Dass Jensen am Samstag nicht gespielt hat, und erst recht, dass kein Gesten-Einsatz geplant war, ist im Prinzip nachvollziehbar. Denn das Spiel gegen Dortmund war für Werder sehr wichtig, sodass man im Zweifel auf Gesten keine Rücksicht nehmen kann.
Aber: Wenn am Samstag noch drei Plätze frei waren, bleibt es für mich als Außenstehenden unverständlich, Jensen nicht als Ersatzspieler zu nominieren, fit hin oder her. Wenn er einem von 7 absolut fitten und leistungsstarken Spielern einen Platz weggenommen hätte, ok, aber das war nicht der Fall.
Wenn ein Ersatzspieler das Recht hat, eingewechselt zu werden, ok, aber auch das ist nicht der Fall.
Auch wenn das Spiel gegen Dortmund wichtig war, jeder, der sich mit Fußball und der Situation auskennt, musste wissen, dass es Situationen hätte geben können, dass man Jensen für ein paar Minuten hätte einwechseln können ohne Risiko (hohe Führung, hoher Rückstand).
Dass man Jensen jetzt suspendiert, hinterlässt bei mir ebenfalls einen schalen Beigeschmack.
Zumal mit der Begründung. Alles andere als eine disziplinarische Maßnahme macht überhaupt keinen Sinn.
Möglicherweise hat man sich bei Werder über sein Interview geärgert, kann man machen, auch mit Recht. Aber sich in dieser Form zu revanchieren, zeugt von mangelnder Größe, nachdem Jensen ohnehin gehen wird.
Hier wurde verschiedentlich vermutet, es könne mit anderen vorgefallenen Dingen zu tun haben, zum Beispiel, dass Jensen irgendwann mal trotz Beschwerden zur NAtionalmannschaft gefahren sei. Mag sein, und wenn sich Werder darüber geärgert hätte, wäre das völlig in Ordnung gewesen, auch eine zeitnahe Suspendierung.
Wenn es allerdings so sein sollte, dass man sich diesen Zeitpunkt jetzt ausgesucht hat, um sich bei Jensen zu revanchieren, dann ist das nicht nur menschlich sehr schwach.
Sondern man kann sich dann fragen, wie man mit einem Spieler weiter zusammenarbeiten konnte, bei dem das Vertrauensverhältnis offenbar völlig zerrüttet gewesen sein muss, dass man gezielt eine Gelegenheit sucht, sich zu rächen.
Bleibt noch die Möglichkeit, dass etwas anderes vorgefallen ist, von dem die Öffentlichkeit nichts weiß. Da muss die Frage erlaubt sein, was das gewesen sein könnte und wie schlimm es gewesen sein muss.
Wenn es eine Lapalie war, dann hat man als seriöser Verein die Größe, einem verdienten Spieler einen Kurzauftritt zu gönnen. Wenn es wirklich schlimm war, dann frage ich mich, ob diese Form der Rache die angemessene Reaktion darauf ist.
MFG dkbs