Diego (Laufbahn beendet)

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Detendo
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Schuldenfrei operieren. Sicherlich ein Umstand der sehr lobenswert ist. Jedoch nur dann, wenn der Sportliche Bereich nicht darunter leidet.
Ähm watt? Wenns sportlich scheiße läuft, darf man Schulden machen?
Ich glaube, es wird von vielen angenommen, dass es normal ist, ohne Schulden ein Topverein zu sein. Eher ist es doch so, dass wir durch sehr gute Arbeit und Glück solange da oben waren. Es wurde immer wieder betont, dass die CL nicht selbstverständlich wäre. Wenn wir jetzt Jahre im Mittelfeld rumgegurkt hätten, wäre ich ebenfalls von der Arbeit hier überzeugt. Im Grunde haben wir jetzt nur Probleme, WEIL wir solange da oben waren. Dadurch hat man sich ein wenig von der eigentlichen Philosophie abgewandt und immer mehr schwierige Typen an Land gezogen, statt auf Eigengewächse zu setzen.

Wenn man der BLÖD glauben darf, stehen für einen weiteren Wintertransfer 3 Mio zur Verfügung - für Ablöse und Gehalt zusammen. Glaube kaum das da was geht...
Klingt extrem unwahrscheinlich. Allofs hat bestätigt, dass man es bei Kranjcar versucht hat und der hätte im Leben nicht so wenig gekostet. ;)
 
Fakt ist, das wir den sportlichen Erfolg dem finanziellen Erfolg untergeordnet haben. Das lässt sich weder leugnen noch schönreden, bzw wegdiskutieren.
Sicherlich wäre es rein spekulativ zu behaupten wenn beide noch hier wären, würden wir sportlich wesentlich besser dastehen.
Da solltest Du dich dann schon entscheiden. Fakt oder spekulativ?

Es ist keinesfalls fakt, dass wir den sportlichen Erfolg dem finanziellen untergeordnet haben. Weil sich das schwierig trennen lässt, zumal auch und gerade finanzielle Drahtseilakte die Gefahr des sportlichen Absturzes birgen. Es ist nur immer die Frage, WIE innovativ ein Verein ist und demzufolge mit den vorhandenen, erwirtschafteten Mitteln umzugehen versteht. Und genau da hat Werder in Bezug auf`s Sportliche seit einigen Jahren, spätestens nach dem Micoud-Abgang, schleichend die Entwicklung verpasst bzw. kurzfristig aufhalten können.

Damit meine ich die Saison 2009/2010 wo es Werder gelang, die deutliche, spielerisch-taktische Abwärts-Entwicklung der Jahre 2006-2009 zumindest teilweise umzukehren. Wir spielten zunächst wieder schnelleren (zumindest teilweise), direkten, vertikalen Fussball und schafften es gleichzeitig, defensiv stabiler zu agieren, was dann in einer für die Schaaf-Ära ungewöhnlichen Zu-Null-Serie mündete. Und das hatte Gründe. Problem nur: Die direkte, variable Spieleröffnung aus der Tiefe bekamen wir nicht mehr hin, da hat uns der Baumann-Abgang richtig weh getan. Zunächst nicht, da es über defensive Stabilität Bargfrede/Frings einigermaßen ausgeglichen werden konnte und war der Ball einmal erobert, schaffte unser Offensiv-Quartett vorne soviel Entlastung, dass der Druck gering war, das Spiel immer wieder direkt und schnell in die Breite eröffnen zu müssen. Als aber Bargfrede und Pizarro ausfielen, platzte das Ganze wie ein maroder Dampfkessel. Spätestens da war klar, dass wir zwei oder wenigstens einen strategisch denkenden und spieleröffnenden Akteur benötigen. Genau dieser Typus Spieler ist nacheinander mit Ernst, Baumann, Liztes, Micoud von Bord gegangen, ohne dass in irgendeiner Weise Ersatz verpflichtet werden konnte.

Wir haben in der Vertikale keine Kreativspieler, sowohl defensiv als auch offensiv. Hunt ist mit beidem überfordert. Aber selbst ein Micoud oder Özil könnten nicht genug bewirken, um die taktisch-strategischen Mängel in Ordnung, Raumaufteilung und Spieleröffnung auszugleichen. Warum Werder auf dieses offensichtliche Manko nicht reagiert hat oder evtl. nicht reagieren konnte, ist mir in beiden Fällen schleierhaft. Denn weder Wesley, noch Arnautovic erfüllen diese Anforderungen.

Und genau da kommt wieder die Innovation ins Spiel. Besonders wenn es darum geht, den Fussball umzusetzen, den unser Trainer bevorzugt. Hier passt etwas nicht zusammen. Ein Verein wie Werder Bremen, mit diesem Standort und diesen Rahmenbedingungen, MUSS innovativ sein, um konkurrenzfähig zu bleiben. Es kann für uns immer nur darum gehen, wie zweckdienliche Synergien aus Scouting, Transfers, Nachwuchsförderung und Fussball-Philosophie des Trainers/Managers geschaffen werden. Nicht darum, ob Spielerverkäufe vermieden werden können. Die Frage nach Unterordnen des finanziellen gegenüber dem sportlichen ist keine Frage, die sich für Werder stellt und auch keine Frage, die wir stellen können. Und "das lässt sich weder leugnen noch schönreden, bzw wegdiskutieren". ;)
 
Wenn wir jetzt Jahre im Mittelfeld rumgegurkt hätten, wäre ich ebenfalls von der Arbeit hier überzeugt. Im Grunde haben wir jetzt nur Probleme, WEIL wir solange da oben waren. Dadurch hat man sich ein wenig von der eigentlichen Philosophie abgewandt und immer mehr schwierige Typen an Land gezogen, statt auf Eigengewächse zu setzen.
Da ist viel Wahres dran !

Und wenn der SV Werder unter TS immer in der Tabellenregion von Platz 5 - 10 rangiert hätte (wenn es gut lief mal Euro-League, wenn es schlecht lief mal zeitweise mit bedingter Gefahr, unten rein zu rutschen), wären sicher auch einige der Taktikexperten in diesem Forum nie aufgetaucht. Auch Leute, die ernsthaft das Erreichen von Platz 3 oder eine mit einem Titel gekrönte Saison schlecht reden, hätte man hier kaum getroffen.

Das ist der "Fluch der guten Tat".

Was hatte Gladbach für tolle Zeiten und wie lange sind sie danach in der sportlichen Versenkung verschwunden ? Was hatte der HSV für tolle Zeiten und wie lange warten die jetzt auf einen Titel ?

Auch wenn für den SV Werder jetzt eine Zeit von sagen wir mal 10 Jahren ohne Titel bzw. ohne Platzierung unter den TOP 5 der Liga angebrochen sein sollte, wäre das - wenn man mal die grundsätzlichen Rahmenbedingungen betrachtet - nichts Ungewöhnliches bzw. keine Katastophe. Wenn man nur nicht den Weg von z.B. Fortuna Düsseldorf einschlägt, ist das schon in Ordnung.
 
Auch wenn für den SV Werder jetzt eine Zeit von sagen wir mal 10 Jahren ohne Titel bzw. ohne Platzierung unter den TOP 5 der Liga angebrochen sein sollte, wäre das - wenn man mal die grundsätzlichen Rahmenbedingungen betrachtet - nichts Ungewöhnliches bzw. keine Katastophe. Wenn man nur nicht den Weg von z.B. Fortuna Düsseldorf einschlägt, ist das schon in Ordnung.
Genau. :tnx:
Etwas, was wir bei all den Diskussionen um "hätten wir mehr investiert, dann..." unbedingt beachten sollten.
Der Abstieg wäre allerdings eine sportliche und finanzielle Katastrophe, da das alles, was KATS mühsam und lange Jahre aufgebaut haben, auf einen Schlag vernichten würde. Dann werden wir nicht nur ins Jahr 1999 zurückversetzt, es wäre sogar schlimmer.
 
Und wenn der SV Werder unter TS immer in der Tabellenregion von Platz 5 - 10 rangiert hätte (wenn es gut lief mal Euro-League, wenn es schlecht lief mal zeitweise mit bedingter Gefahr, unten rein zu rutschen), wären sicher auch einige der Taktikexperten in diesem Forum nie aufgetaucht. Auch Leute, die ernsthaft das Erreichen von Platz 3 oder eine mit einem Titel gekrönte Saison schlecht reden, hätte man hier kaum getroffen.
Och, ich bin seit 25 Jahren dabei. Im übrigen waren die ersten vier Jahre unter TS genau so, wie Du beschreibst. Und da diskutierten wir hier so ab 2001 ähnlich. Ich fand die Jahre danach übrigens phantastisch. Das heisst ja nicht, dass man sich deswegen nicht mit Dingen sachlich auseinandersetzen oder keine Ursachenforschung betreiben darf, nur weil Du den Unterschied zum "schlecht reden" nicht verstehst. Worum geht`s denn sonst in einem Diskussions-Forum? Gespame gibt`s hier ohnehin genug.

Nur mal so, weil Du mich zum wiederholten Mal auf diese Schiene "Erfolgsfan" durch die Blume angemacht hast. ;)
 
@Eisbär

Selbst bei mehrmaligen durchlesen meines letzten Posts kann ich nirgendwo einen Ansatz erkennen, wo ich behauptet hätte, das in schlechten Zeiten "Schulden" gemacht werden müssten. Ich weiß ehrlich nicht wie du darauf kommst. Das was du beschreibst ist nichts weiter wie ein weiterer Schritt in die negativ Spirale in der wir uns befinden, und du hast durchaus Recht damit. Allerdings sehe ich es nicht so das man sich von der ursprünglichen Philo abgewandt hat. Den Anspruch jedes Jahr international vertreten sein zu müssen bzw zu wollen, wurde ja nicht von den Fans erhoben, sondern in erster Linie von den Verantwortlichen selbst, und das mit gutem Grund. Den ein immer teurer werdender Kader ließe sich sonst nicht finanzieren. Da liegt nämlich die "Crux" des ganzen versteckt. Es wurden Gehälter von Spielern angehoben, die bis heute ihre Schuldigkeit vermissen lassen, Leistungsträger wurden für sicherliches gutes Geld verkauft, jedoch nicht ersetzt, in dem hanebüchenen Glauben, " die anderen werden es schon richten". Das Ergebnis ist ein desolates, inspirationsloses Mittelfeld gespickt mit Egomanen.
Ich denke einfach das es nicht nötig war Diego und Mesut zu verkaufen. Einen von beiden hätte man einfach halten müssen, auch wenn man sich evtl etwas hätte strecken müssen

@Mick
Hab mich ja zuerst mal gefreut das du mal wieder hier reinschaust, da ich die Diskusionen mit dir eigentlich sehr anspruchsvoll, manchmal sogar inspiriend fand. Leider muss ich feststellen das dein "Ego" nicht wirklich Fortschritte gemacht hat.
Zunächst mal eine Frage: Wo steht geschrieben das ich mich zwischen Fakten und Spekulationen entscheiden muss, wenn die Thematik in ihrer Grundform wechselt?:confused::confused::confused:

Zu meinem beschrieben Fakt, das die sportliche Leitung den sportlichen Erfolg für gesunde Finanzen opfert, ist etwas das bereits von Udo Lattek, Franz Beckenbauer und Christoph Fuss in diversen Fusballsendungen thematisiert wurde. Ich vergass natürlich das diese Personen, was Sachverstand angeht dir nicht das Wasser reichen können. Mea Culpa

Noch was zu deinem Hang bzw Forderung der "Vertikalen Spielweise". Diese Art Fusball zu spielen wirst du bei keinem Buli Verein konstant sehen können. Teilweise in manchen Spielsituationen ja, aber konstant und dauerhaft ist kein Verein in der Buli in der Lage diesen Fusball zu zelebrieren. Barca, bzw die Spanische Nationalmannschaft sind da nunmal die Ausnahme. Zu behaupten das das die Entwicklung des "modernen" Fusballs ist, halte ich daher für äußerst fragwürdig, da diese Art von Fusball nur in Ausnahmen gespielt wird. Was natürlich nicht bedutet das es nicht erstrebenswert wäre.
Ich gebe dir absolut recht, das natürlich auch andere Aspekte wie der Standort oder speziell Baumis Karriereende eine nicht ungewichtige Rolle spielen. Was anderes habe ich ja auch nicht behauptet. Mit dem derzeitigen Kader wäre es utopisch zu glauben mann könne sich international qualifizieren da die nötige Qualität bis auf Wiese und Pizza einfach nicht mehr vorhanden ist
 
Du verwechselst da was. Es ist nicht mein "Hang bzw. Forderung der vertikalen Spielweise", sondern der von Thomas Schaaf. Wenn uns 12 Jahre TS eines lehrt, dann doch dass seine Philosophie vom "perfekten Spiel" in erster Linie über One-Touch, Kurzpässe, Positionswechsel, hohe spielerische Flexibilität funktioniert. Und das lässt sich nun einmal am besten in vertikalem Spiel und im Rautensystem verwirklichen. Aber da hat ein Diego in zentraler Rolle nie dazu gepasst.
Allerdings hatten wir eine Sondersituation. Diego wurde verpflichtet, als der Micoud-Abgang noch lange nicht feststand. Damit hatten KATS gewissermaßen auf Defizite der vergangenen Jahre reagiert, nämlich die, dass uns bei allem dominantem Fussball, bei allen spielerischen Mittel, die wir hatten, hin und wieder das individuelle Überraschungsmoment fehlte. Und genau dafür stand Diego wie kein anderer. Das Problem war nur, dass Micoud dann doch weg war und TS, um seine seit Jahren eingespielte Raute nicht umbauen zu müssen, Diego dort spielen ließ. Es lag nicht allein an Diego, dass er diese Rolle nie ansatzweise überzeugend ausfüllen konnte, denn Diego ist kein Kreativspieler, sondern ein Individualist. Nur war es auch den Umständen geschuldet, da die Alternativen im Werder-Mf nicht üppig vorhanden waren. Auch so hatte man natürlich Erfolge.
Aber auf diese Weise schaffte Werder mehr als unbedingt nötig Ungleichgewichte in der Wertschätzung eines Teams (übrigens hier immer wieder schön nachzulesen). Das durch gezielte Systemumstellung und vor allem geschicktere Aufgabenverteilung zu vermeiden, wäre sicher nicht einfach geworden. Was mich aber ärgerte war, dass es nicht versucht wurde, bis das ganze "sich-auf-individuelles-Können-verlassen" in der Saison 08/09 so ausuferte.


Desweiteren sehe ich nicht, wo die Thematik in Deinem Bericht in ihrer Grundform wechselt. "dass wir den sportlichen Erfolg dem finanziellen Erfolg untergeordnet haben" ist fakt. Dass wir "wenn beide noch hier wären, sportlich wesentlich besser dastehen würden" ist dann wieder spekulativ? :confused:
Das erste, als Faktum bezeichnet, bedeutet, dass wir mit Özil und Diego den sportlichen Erfolg verkauft haben. Das zweite beinhaltet die Schlussfolgerung, dass wenn beide noch hier wären, wir sportlich .... Ist das nicht ein und dasselbe?

Aber es ging mir vor allem darum, dass in Deinem "finanziellen dem sportlichen unterordnen" m. E. ein Denkfehler steckt. Wie ich schon schrieb...
Die Frage nach Unterordnen des finanziellen gegenüber dem sportlichen ist keine Frage, die sich für Werder stellt und auch keine Frage, die wir stellen können.
Es gibt kein sportliches Unterordnen für Werder, denn dies würde ja suggerieren, dass andere Alternativen des Gelderwerbs einfach nicht wahrgenommen und nur so der sportliche Erfolg gefährdet wird. Das ist nicht richtig. Warum, hat bspw. die Nach-Diego-Saison gezeigt.
 
Wenn uns 12 Jahre TS eines lehrt, dann doch dass seine Philosophie vom "perfekten Spiel" in erster Linie über One-Touch, Kurzpässe, Positionswechsel, hohe spielerische Flexibilität funktioniert. Und das lässt sich nun einmal am besten in vertikalem Spiel und im Rautensystem verwirklichen. Aber da hat ein Diego in zentraler Rolle nie dazu gepasst.
Allerdings hatten wir eine Sondersituation. Diego wurde verpflichtet, als der Micoud-Abgang noch lange nicht feststand. Damit hatten KATS gewissermaßen auf Defizite der vergangenen Jahre reagiert, nämlich die, dass uns bei allem dominantem Fussball, bei allen spielerischen Mittel, die wir hatten, hin und wieder das individuelle Überraschungsmoment fehlte. Und genau dafür stand Diego wie kein anderer. Das Problem war nur, dass Micoud dann doch weg war und TS, um seine seit Jahren eingespielte Raute nicht umbauen zu müssen, Diego dort spielen ließ. Es lag nicht allein an Diego, dass er diese Rolle nie ansatzweise überzeugend ausfüllen konnte, denn Diego ist kein Kreativspieler, sondern ein Individualist. Nur war es auch den Umständen geschuldet, da die Alternativen im Werder-Mf nicht üppig vorhanden waren. Auch so hatte man natürlich Erfolge.
Aber auf diese Weise schaffte Werder mehr als unbedingt nötig Ungleichgewichte in der Wertschätzung eines Teams (übrigens hier immer wieder schön nachzulesen). Das durch gezielte Systemumstellung und vor allem geschicktere Aufgabenverteilung zu vermeiden, wäre sicher nicht einfach geworden. Was mich aber ärgerte war, dass es nicht versucht wurde, bis das ganze "sich-auf-individuelles-Können-verlassen" in der Saison 08/09 so ausuferte.

Sehr schön beschrieben wie ich finde, trifft den Nagel auf den Kopf :tnx:
 
Du verwechselst da was. Es ist nicht mein "Hang bzw. Forderung der vertikalen Spielweise", sondern der von Thomas Schaaf. Wenn uns 12 Jahre TS eines lehrt, dann doch dass seine Philosophie vom "perfekten Spiel" in erster Linie über One-Touch, Kurzpässe, Positionswechsel, hohe spielerische Flexibilität funktioniert. Und das lässt sich nun einmal am besten in vertikalem Spiel und im Rautensystem verwirklichen. Aber da hat ein Diego in zentraler Rolle nie dazu gepasst.
Allerdings hatten wir eine Sondersituation. Diego wurde verpflichtet, als der Micoud-Abgang noch lange nicht feststand. Damit hatten KATS gewissermaßen auf Defizite der vergangenen Jahre reagiert, nämlich die, dass uns bei allem dominantem Fussball, bei allen spielerischen Mittel, die wir hatten, hin und wieder das individuelle Überraschungsmoment fehlte. Und genau dafür stand Diego wie kein anderer. Das Problem war nur, dass Micoud dann doch weg war und TS, um seine seit Jahren eingespielte Raute nicht umbauen zu müssen, Diego dort spielen ließ. Es lag nicht allein an Diego, dass er diese Rolle nie ansatzweise überzeugend ausfüllen konnte, denn Diego ist kein Kreativspieler, sondern ein Individualist. Nur war es auch den Umständen geschuldet, da die Alternativen im Werder-Mf nicht üppig vorhanden waren. Auch so hatte man natürlich Erfolge.
Aber auf diese Weise schaffte Werder mehr als unbedingt nötig Ungleichgewichte in der Wertschätzung eines Teams (übrigens hier immer wieder schön nachzulesen). Das durch gezielte Systemumstellung und vor allem geschicktere Aufgabenverteilung zu vermeiden, wäre sicher nicht einfach geworden. Was mich aber ärgerte war, dass es nicht versucht wurde, bis das ganze "sich-auf-individuelles-Können-verlassen" in der Saison 08/09 so ausuferte.


Desweiteren sehe ich nicht, wo die Thematik in Deinem Bericht in ihrer Grundform wechselt. "dass wir den sportlichen Erfolg dem finanziellen Erfolg untergeordnet haben" ist fakt. Dass wir "wenn beide noch hier wären, sportlich wesentlich besser dastehen würden" ist dann wieder spekulativ? :confused:
Das erste, als Faktum bezeichnet, bedeutet, dass wir mit Özil und Diego den sportlichen Erfolg verkauft haben. Das zweite beinhaltet die Schlussfolgerung, dass wenn beide noch hier wären, wir sportlich .... Ist das nicht ein und dasselbe?

Aber es ging mir vor allem darum, dass in Deinem "finanziellen dem sportlichen unterordnen" m. E. ein Denkfehler steckt. Wie ich schon schrieb... Es gibt kein sportliches Unterordnen für Werder, denn dies würde ja suggerieren, dass andere Alternativen des Gelderwerbs einfach nicht wahrgenommen und nur so der sportliche Erfolg gefährdet wird. Das ist nicht richtig. Warum, hat bspw. die Nach-Diego-Saison gezeigt.

Ohh ich denke nicht das ich da was verwechsle. Das du einen Hang zu dieser Spielweise hast, ist hier fast in jedem zweiten deiner Posts hier, sowie auch im Worum nachzulesen. Aber das ist ja hier nicht das Thema.

Ich denke so blind kann ja kein Mensch sein wer die Entwicklung der sportlichen Führung in den letzten Jahren nicht mitbekommen hat. Relativ junge und unbekannte Spieler wurden sehr günstig verpflichtet, und nach 2-3 Jahren mit erheblicher Gewinnsteigerung wieder verkauft worden, ohne zu bedenken die verlorene Qualität auszugleichen. Ergo: Gewinnmaximierung hatte priorität vor sportlicher Stabilität. Das ist dann ein Fakt.

Da weder ich, noch sonst wer mit bestimmtheit sagen kann wo wir jetzt mit Diego, Mesut, oder mit beiden, stehen würden ist es natürlich spekulativ zu behaupten das wir jetzt besser dastehen würden. Aber ich denke, und da brauchen wir uns nix vormachen das es sehr warscheinlich ist das wir ein paar pünktchen mehr hätten. Dennoch ist das spekulativ, ändert jedoch nix an dem Faktum der Grundhaltung unserer Geschäftsführung.

Nochwas zu deiner Meinung bezüglich Diegos Indivdualismus, bzw fehlender Kreativität. Ich gebe dir insoweit Recht das er ein hervoragender Individualist ist, oder besser gesagt war. Das Grundproblem in deiner Sichtweise besteht m.M darin, das du die Individuelle Klasse zu sehr in einer Mannschaft zu negativ betrachtest. Es wird gerne behauptet er wäre zu Egoistisch, zu Ballfordernd bzw verliebt. Das ist durchaus richtig. Ich sehe es jedoch weitaus weniger negativ wie du. Speziell in der heutigen Zeit, wo die Leistungsdichte in der Bundesliga so dicht und eng ist wie nie zuvor, wo jeder quasi jeden schlagen kann, ist es gerade die "Individuelle Klasse" eines jeden einzelnen die über Sieg und Niederlage entscheiden kann. Fusball ist ein Manschaftssport, das ist richtig, aber die Bedeutung des "Mannschaftsspiels" ansich ist in ihrer Wertigkeit in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Warum ist Barca so erfolgreich und begeistert mit tollen Kombinationsspiel? Sicherlich weils in der Mannschaft stimmt. Der Hauptgrund ist jedoch das du dort 11 außergewöhnliche Individuen auf dem Platz stehen hast. Stell dir hypothetisch einmal vor, unsere Meisterelf von 03/04, die was Effektivität, Raumaufteilung und Mannschaftliche geschloßenheit angeht, das beste war das ich von Werder gesehen habe, würde gegen das heutige Barca antreten. In 9 von 10 Spielen wären wir dennoch chancenlos, da Barca die besseren Indivdualisten besitzt.
 
Ich verfolge Eure Diskussion mit Interesse, ihr macht Euch viele Gedanken, aber das folgende Zitat ist wirklich Quatsch - und alles andere als ein "Fakt" -, deswegen mische ich mich kurz ein:
<snip>Ergo: Gewinnmaximierung hatte priorität vor sportlicher Stabilität. Das ist dann ein Fakt.<snip>

"Gewinnmaximierung" würde ja bedeuten, dass Werder jetzt auf einem Haufen Geld sitzt. Davon kann keine Rede sein. Vielmehr ist Werder auf Einnahmen aus Spielerverkäufen angewiesen, um den Kader zu finanzieren (das ist oft genug in aller Deutlichkeit öffentlich von Klaus Allofs gesagt worden) ohne dabei Schulden anzuhäufen. Es geht dabei um wirtschaftliche Stabilität, denn ohne diese leidet letztlich die von Dir angesprochene "sportliche Stabilität".

Selbstverständlich geht diese Politik zu Lasten des sportlichen Erfolgs, aber sie ist alternativlos.
 
Speziell in der heutigen Zeit, wo die Leistungsdichte in der Bundesliga so dicht und eng ist wie nie zuvor, wo jeder quasi jeden schlagen kann, ist es gerade die "Individuelle Klasse" eines jeden einzelnen die über Sieg und Niederlage entscheiden kann. Fussball ist ein Mannschaftssport, das ist richtig, aber die Bedeutung des "Mannschaftsspiels" an sich ist in ihrer Wertigkeit in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen.
Das ist faktisch falsch. Wenn Du die Bundesliga intensiv verfolgen würdest, wenn Du siehst, was den Erfolg bei Dortmund, Freiburg, Hannover, Mainz Frankfurt ausmacht, WIE Schalke letztes Jahr Zweiter wurde. Wenn Du dir mal vor Augen führst, welche Teams bei der Weltmeisterschaft vergleichsweise weit gekommen sind, WIE Spanien Welt- und Europameister und warum Deutschland Dritter wurde. Dann wäre Dir aufgefallen, dass die Entwicklung genau andersherum verläuft.

Die Bedeutung des Einzelnen und seiner reinen individuellen Klasse gegenüber dem Spieler, der sich als Mitspieler in einer Funktionseinheit Mannschaft begreift, nimmt schon seit 20 Jahren immer mehr ab.
 
Selbstverständlich geht diese Politik zu Lasten des sportlichen Erfolgs, aber sie ist alternativlos.
Alternativlos ja, aber dass es "selbstverständlich" zu Lasten des sportlichen Erfolges geht, sehe ich wie gesagt, nur bedingt so. Gerade Werder hat es jahrelang vorgemacht, wie man trotz Standortnachteilen und fehlenden Mäzen/ Werksgeldgebern dieses mit innovativem Handeln ausgleichen kann.

Es ist auch kein Zufall, dass wir zu jener Zeit am erfolgreichsten waren, als Verträge eben nicht sofort verlängert wurden, sondern die Spieler eben ablösefrei gingen - Ailton, Ernst, Krstajic mal als prominenteste Beispiele. So konnte Schaaf in seinem Element junge oder anderswo ausrangierte Spieler wieder zu altem Leistungsvermögen bringen, das Gehaltsgefüge wurde nicht so extrem belastet, es gab Spielraum für Zukäufe von Talenten.

Das ist Fluch und Segen zugleich für die finanziell gegenüber der direkten Konkurrenz schlechter gestellten Vereine, muss aber kein "selbstverständlicher" Nachteil sein.
 
Die Bedeutung des Einzelnen und seiner reinen individuellen Klasse gegenüber dem Spieler, der sich als Mitspieler in einer Funktionseinheit Mannschaft begreift, nimmt schon seit 20 Jahren immer mehr ab.

Die Individualisten sind aber nicht ausgestorben. Sie haben sich aber noch mehr eingefügt. Die Bedeutung nimmt zwar ab, aber sie sind sehr wohl weiterhin wichtig für ein Team.
Viele hier unterschätzen die Rolle von Özil. Ich meine nicht da, wo er die Tore oder mit Einschränkung die Vorlagen gab. Meiner Ansicht nach war Özil für uns deswegen extrem wichtig, weil er ein Spieler ist, der den Spielfluss aufrecht erhalten konnte. Wie? Als Anspielstation, dh, du konntest Özil fast in jeder brenzligen Situation anspielen, er konnte den Ball perfekt annehmen, egal wie schlecht der Pass auf ihn war und den Ball gut weiterleiten oder mal selbst mit dem Ball weiter gegangen.
Das ist die individuelle Klasse heute, siehe auch Xavi, oder Sahin.
 
Alternativlos ja, aber dass es "selbstverständlich" zu Lasten des sportlichen Erfolges geht, sehe ich wie gesagt, nur bedingt so. Gerade Werder hat es jahrelang vorgemacht, wie man trotz Standortnachteilen und fehlenden Mäzen/ Werksgeldgebern dieses mit innovativem Handeln ausgleichen kann.

Es ist auch kein Zufall, dass wir zu jener Zeit am erfolgreichsten waren, als Verträge eben nicht sofort verlängert wurden, sondern die Spieler eben ablösefrei gingen - Ailton, Ernst, Krstajic mal als prominenteste Beispiele. So konnte Schaaf in seinem Element junge oder anderswo ausrangierte Spieler wieder zu altem Leistungsvermögen bringen, das Gehaltsgefüge wurde nicht so extrem belastet, es gab Spielraum für Zukäufe von Talenten.

Das ist Fluch und Segen zugleich für die finanziell gegenüber der direkten Konkurrenz schlechter gestellten Vereine, muss aber kein "selbstverständlicher" Nachteil sein.
Auf jeden Fall ist man mit den Nachteilen über die Jahre meist hervorragend umgegangen, aber ich finde schon, dass man von solchen sprechen muss, denn man ist doch einfach in seinem Handeln eingeschränkt, wenn man nicht die Wahl hat, ob man einen Spieler behalten möchte oder nicht.

Gut, andererseits ist man durch diese Einschränkung vielleicht auch zu seinem Glück gezwungen worden. ;)
 
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