Radio Bremen: Herr Fischer es gab Besonderheiten während Werders Spiel gegen den Hamburger SV. Sie haben sich heute damit auseinander gesetzt. Mit welchem Ergebnis?
Klaus-Dieter Fischer: Unser Ergebnis ist, das wir zum ersten Mal seit 15 Jahren Pyrotechnik von unseren eigenen Fans im Stadion gehabt haben. Das hat uns sehr enttäuscht, weil es eine Vereinbarung mit unseren Fans gibt, dass wir die Zäune vor der Ostkurve runtergelassen haben, so dass freie Sicht ist - wenn da nichts passiert. Und an diese Absprache haben sich die Fans nicht gehalten. Das ist eine große Enttäuschung insbesondere auch deshalb, weil wir eine tolle Unterstützung und eine tolle Choreografie hier im Stadion gehabt haben. Ich hatte durch Zufall gerade ein Gespräch mit Aaron Hunt, der erzählt hat, dass die Mannschaft auch geschockt gewesen sei. Man hat es auch gemerkt: In dieser Viertelstunde nach dem Vorfall war unser Spiel weg. Wenn in der sechsminütigen Nachspielzeit, von der vier Minuten aufgrund der Pyrotechnik erfolgten, beispielsweise van der Vaart bei seinem Schuss noch getroffen hätte, wäre das eine Katastrophe gewesen. Unser Stand jetzt ist: Wir sind noch am Recherchieren. Wir werden noch Bildmaterial bekommen und werden dann Dienstag oder Mittwoch entsprechend reagieren.
Radio Bremen: Können Sie ungefähr andeuten, was den Leuten droht, wenn sie sie identifizieren?
Klaus-Dieter Fischer: Wenn wir sie identifizieren ist die Situation klar. Dann gibt es Stadionverbote. Außerdem holen wir uns ja schon seit langem die Strafen von den Tätern wieder.
Radio Bremen: Haben Sie als Berechtigte dieses Stadions die Möglichkeit einen Zugriff auf diese Personen zu nehmen, die waren ja alle äußerlich erkennbar. Die hatten ja alle weiße Kleidung und grüne Hauben an. Haben Sie die Möglichkeit da einzugreifen und die während des Spiels da noch rauszuholen?
Klaus-Dieter Fischer: Theoretisch ja. Aber stellen Sie sich mal vor, dort geht eine Gruppe von Ordnungskräften oder Polizisten in die Ostkurve rein. Ich glaube, wir können uns nicht erlauben, dass wir hier eine Massenschlägerei im Stadion haben werden. Das Wichtigste ist, die Kriminellen zu identifizieren. Denn wer mit 1000 Grad heißer Pyrotechnik handtiert, ist für mich kriminell.
Radio Bremen: Lässt sich so etwas überhaupt vermeiden? Hat man die Möglichkeit durch Kontrollen und Leibesvisitationen so etwas zu verhindern? Oder ist diese Pyrotechnik inzwischen so klein, dass man die verstecken kann, ohne das jemand Kenntnis davon hat?
Klaus-Dieter Fischer: Ich will jetzt die Kenntnisse, die ich darüber habe, wie man Pyrotechnik ins Stadion bringen kann, nicht erläutern. Aber es gibt unglaublich viele Möglichkeiten. Die effektivste Methode, die Pyrotechnik zu entdecken ist eigentlich durch Drogenhunde. Aber wenn Sie 15 Jahre hier nichts gehabt haben, dann überrascht Sie so eine Situation. Ich hoffe, dass unsere Maßnahmen, die wir ergreifen dazu dienen, dass man sagt 'Also einmal noch und dann kommen die Zäune wieder hoch!'
Radio Bremen: Das wird die Konsequenz sein?
Klaus-Dieter Fischer: Wenn nicht jetzt schon die Konsequenz ist, dass wir die Zäune hochziehen. Denn das kann eine der Konsequenzen sein, die wir uns Dienstag und Mittwoch überlegen. Das ist die wichtigste Konsequenz eigentlilch. Denn es ist ja einmalig, dass wir unseren jungen Fans ein Vertrauen entgegengebracht haben, den Zaun runterzulassen, so dass man freie Sicht hat und theoretisch auch direkt ins Stadion springen kann. Das hat kein Mensch gemacht bisher und deswegen waren wir auch alle selber so schockiert.
Radio Bremen: Aber diese Zäune helfen ja nur, dass diese Leuchtraketen nicht auf den Rasen geschossen werden. Sie können aber immer noch auf der Tribüne abgebrannt werden.
Klaus-Dieter Fischer: Die Zäune sollen ja auch eigentlich kein Schutz vor Leutraketen sein. Die Zäune sollen Schutz davor bieten, dass geworfen wird und das jemand ins Stadion reinläuft. Aber wenn man einen Vertrauensvorschuss gibt, wie wir das gemacht haben, dann ist das schon eine Strafe für alle dort hinter Gittern zu sein. Es ist toll, wenn man unsere Ostkurve sieht, die da ohne Gitter aufs Spielfeld gucken kann und sich frei bewegen kann. Das wollen wir eigentlilch erhalten.
Radio Bremen: Hoffen Sie auch auf einen Selbstreinigungsprozess der Fans untereinander? Ist das denkbar?
Klaus-Dieter Fischer: Ich glaube, dass ist die wichtigste Maßnahme überhaupt. Dass sich diejenigen von diesen Wenigen distanzieren, so wie das hier ja auch schon im Stadion gewesen ist. Es gab ja diese "Ihr seid wie der HSV"-Sprechchöre. Das ist ja ein Beweis dafür, dass eigene Fans sich so gegenseitig beschimpfen. Es war eine Empörung in allen Bereichen mit Ausnahme dieses Mittelblocks in der Ostkurve.
Das Interview führte Henry Vogt.