Aha. Die DFL verlegt also kurzfristig das Sonntagabendspiel Werder und Frankfurt aus Gründen der Fairness, da Frankfurt Freitagabend um 18 Uhr in Salzburg spielen muss und damit nur 48 Stunden zur Regeneration zwischen dem jeweiligen Anstoß hätte. Ist das eigentlich Euer Ernst, liebe DFL?
Klar, ich kann verstehen, dass Frankfurt um eine Verlegung gebeten hat, um mehr Regenerationszeit zu haben. Was schadet es, das zu versuchen? Aber ich hätte niemals gedacht, dass die DFL dem zustimmen würde. Das ist angesichts der Alternativtermine hochgradig unfair für Werder und zudem auch komplett widersprüchlich zum Handeln der DFL in der Vergangenheit. Wann soll das Nachholspiel denn stattfinden? Dank der komplett überfrachteten Rahmenterminkalender von DFL/DFB/UEFA/FIFA gibt es aus meiner Sicht keinen Nachholtermin, der nicht einem der beiden Vereine mehr schaden würde als eine Beibehaltung des Spieltermins am Sonntag.
In der kommenden Woche spielen Frankfurt und Werder gegeneinander im Pokal, in den beiden Wochen darauf ist bereits das EL-Achtelfinale, an dem Frankfurt aller Wahrscheinlichkeit nach teilnehmen wird. In den beiden Wochen nach der FIFA-Länderspielperrfrist folgen dann das EL-Viertelfinale und anschließend das Pokalhalbfinale, an dem auf jeden Fall einer der beiden Vereine teilnehmen wird. Dann ist es schon Ende April. Im Worst Case dieses Szenarios – Frankfurt zieht ins Halbfinale der EL ein – fallen auch die beiden folgenden Wochen weg. Dann bliebe eigentlich nur noch eine Ansetzung zwischen dem 33. und 34. Spieltag übrig.
Das wäre ein massiver Nachteil für Werder, zwischen diesen beiden wsl. immens wichtigen Spielen gegen Mainz und Köln erst das Nachholspiel gegen Frankfurt zu bestreiten. Man hätte nur zwei Tage zur Regeneration, der Gegner am letzten Spieltag (Köln) aber eine volle Woche. Zumal die DFL am 33. und 34. Spieltag alle Spiele parallel am Samstagnachmittag austragen lässt und man nicht auf eine Ansetzung des 33. Spieltags am Freitag oder des 34. am Sonntag hoffen kann. Dazu kommt, dass Werder ja eventuell auch noch die Relegation spielen könnte. Die beiden Spiele finden am folgenden Donnerstag bzw. Montag statt. Damit hätte Weder in diesem Szenario innerhalb von 16 Tagen zwischen dem 9. und 25. Mai fünf Spiele (33. Spieltag, Frankfurt-Nachholspiel, 34. Spieltag, Relegation Hin- und Rückspiel). Ist man so optimistisch und berechnet die Möglichkeit ein, dass wir ins Pokalfinale einziehen könnten, wären es innerhalb von 16 Tagen sogar sechs Spiele. Und jetzt behauptet die DFL, dass es fairer wäre, diese Möglichkeit einzugehen, anstatt Frankfurt zwei Mal innerhalb von 48 Stunden spielen zu lassen?! Zumal Frankfurt als Europapokalteilnehmer ohnehin logischerweise einen breiteren Kader hat als es Werder selbst ohne die massiven Verletzungsprobleme hätte und kann daher eine höhere Spieldichte durch mehr Rotationsmöglichkeiten auch viel besser auffangen. Zumal Frankfurt ja bereits ein sehr dickes Polster aus dem EL-Hinspiel heute Abend mitbringt nach Salzburg und dadurch im Spielverlauf sogar noch Spieler schonen könnte. Die einzig faire Ansetzung wäre wohl das Wochenende während der Länderspielpause verbunden mit einer Ausnahmeregelung, wonach Frankfurt und Werder keine Spieler an ihre Nationalteams abstellen müssen. Aber das würde die DFL wahrscheinlich ohnehin nicht bei der FIFA durchbekommen, da die ja zurecht die Notwendigkeit der Verlegung hinterfragen würde. Abgesehen davon, dass die DFL die Fairness der Ansetzung für alle Parteien wohl ohnehin nicht derart wichtig wäre, sich da noch einmal extra ins Zeug zu legen.
Dazu kommt der Umstand, dass Werder angesichts der direkten Duelle an diesem Spieltag und der Absage des eigenen Spiels auf jeden Fall noch tiefer in der Tabelle feststecken und mehr Punkte aufzuholen haben wird zum rettenden Ufer. Auch das könnte dem Team weiter kräftig zusetzen und es weiter verunsichern. Die Verlegung des Spielplans dürfte Werder nun anstatt eines kleinen Vorteils nun einen gravierenden Nachteil einbrocken – psychologisch und physisch. Dazu kommt ja auch noch, dass die DFL damit alle Fans ohne Not komplett im Stich lässt, die sich den Sonntag bereits frei genommen haben und schon Tickets, Zugfahrkarten oder Hotels gebucht haben und auf diesen Kosten jetzt sitzen bleiben müssen. Zumal viele Fans von Außerhalb bei einem zu erwartenden Nachholspiel unter der Woche wahrscheinlich gar nicht kurzfristig zum Spiel kommen können.
Zudem ist die Begründung der DFL für die Verschiebung überhaupt nicht kongruent zum Handeln in der Vergangenheit. Werder musste am Donnerstag, den 6.3.2008 um 21.00 Uhr in Glasgow spielen und dann am kommenden Samstag, den 8.3.2008 um 15.30 Uhr in Stuttgart ran (also nur 42,5 Stunden Pause). Das war kein Einzelfall. Beispielsweise spielte Werder auch am 21.2.2008 donnerstagabends um 22.30 Uhr (was für eine absurde Anstoßzeit!) in Braga und dann samstags (23.3.2008) um 15.30 Uhr wieder auswärts in der Bundesliga (sogar nur 41 Stunden), damals übrigens ausgerechnet in Frankfurt. Damals hat die DFL das Bundesligaspiel sogar jeweils bewusst auf den Samstagnachmittag gelegt, anstatt bspw. ein reguläres Sonntagsspiel anzusetzen und damit klar gestellt, dass sogar weniger als 48 Stunden zur Regeneration vollkommen ausreichen müssen. Und plötzlich muss ein Spiel in dieser Situation verschoben werden, obwohl das Szenario einer wetterbedingten EL-Verschiebung geschuldet ist? Ernsthaft?
Natürlich sind die beiden Beispiele nun auch schon mehrere Jahre her, aber an der grundsätzlichen Haltung der DFL hat sich seitdem wenig geändert. Im April 2016 musste Werder am Dienstagabend im Pokalhalbfinale in München ran (man erinnere sich an die Vidal-Schwalbe!). Das hinderte die DFL aber nicht, das extrem wichtige Nordderby auswärts in Hamburg zwischen dem HSV und Werder, die beide mitten im Abstiegskampf steckten auf den Freitagabend (!) zu legen. In all diesen Fällen bat Weder um eine Verlegung. In allen Fällen hätte es Möglichkeiten gegeben, das Bundesligaspiel zumindest um einen oder zwei Tage nach hinten zu legen, ohne dass Frankfurt, Stuttgart oder der HSV damals irgendeinen Nachteil gehabt hätten. In allen Fällen ignorierte das die DFL und öffentlich wurde darauf hingewiesen, dass man als Verein damit umgehen müsse, wenn man in anderen Wettbewerben neben der Bundesliga erfolgreich wäre. Aber dieses Mal verschiebt man zu Gunsten Frankfurts das Spiel und nimmt damit in Kauf, Werder massiv zu schaden und greift damit in den Abstiegskampf ein? Für die DFL aber natürlich auch ohnehin nicht so schlecht, denn ein Abstieg Werders würde denen angesichts des Polizeikostenstreits mit dem Land Bremen natürlich hervorragend in den Kram passen.
Saftladen.
P.S. Salzburg spielt übrigens Sonntag (17 Uhr) auswärts in Altach und Mittwoch (20.15 Uhr) zu Hause im Pokal gegen Linz. Da scheint es kein Problem zu sein.