Liegt vor allem daran, dass Werder unter Schaaf keine flache Hierarchie im Teamspiel hinbekommt, was mit der viel zu losen "Handlungsvollmacht" für alle Beteiligten zusammenhängt. Wenn dann der beste oder gar deutlich beste Einzelspieler eher ein hochbegabter Individualist, als ein intelligenter Mannschaftsspieler ist, hast Du eben exakt diesen Effekt, den Du/ Ihr beschreibt.
Das trifft nun aber weiß Gott nicht auf CP zu. Denn die Tatsache, dass oft alles über ihn lief, war letztlich nicht dem Umstand geschuldet, dass er sozusagen ein egomaner Individualist ist, sondern dass er schlicht oft der einzige war, der die Verfassung und nicht zuletzt die Klasse hatte, Aktionen zum ende zu bringen, während andere Offensivspieler mehr mit sich selbst beschäftigt waren und ihn im Spiel nach vorne wenig bis gar nicht unterstützten.
Grade CP ist für mich im Grunde ein absoluter Mannschaftsspieler, der sich oft genug in den Dienst eben jener Mannschaft stellte, auch zum Leidwesen seiner eigenen Torausbeute. Quasi das Gegenbeispiel zu MG.
Ich habe eher den Eindruck, dass was Du zitierst und beantwortest, möglicherweise missverstanden hast.
Ich wollte auf die Nachteile einer Spielweise für das Gesamtgefüge hinweisen, wenn die Mischung in der Truppe und die dazugehörigen Vorgaben nicht passen.
Im Mittelfeld wie im Sturm haben Protagonisten bei uns sehr viele Freiheiten (nach meinem Dafürhalten viel zu viele), was zu Ungleichgewichten in der Aufgabenteilung führt, sowohl in Spielentwicklung/ Gestaltung, als auch in der Mannschaftshierarchie.
Was Pizarro` s Spiel in Bezug auf das generelle Mannschaftsspiel angeht, kamen doch zwei Probleme ganz entscheidend zum Tragen, 1.) dass die fußballerische Qualität der Neben- und Hinterleute nicht gleichwertig war und 2.) dass es wie bei Werder unter Schaaf üblich so gut wie keine Grundordnung, keine Abstände, abgestimmten Laufwege oder einstudierten Spielzüge gab. Deshalb wollte Pizarro, um sich selbst noch besser ins Spiel einzubringen und 1.) wie auch 2.) ausgleichen zu können, dem mit ständiger Präsenz begegnen, wollte immer alles und zu jeder Zeit. Was zur Folge hatte, dass er weder im Sturm die IV ausreichend beschäftigen konnte, noch als sich fallen lassende Spitze die schnelle Kombination suchte (siehe 2.)), und sich daher zu oft in "Ausweichmanövern" auf aussen, Individualaktionen, Dribblings, meist gegen mehrere Gegenspieler, verstrickte. Wodurch er a) selbst zu viel Energie verbrannte, die dann im Strafraum fehlte und b) dort der Nebenmann sowie teilweise nach- und aufrückende Mitspieler verschenkt wirkten.
Dass Pizarro unter diesen Umständen trotzdem 18 Tore erzielte, spricht einmal mehr für seine Klasse, andererseits stelle ich mir aus genannten Gründen eben die Frage, ob nicht noch viel mehr möglich gewesen wäre. Insbesondere in puncto Effizienz, und zwar nicht nur beim Torabschluss, sondern gerade auch im Teamspiel.
Einer solchen Entwicklung muss vor allem ein Übungsleiter gegensteuern, zum Beispiel durch klarere Vorgaben und einen stringenteren Handlungsrahmen, speziell in Sachen Mit-/ Gegenbewegungen, Positionsdefinition. Aber nichts dergleichen scheint bei uns zu passieren, bei Pizarro nicht und bei anderen starken Einzelspielern früher auch nicht. Und das wirft uns eben immer wieder zurück, sowohl in der individuellen (Lerneffekt), als auch in der Mannschaftsförderung.
Das Interesse an Elia kann man sicher kritisch sehen, allein weil er kein unkomplizierter Spieler zu sein scheint und weil es offen ist, ob er in Bremen das zeigen kann, was er in Holland gezeigt hat. Da gibt es keine Garantie, dass das klappt. (...)
Andererseits: Das Interesse an Elia würde ich eher gerade nicht als Beleg dafür werten, dass Schaaf per se immer seinen gleichen Stiefel durchzieht. Sondern eher als Zeichen der Hoffnung, dass er evtl. dabei ist, umzudenken.
Die Frage ist doch viel mehr, inwiefern "umdenken"?
Eine Systemumstellung nützt doch nur insofern was, dass vielleicht die Spieler im Hinblick auf ihre Fähigkeiten besser reinpassen. Bringt Werder rudimentär evtl. etwas weiter, ist mMn allerdings wieder nur rumdoktern an den Symptomen, aber kein Versuch, die Krankheit zu beheben oder wenigstens einzugrenzen. Und kann obendrein genau deswegen total schiefgehen, wenn die entsprechenden Leute nicht so einschlagen wie erhofft. Auch und gerade Werder kennt sich damit aus. Mir ein einziges Rätsel, dieses unglaublich stoische "Nicht-lernen-wollen".