Den hat man alle paar Wochen mal in der Tagesschau gesehen (in meinem Fall habe ich über den Großteil der Aussagen geschmunzelt, weil ich vieles unrealistisch fand oder politisch mir fernstehend - er gehört ja schon eher zum linken Flügel der SPD) und das wars.
Ich fand, das war gefühlt weit häufiger. Der war ja nicht umsonst so bekannt mit seiner Fliege und halt auch gern gesehener Stammgast bei den üblichen Verdächtigen (von Lanz über Illner bis Maischberger etc.).
Während Corona war er fast täglich bei Lanz zu sehn (oder heute journal oder Tagesschau oder, oder, oder) - und da war er bei weitem der Einzige, der sich so aufdrängte. Alle anderen, wie Drosten, Kekulé, selbst Streek haben irgendwann kapiert, dass es der eigenen Glaubwürdigkeit nicht gut tut, jeden Tag im Fernsehen zu orakeln, was passieren könnte oder was nicht. Nur einer nicht.
Der drängt sich nicht auf, der wird (wie alle anderen auch) eingeladen. Habe mal einen kurzen Faktencheck gemacht, weil ich auch den Eindruck habe, dass der täglich irgendwo im TV zu sehen war:
Der häufigste Gast bei Lanz in 2021 war mit 12 Einladungen Robin Alexander, von der WELT. Dann Lauterbach mit 11 Einladungen. Das heißt, er war dort weniger als einmal im Monat. Da hätte ich mehr erwartet ehrlich gesagt. Insgesamt hatte Lauterbach 40 Auftritte in Talkshows insgesamt, also war er alle 9 Tage im TV zu sehen.
Drosten war übrigens so gut wie gar nicht zu sehen, der hat seinen Podcast gemacht und als er dafür von BILD und Co. zur Feindfigur erklärt worden ist, hat er sich öffentlich zurück gezogen. Kekulé und Streeck waren in der Tat seltener im TV, hatten aber klar ihre Agenda, vor allem Streeck mit seiner Gefälligkeitsstudie.
Das hat nichts mit zu wenig informieren zu tun, wer jetzt in über 2 Jahren Pandemie nicht genügend informiert ist, dem ist nicht mehr zu helfen (ich weiß, dass es so Leute gibt, aber da ändert auch nichts dran, dass Lauterbach bei Lanz campiert).
Das mit dem "nicht zu helfen", da bin ich ganz bei dir. Aber wie du es selber ja auch schreibst, es gibt diese Leute. Die sind aber mMn. im Gegenteil viel zu sehr informiert und verlieren darüber den Überblick. Weil es um teils schwer verständliche Materie geht die eben nicht jeder verstehen kann aber jeder erklären möchte. Und sich dann verliert. Sieht man ja auch hier.
Und ich möchte nochmal betonen, dass es seit er Minister geworden ist schon besser geworden ist - ich gehe davon aus, dass er auch etwas eingebremst wurde von den Kollegen
Ich glaube, der hat jetzt einfach viel mehr zu tun als vorher

Das war übrigens immer schon meine Vermutung, dass Lauterbach im Grunde gar keine große Lust auf den Ministerposten hatte. Und das habe ich ihm schon vor der Pandemie unterstellt, denn an seiner Fachexpertise gab es nie Zweifel, weshalb ich mich immer gefragt habe, wieso er eigentlich so lange in 2. Reihe steht. Aber was man so aus der SPD hört, ist er eben auch kein einfacher Zeitgenosse. Schätze er lässt Leute, ganz der Professor, gerne auch wissen wenn er mehr weiß als sie.
Weiß auch nicht, was sein Lebenslauf damit zu tun hat.
Ich wollte ihn als selbsterklärendes Argument dafür nutzen, dass dein Eingangskommentar, nachdem Lauterbach vor Corona eher belächelt worden sei, nicht haltbar ist. Genervt hat er einige damals schon, ja. Aber belächelt wurde er ganz sicher nicht, im Gegenteil. Wie ich weiter oben schrieb, es wundert mich immer schon, warum er nicht weiter vorne in der Partei steht und selbst jetzt war ja die Diskussion, ob die SPD ihn wirklich als Minster aufstellen möchte. Aber was das angeht hast du vermutlich recht, da hat die öffentliche Präsenz dafür gesorgt, dass ganz Deutschland mit dem Kopf geschüttelt hätte wenn der Mann mit der (sichtbar) höchsten Kompetenz NICHT Gesundheitsminister wird.
seine Horrorszenarien für den Zusammenhalt in der Gesellschaft nicht förderlich sind und er sich selbst gerne recht wichtig nimmt.
Das liegt sicher im Auge des Betrachters. Also die erste Hälfte. Dass er sich wichtig nimmt, kann schon sein. Für mich sind das keine Horrorszenarien sondern schlicht Abschätzungen und da auch ich in meinem Beruf zwingend manche Dinge bis zum Ende denken muss (incl. und vor allem Worst Case), verstehe ich ihn da. Ob das die beste Kommunikation ist? Ich weiß es nicht. Hat nicht Seehofer irgendwann in 2020 gemeint, dass man drastischer formulieren müsse, weil manche Menschen es sonst stumpf nicht kapieren? Nicht, dass ich hier Seehofer als Leumund nehmen möchte, aber denke schon, dass er da bei nicht wenigen den Kern trifft.
Und wenn ich dann seinen Lebenslauf als Argument nehmen wollte, dann scheint mir das ja schon ein Karrieremensch zu sein,
Welcher Spitzenpolitiker ist bitte kein Karrieremensch? Bis fast nach ganz oben kommen ist der Inbegriff. Wer keine Spitzenämter anstrebt, der bekommt eben auch keine. Insofern:
dass er sehr von der Pandemie profitiert hat, dadurch eher noch mehr bestätigt sehe.
Sei es so. Wer weiß das schon so genau. Das ändert nur nicht viel, um die Klammer zu schließen, an seiner Expertise und Ruf schon vor Corona.
Disclaimer: Ich hoffe, wir sind nahe genug dran an Corona und weit genug entfernt von Politik, dass das zumindest so lange stehen bleibt bis der Empfänger Gelegenheit hatte es zu lesen 