Hallo Tennis-Fans,
ich habe ich in diesen Tagen über Rafael Nadal gewundert, der behauptet, dass Tennis nicht langsamer geworden sei. "Ich habe das erste Mal 2002 im All England Club gespielt und seitdem sind die Courts haargenau dieselben. Ich kann zwar nichts dazu sagen, wie es die Jahre zuvor war, aber zu behaupten, dass der Rasenbelag seit 2002 langsamer geworden ist, stimmt nicht. Was mich betrifft, ist es nicht wirklich spannend, ein Match zwischen Sampras und Ivanisevic - oder ähnlichen Spielertypen - anzusehen", sagt Nadal.
Das hat gesessen. Doch Rafa setzte noch einen oben drauf: "Das ist kein Tennis, das ist nur Draufhauen." Rums.
Hierzu möchte ich gerne etwas einwerfen: Nadal kommt aus der spanischen Tenniskultur, die eine ganz spezielle Art und Weise pflegt, Tennis zu spielen. Und zwar diese: Aufschlag, diagonaler Return und Punkt ausspielen. Das soll keine Kritik sein, aber genau lernen die Spanier das Spiel.
Und so ist es nicht verwunderlich, dass Rafa keine Spiele zwischen Aufschlagriesen mag. Aber zu behaupten, der Tennisbelag sei nicht langsamer geworden, ist ein bewusstes Täuschungsmanöver, denn es ist Fakt: Der heutige Belag hat nichts mehr gemein mit dem vergangener Tage. Und diese Tatsache hat Nadals Karriere sehr viel geholfen.
Meiner Meinung nach hätte er 20 Jahre zuvor nämlich nicht dieselbe Karriere hingelegt, weil das Tennis viel schneller war. Ich will seine Erfolge nicht schlecht reden oder ihm seine Tennis-Fähigkeiten absprechen, denn er hätte diesen Sport so oder so geprägt, und das aufgrund seiner mentalen Stärke.
Matches wie Sampras-Agassi fehlen
Abgesehen vom Rasen ist aber der Trend dahin gegangen, alle Tennis-Courts zu verlangsamen. Das haben die ITF, die ATP und die WTA so gewünscht, gewollt und umgesetzt. Und dieser Trend ging mit einem weiteren einher - Tennisspieler einer Klasse zu erschaffen.
Die heutigen Top-Spieler unterscheiden sich nicht mehr nach den Kriterien von damals. Ein Spielertyp wie Karlovic z.B. hätte in den 90er eine andere Karriere hingelegt und gute Chancen gehabt, Wimbledon zu gewinnen.
Aber heute gibt es diese unterschiedlichen Spielweisen nicht mehr. Natürlich ist nicht jeder ein Fan von Krajicek oder Rusedski - und ich genau so wenig. Doch heute werden wir der Matches der Art Sampras gegen Agass beraubt.
Lediglich Federer stemmt sich gegen die hart returnierenden Grundlinienspieler, wenn er in Hochform ist. Meines Erachtens hat diese Verlangsamung dem Tennis mehr geschadet als genützt.
Lieber "Feuer gegen Wasser"
Diese Vereinheitlichung des Spiels und der Spieler hat sich zudem auch auf die Verhaltensregeln auf dem Platz ausgewirkt. Sport gewinnt an Ansehen nicht nur durch verschiedene Stile, sondern auch durch verschiedene Charaktere.
Als Borg und McEnroe gegeneinander spielten, traf Wasser auf Feuer. Daher ist es um so wichtiger, dass Spieler sich frei entfalten und ausleben. Und nicht etwa ein Verhaltensmuster vorgebetet bekommen.
Fans müssen sich auf und neben dem Platz mit Spielern identifizieren können, in der Art und Weise wie sie wirklich sind. Sie sollen sich auf die Seite des einen oder des anderen stellen dürfen. Allerdings wird das immer schwieriger.
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