Bremen
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Richtig, Krisen sind immer negativ behaftet - in ihrem ureigentlichen Sinn. Doch mein Post bezog sich auf die Äußerung von @PrinzHF , dass dieser Begriff der nicht im Sinne von von rechtsradikal oder rassistisch negativ ist. Oder anders artikuliert: es ist ein Begriff des allgemeinen Sprachgebrauchs und kein Wording mit Ursprung in der rechtsradikalen Szene - die dieses Wort für ihre Parolen jedoch verwendet.Doch negativ behaftet ist der Begriff sehr wohl. Sind Krisen immer. Und die Verbindung beider Wörte führt eben dazu, dass negative Assoziationen beim Wort Flüchtling kommen.
Im Grundsatz Zustimmung. Doch ein anderes Wording wird die Entmenschlichung der betroffenen Menschen zwar im alltäglichen Sprachgebrauch reduzieren jedoch nicht gänzlich verhindern können, weil diese entmenschlichenden Begriffe sich über Jahrzehnte ins Sprachbewusstsein eingeprägt haben. Zum Beispiel, dass viele Menschen auch heute noch ohne eine diskriminierende Absicht "Zigeuner" statt "Sinti und Roma" oder "Behinderung" statt "Handicap"* schreiben / ausprechen. Es wird also wohl noch eine Zeit dauern, bis sich die politisch korrekten Formulierungen im Alltag etabliert haben. Und diejenigen, die mit menschenverachtenden Parolen um sich werfen, sind im negativen Sinne so kreativ, dass sie auch bei weniger entmenschlichenden Alltagsbegriffen diskriminierende Schlagwörter finden, mit denen sie ihr perfides Gedankengut zum Ausdruck bringen.Besser wäre hier vielleicht der Begriff Fluchtkrise, weil das Problem ja nicht diejenigen sind, die flüchten müssen, sondern das Problem ist, dass sie flüchten müssen. Wording finde ich gerade bei dem Thema sehr spannend. Gibt ja einige weitere Wortkombinationen, die negative Assoziationen hervorrufen, "Flüchtlingslawine", "Flüchtingstsunami", vieles aus dem Bereich der Katastrophen, Begriffe die die betroffenen Menschen entmenschlichen.
* Kleine Anmerkung dazu aus meinem persönlichen Umfeld dazu: Für ein befreundetes Paar mit einem autistischen Kind ist es sogar egal, welches der beiden Begrifflichkeien verwendet wird. Ihnen ist jedoch wichtig, dass man diese Menschen nicht alleine als "Behinderte" oder "Gehandicapte" bezeichnet, sondern dabei stets den Begriff Mensch(en) einfügt, d.a.also "behinderte Menschen" bzw. "gehandicapte Menschen"


