst ein Sagnol war für mich nicht der Bringer - entdeckt aber keinen Pizarro, Lucio, Berbatov, Diego, Micoud, Rafinha. Sondern bedient sich nahezu ausschließlich bei der Bundesliga-Konkurrenz. Das Resultat waren/ist durchwachsene Liga-Vorstellungen der Bayern, die dennoch meist zum Titel reichten, das Abrutschen deutscher Teams in der UEFA-5-Jahres-Wertung, während die englischen oder spanischen Teams zumindest ihre Liga stark halten, auch, um auf höherem Niveau agieren zu können, was sich dann im internationalen Maßstab auszahlt. Es herrscht dort eben eine andere Sichtweise als bei Bayern München, denen dies völlig schnurz ist, lieber ist spätestens im Viertelfinale der CL Schluss. Denn zumindest die CL-Teilnahme ist so fast immer sicher. Deshalb sehe ich schon Unterschiede zwischen dem Weltverein Bayern München und anderen sogenannten Weltvereinen und halte gerade deswegen die Bauern nicht für einen Geschäftspartner wie jeder andere.
Was die leuchtenden Beispiele Stuttgart und Schalke angeht:
- Stuttgart haben die Vertragsverlängerungen mit Hildebrand, Hinkel und Kuranyi damals wirtschaftlich geschadet und deren Wechsel haben sie auch nicht verhindert, ob zu Bayern oder nicht.
- Der HSV hat gerade mit vdV, de Jong und Kompany drei seiner wertvollsten Spieler abgegeben und scheint davon zu profitieren. Es ist kontraproduktiv, Spieler um jeden Preis zu halten.
Das sehe ich genauso. Zumal sich die Vertragsverlängerungen von Jensen, Frings, Vranjes oder Fritz bisher nicht als Vorteil erwiesen haben, was die Gesamtleistungen anbelangt. Gerade, wenn Leistungsträger gingen, ist Werder in der Vergangenheit immer wieder aufgestanden, hat stets Alternativen gefunden, die uns dann vorangebracht haben.
Von daher sind eventuelle Forderungen nach einem Abgang von Allofs mehr als lächerlich. Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, inwiefern sich Allofs´ Zugang gegenüber wechselwilligen Spielern als nachteilig erwiesen haben.
Im Gegenteil ist es wohltuend, einen Manager zu haben, dessen Äußerungen realistisch, prgamatisch und vernünftig sind und der nicht um des Populimus willen den Fans das Blaue vom Himmel verspricht.
Völlig richtig. Stellt sich sowieso generell die Frage, inwieweit Allofs mit diesen Spielerwechseln Inkompetenz oder Wendehals-Mentalität vorgeworfen werden kann, das ist absolut albern. Denn KA passt zu Werder wie das Gelbe zum Ei. Seine Vorgehensweise ist altehrwürdige Tradition.
@666_Werder
Ich glaube, Du verwechselst da insgesamt was. Die Leute hier werfen selten den Verantwortlichen und noch weniger den Spielern diese Wechsel vor, sondern sie sind schlicht und einfach wütend auf die Bayern. Warum, habe ich oben zu erklären versucht.
Aber im grossen Ganzen gehe ich mit Deiner Meinung konform, natürlich wird an dieser Stelle etwas übertrieben. Logischerweise ist für die Bayern ein Spieler wie Diego immer ein Thema, das wird für meinen Geschmack nun überbewertet. Aber der Bayern-Hass ist bei vielen Anhängern nicht ohne Grund zustande gekommen und hat nicht nur mit Neid zu tun.