Der Verein wird auch das "St. Pauli der Dritten Liga" genannt. Damit können sie gut leben. Präsident Engelbert Schmidt schwärmt schon seit eh und je für die Hamburger. Auch dem Trainer gefällt der Vergleich, wenngleich er differenziert. "Als Profi fand ich es nicht so toll, mich in Kabinen umzuziehen, in denen der Schimmel nur übertüncht wurde. Aber was das Image anbelangt, kann ich mich damit anfreunden." Kult, sagt Emmerling noch, Kult müsse man sich erarbeiten. Kickers Emden ist auf dem besten Weg dahin.
Es geht sehr folkloristisch zu bei den Kickers. Nach jedem Tor der Heimmannschaft gibt der Stadionsprecher ein lautstarkes "Ostfriesland" vor - die Fans antworten mit "Moin, Moin". Der Gassenhauer "An der Nordseeküste" bleibt einem erspart, dafür scheppert anderes plattdeutsches Liedgut aus den Lautsprechern: "Dans op de Deel" (auf hochdeutsch: Tanzen auf der Diele). Und auf der Homepage des Clubs bekommt man eine dezidierte Anleitung, wie man das Stadion mit dem Paddelboot erreicht.:applaus:
Die Bedingungen, erfolgreichen Profifußball zu bieten, sind in der strukturschwachen Region ungleich schwerer als an anderen Standorten. Das Stadion ist als solches kaum zu erkennen aus der Ferne. Wellblech verkleidet die kleine Gegentribüne von außen, man vermutet eher ein Holzlager oder einen Reifenhandel dahinter denn ein Fußballstadion. Die Haupttribüne ist ein einziges Provisorium, die Auflagen des DFB für die dritte Profiliga werden so gerade erfüllt. Die Kabinen sind zwar nicht verschimmelt, professionelle Bedingungen bieten sie dennoch nicht.
Und nun gibt es auch noch Ärger mit dem DFB. Bis zum Start der Rückrunde muss der Drittligist sein Konzept für eine Funktionstribüne vorlegen, fordert der Sicherheitsexperte des Verbandes, Gerhard Kißlinger: "Bis Anfang April nächsten Jahres spätestens muss diese Tribüne stehen." Sollte das Konzept nicht fristgerecht vorgelegt werden, droht der Lizenzentzug für die Dritte Liga, denn dann läge laut Kißlinger "ein Auflagenverstoß" vor. Für die kommende Saison müssen die Kickers ein Stadion für 10.000 Zuschauer bereitstellen.
Der Präsident erzählt vom fertigen Konzept des Stadionneubaus und davon, dass der Bauantrag schon gestellt sei. Dann grinst er und erklärt: "Eine Kleinigkeit fehlt noch: die Finanzierung." Die Clubführung hat sich bereits an die Volkswagen AG gewandt. Doch der Autokonzern, der in Emden ein Werk betreibt, tut sich schwer damit, den "Deichkickern" in größerem Maße als bislang unter die Arme zu greifen. "Das ist schade", sagt Schmidt. Und es sei ärgerlich, fügt er hinzu, wenn man zuschauen müsse, wie VW Schalke und Werder hingegen mit einem kompletten Fuhrpark versorge