In meiner Jugend, die so ungern ich mir das eingestehe, nun auch schon ein paar Jahre her ist, war ich ja in BAFF aktiv. Gerade im Vorfeld der WM 2006 haben wir da viel gewarnt, was die Entwicklungen im Fußball angeht. Leider aber sich viele der Befürchtungen nach und nach bewahrheitet. Habe das gestern auch nebenbei während des Relegationsspiels angesprochen. Allein die technisch-organaisatorischen Anforderungen, die heute schon als Voraussetzungen selbst für die Regionalligen aber erst recht auch für die 3. Liga gestellt werden sind in Deutschland der Wahnsinn. Dies treibt natürlich die Notwendigkeit der stetigen Kommerzialisierung ungebremst voran. Schau dir die TSV Havelse an, die irgendwie im Niedersachsenstadion vor 300 Leuten spielen mussten, weil das heimische Wilhelm-Langehr-Stadion die Voraussetzungen nicht erfüllt. Der VfB Oldenburg muss, sollten sie denn gegen den BFC Dynamo den Aufstieg in Liga 3 schaffen, wohl nach Lotte ausweichen. Vor 25 Jahren konnten die Marschweg noch 2. Bundesliga spielen. Auch wenn schon damals wegen dem fehlenden Flutlicht nur mit Ausnahmegenehmigungen. Aber selbst in der 4. Liga ist da heute der Spielbetrieb nur mit Ausnahmegenehmigung möglich. Dann schaut man nach Frankreich, Italien oder selbst Spanien und stellt fest, dass die dortigen Verbände solche Voraussetzungen selbst für die höchste Spielklasse nicht stellen. Schau dir mal die Stadien in Venedig (Italien) oder Eibar (Spanien, zwar neu aber klein) an. Damit würdes du hier nicht mal in der 3 Liga spielen dürfen. Damit will ich sagen, dass der DFB und die DFL schon mit ihren technisch-organisatorischen Anforderungen dafür sorgen, dass die Vereine sich von den Fans „entfernen“
Die kommerziellen Entwicklungen im Fußball waren spätestens ja schon Ende 1980er / Anfang 1990er absehbar, als sich private TV-Sender u.a. in England und Deutschland die Übertragungsrechte sicherten. Bzw. schon etwas vorher, als ein am Mittelrhein ansässiger Chemiekonzern mit viel Ambitionen und viel Geld ihre in Leverkusen und Uerdingen ansässigen Werksvereine "fütterte". Nicht absehbar waren seinerzeit jedoch die Ausmaße, denn das wie ein Brandbeschleuniger wirkende Bosman-Urteil wurde erst 1995 gefällt.
Im Zuge dieser Entwicklung sahen DFB / DFL sich genötigt, in einem Anfall von Regulierungswahn infrastrukturelle Mindeststandards für die jeweiligen Ligen zu setzen. Denn um ein Premiumprodukt zu vermarkten, muss ja auch die "Verpackung" stimmig sein. "Typisch deutsch" könnte man meinen, aber in der Championsleague nahm der Regulierungswahn ja noch abstrusere Formen an, wie z.B. einige eigene Hymne, einheitliche Bandenwerbung oder dass die Trainer bei den CL-Spielen Anzüge mit Schlips zu tragen haben. Bodenständige Trainer wie Thomas Schaaf, die außerhalb der CL stets in sportlichen Look an der Seitenlinie standen, kamen sich dabei vermutlich wie bei einem Kostümball vor.
Aber nun zurück zum eigentlichen Thema:
Dann kommt der sportliche Wettbewerb hinzu und viel zu geringe Prämien an die kleineren Klubs au Vermarktungserlösen. In der Folge bleiben dann nur Investoren. In Uerdingen oder bei diesem komischen Münchner Klub hat das ja zuletzt wieder für Insolvenzen gesorgt.
Dass Investoren besonders hierzulande einen schlechten Ruf haben, basiert mMn auf zwei Aspekten: 1.) In vielen Ländern wie z.B. in GB ist das bei uns im Bürgerlichen Gesetzbuch verankerte Vereinsrecht unbekannt, so dass dortige Selbstverständlichkeiten, dass die Clubs dort rechtlich Unternehmen sind, die sich im Eigentum von Firmen oder Investoren befinden, hierzulande befremdlich wirken und somit skeptisch betrachtet werden. 2.) Stehen in der öffentlichen Wahrnehmung meistens die Investoren mit einem schlechten Image im Fokus. Z.B. staateigene bzw. regierungsnahe Unternehmen aus Ländern, die es mit demokratischen Prinzipien nicht so genau nehmen, um mit dem Produkt Fußball sich Macht, Einfluss und Greenwahing ihres Images zu erkaufen bzw. Geldwäsche zu betreiben. Oder reiche Einzelpersonen, für die ein Fußballclub ein "Spielzeug" ist. Über seriös / zurückhaltende Investoren wird dagegen so gut wie gar nicht berichtet. Es sei denn es passiert etwas dramatisches, wie z.B. der Hubschrauberabsturz, bei dem der Eigner des Leicester FC, Vichai Srivaddhanaprabha kurz nach dem Start vom dem Gelände des King Power Stadium ums Leben kam.
Zugleich musst du dich aber, wenn du eben dann in der Bundesliga mitspielen willst, diesen gnadenlosen Realitäten stellen. Das heißt du brauchst Kapital. Wir bräuchten im Moment dringend welches für das NLZ und dafür könnte man gewisse Anteile eben gut verkaufen.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder Werder verkauft einen Teil der KGaA-Anteile, um damit das NLZ zu finanzieren. Oder der Status Quo wird mit dem Risiko beibehalten, dass, wie von HHG in 2018 geäußert, Werder ohne ein neues Nachwuchsleistungszentrum auf Dauer nicht konkurrenzfähig und somit der Bundesliga-Standort Bremen nicht mehr haltbar wäre. Ein NLZ ohne Fremdkapital ist in Anbetracht der finanziellen Lage von Werder und der Dringlichkeit dieses NLZ utopisch.