Die Trainerfrage bei Werder ist ein Symptom tieferliegender struktureller Probleme, bei der CF als Geschäftsführer Profifußball in der Verantwortung steht. Er trägt für Kaderzusammenstellung, strategische Ausrichtung und die Wahl der Trainer Hauptverantwortung. D.h, wenn Trainer wie Steffen und Thioune „nicht das Format“ haben, stellt sich zwangsläufig die Frage: Warum wurden sie überhaupt verpflichtet?
Thioune ist bereits der siebte Chefcoach in Folge ohne Erstligaerfahrung. Vier seiner sechs Vorgänger wurden nach weniger als 2 Jahren entlassen und bei Kohfeldt kam es etwas später nach einem Höhenflug auch zu einem jähen Absturz. Diese Häufung ist kein Zufall. Sie zeigt, dass die Arbeitsbedingungen für Trainer ohne umfassende Bundesliga-Erfahrung bei Werder äußerst schwierig sind.
Hinzu kommt, dass der Kader von Fritz in der Außendarstellung häufig stärker dargestellt wird, als er tatsächlich ist – sei es, um das eigene Gesicht zu wahren, oder aus Überzeugung. Wenn aber auch unter dem zweiten Trainer die durchschnittliche Punktausbeute weiterhin unterdurchschnittlich bleibt, lassen sich die Ursachen nicht allein beim Trainer und seinem Vorgänger festmachen. Primär verantwortlich ist derjenige, der Trainer und Mannschaft einstellt und führt – also die sportliche Leitung. Und in letzter Instanz auch der Aufsichtsrat, der Wirken der Geschäftsführer zu bewerten hat.
Somit ist auch dieses ein strukturelles Problem, bei dem die Suche nach der Schuld allein bei den Trainern zu kurz greift.
Grundsätzlich stimme ich dem zu, aber da wir uns im Thioune Thread befinden, ging es mir zunächst einmal um den Trainer und nicht darum, ein großes Fass aufmachen zu wollen. Natürlich gibt es viele Gründe, weshalb Werder dort steht wo es steht, aber der Trainer ist nun einmal die wichtigste Person, was den Status der Mannschaft anbetrifft.
Das auch verletzte Spieler auf der Reservebank sitzen dürfen wird (hoffentlich) der Grund gewesen sein, weshalb so unerfahrene Spieler wie Schmetgens, Covic und Musah eingewechselt wurden. Leider erfuhr man im Vorfeld auf der Werder Homepage nur, dass Agu, Mbangula und Coulibaly wieder in den Kader zurückgehrt seien, nicht aber, ob und wer tatsächlich spielen könne. Diesen Umstand, auf kein bundesligaerprobtes Personal zurückgreifen zu können, kann man Thioune wirklich nicht anlasten, diese Saison stand in dieser Hinsicht von Anfang an unter einem sehr schlechten Stern.
Dennoch muss sich der Trainer dahingehend kritisieren lassen, wieder auf einen total überforderten Topp zurückgegriffen und somit 45 Minunten verschenkt zu haben. Topp scheint ein netter Kerl zu sein und dennoch konnte jeder zum wiederholten Male sehen, dass die Bundesliga für ihn mindestens eine Nummer zu groß ist. Diese Einsicht muss endlich einkehren und konsequent gelebt werden - Topp ist draußen !
Thioune hätte anstelle von Lynen und Topp, Bittencourt und Puertas weiter hinten spielen und Covic gemeinsam mit Stage offensiv agieren lassen können. Grüll hätte die Position von Topp übernommen, so wie man das bereits gegen die Eisernen sehen konnte.
Viel fataler hingegen war, wie super motivierte Mainzer, technisch sauber kombinierten und Werder so aussehen ließ, als ob die Mannschaft und nicht die Mainzer, vor einigen Tagen noch gespielt hätten. Die Anzahl der Fehlpässe war riesig, Ballbehandlung und Standards wieder unterirdisch und wirklich niemand in der Mannschaft hatte eine Idee, wie man mit dem kompakt stehenden Gegner umgehen sollte. Zumindest von der Startelf hatte ich von der 1. Minute an Powerfussball erwartet, gesehen habe ich planloses Ballgeschiebe in der eigenen Spielhälfte und einige Spieler mit angezogener Handbremse, die mehr Angst vor der 5. gelben Karte hatten, als sich voll reinzuhängen.
Alles das hätte der Trainer im Vorfeld positiv beeinflussen können, hat er aber nicht und Menschen die sich immer nur herausreden, bewirken auch niemals das Besondere. Der Gegner, ebenfalls mit einer sehr ersatzgeschwächten Mannschaft angetreten, hat einen solchen Trainer.