Es mag sein, dass es früher bestimmte Regeln bei Schlägereien tatsächlich gab (die mit dem auf dem Boden liegenden Gegner, den man nicht mehr traktiert, gehört dazu). dennoch denke ich erstens, dass Schlägereien und Gewalt in der Häufigkeit abgenommen haben (was sicher daran liegt, dass unsere Gesellschaft immer älter wird und Ältere eher seltener körperliche Gewalt ausüben, hormonell und physisch bedingt). Zweitens weise ich noch einmal darauf hin, dass sich früher gewaltbereite Männer bei der Armee (als Ausbilder beim Schinden von Rekruten oder im Krieg bei diversen Massakern) hervorragend abreagieren konnten und diese Möglichkeit scheinbar einigen heute fehlt. So bestehen besonders brutale Jugendgangs häufig aus jungen Männern, die aus Ländern zugewandert sind, wo Gewalt und Krieg durchaus noch als Mittel zur Lösung von Konflikten anerkannt sind oder aus Jugendlichen, die in ihrer Kindheit/ Jugend brutale Gewalt oder extreme Gleichgültigkeit (fast noch schlimmer) erfahren mussten. Wenn du vor 70 Jahren ein Mensch warst, der gerne andere gequält hat, dann bist du eben in den Krieg gezogen, hast deine Maschinenpistole genommen, bist in ein "Partisanendorf" gegangen und hast dort mal eben 20 Frauen, Greise und Kinder umgelegt und das auch noch völlig ungestraft. Heute nimmst du Papis Knarre (in den USA sogar deine eigene(n)), latschst in deine Schule und legst 15 Mitschüler und 2 Lehrer um. "Leider" hat das Gesetz etwas gegen solche Taten und du musst eine lebenslange Haftstrafe in einer Klapse befürchten, sodass man sich lieber gleich selbst mit umlegt.
Was ich damit sagen möchte: Mag sein, dass es bei Dorfschlägereien und auf dem Kiez gewisse Regeln gab. Die konnte man aber gesellschaftlich gut umgehen durch Beitritt in die Armee. Oder falls man darauf keinen Bock hatte, konnte man zu Hause gesetzlich legitimiert seine Kinder derbe vermöbeln, seine Frau durfte man(n) (so verheiratet) sogar ungestraft vergewaltigen. Man hatte also tolle Möglichkeiten zum Frustabbau und zur Gewaltausübung, die es heute so zum Glück nicht mehr gibt. Einige meiner Klassenkameraden in meiner Kindheit wurden zu Hause wegen geringster Vergehen brutal vermöbelt, was sonst noch passierte, blieb schön hinter geschlossenen Vorhängen, geredet hat über Gewalt keiner. In meiner Schulzeit hat mich mal ein Klassen"kamerad" in einer nicht mal dunklen Ecke während der Bundesjugendspiele mit beiden Händen am Hals gepackt und hochgehoben. Ob ich blau angelaufen bin, weiß ich nicht. Luft habe ich zumindest ca. 1 Minute lang keine mehr gekriegt. Lehrer standen ganz in der Nähe und haben es sicher gesehen, Mitschüler sowieso. Keiner hat reagiert, heute würde so etwas am nächsten Tag in der "Bild" stehen. Nur ein Vorfall, ich könnte weitere nennen. Fazit: Früher war es weißgott nicht weniger brutal.