Auszug aus der Bild Okt. 2014
vielleicht verschafft es einen kleinen Einblick in die Materie
So hat Werder seine Zukunft verbaut
Artikel von: CHRISTOPH SONNENBERG veröffentlicht am 09.10.2014 - 00:01 Uhr
Schulden-Streit bei Werder !
Weil das Eigenkapital am Ende der Saison aufgebraucht ist (dreimal in Folge wurde der Etat überzogen), möchte Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer (73) Kredite aufnehmen oder Investoren ins Boot holen. Um so neue Spieler für den Tabellen-Letzten zu finanzieren. Aufsichtsratschef Willi Lemke (68) ist dagegen – es brodelt in Bremen...
Der Grund: Werder hat seine Zukunft verbaut!
Denn durch den Umbau des
Weserstadions ist keine Kohle mehr da.
2011 endete die letzte und zugleich teuerste Umbauphase der Arena (42 100 Plätze, 79 Logen, 895 Business-Plätze, ausgestattet mit einer ökologisch korrekten Photovoltaik-Anlage).
79 Mio Euro kostete die Modernisierung. 19 Mio mehr, als ursprünglich kalkuliert. Der jährliche Abtrag von Krediten und Zinsen liegt zwischen acht und neun Mio.
Geplant wurde der Umbau zu Werders Champions-League-Zeiten, als der Umsatz über 120 Mio pro Jahr lag. Kalkuliert wurde auf der Basis von 21 Heimspielen pro Jahr.
Aber die hat Werder schon lange nicht mehr. Im Pokal war zuletzt dreimal in Folge in der ersten Runde Schluss. International spielt Werder seit 2011 nicht mehr.
Die Rechnung geht also nicht auf. Der Klub pumpt derzeit pro Saison zwischen 1,5 und 2 Mio zusätzlich in den Stadion-Abtrag.
Klub-Boss Klaus Filbry (47) bestätigt die Summe. Er sagt zu BILD: „Die Zahl ist eine überschaubare Zahl. Und wir haben mit dem Umbau etwas Werthaltiges geschaffen!“
Das stimmt zwar. Aber genau dieses Geld fehlt, um im Abstiegskampf in die bitter nötigen Verstärkungen zu investieren!
Den Fans bleibt nur der Trost, dass sie den Abstiegskampf in einem schönen Stadion sehen können.
Die Finanzierung zerstörte Aachen
Auch diese Vereine kamen durch hohe Stadion-Kosten in sportliche Probleme.
1. FC Kaiserslautern
• 22,9 Mio Euro Mehrkosten beim Bau des WM-Stadions für 2006: Der FCK musste den Betzenberg an die Stadt verkaufen, um die Insolvenz zu vermeiden. Miete: 2,4 Mio/Jahr.
1860 München
• Seit der Saison 2005/2006 Mieter in der Münchner Arena. Kosten jährlich rund 5 Mio Euro. Für den Zweitligisten erdrückend. Mietende: 2025.
Alemannia Aachen
• Der Verein konnte die Finanzierung der 50 Mio-Arena (Eröffnung 2009) nicht mehr tragen. Insolvenz, Abstieg in die Regionalliga. Die Stadt hat den Tivoli gekauft.
Dynamo Dresden
• Zahlt 4,9 Mio Euro Miete, könnte ohne Stadt-Zuschuss (3,59 Mio) nicht überleben.
Arminia Bielefeld
• Das Millionen-Grab Osttribüne (fertig 2008) kostete statt 11 am Ende satte 20 Mio Euro.
MSV Duisburg
• Übernahm sich 2004 mit dem Neubau Wedau-Stadion für 43 Mio Euro, ab 2008 runter von der Bundesliga in die 3. Liga.
Die Zinsbelastung lag 2008 bei etwa 4-5 %.
Setze ich jetzt voraus, dass Werder noch 70 Mio Verbindlichkeiten hat, frage ich mich, wo da die Tilgung sein soll oder besser wie kommen
8-9 Mio für Kredite und Zinsen zusammen.