Befürchtung: Regierungbeteiligung der Linken (unwahrscheinlich) oder eine Alleinregierung von CDU/CSU (noch unwahrscheinlicher)
Vermutung: Schwarz/Gelb oder Schwarz/Rot
Hoffnung: fällt unter das Wahlgeheimnis
Wie die letzten Wahlen gezeigt haben (und damit meine ich nicht nur die 3 LTW am Sonntag), sind klare Mehrheitsverhältnisse nicht zu erwarten.
CDU/CSU werden zwar stärkste Kraft bleiben, aber es ist schon eigenartig, wenn die eigene Kanzlerin in der Union weniger Vertrauen genießt als in der Bevölkerung. Wird eine Wahl gewonnen, brüstet sich die Partei mit dem Erfolg, gehen Stimmen verloren, macht die Union (oder sollte man sagen: die CSU sowie der „Andenpakt“, zum dem u.a. die Ministerpräsidenten Koch, Müller, Oettinger und Wulf gehören) Angela Merkel zum Sündenbock. Einen regierungsfähigen Eindruck hinterläßt das genauso wenig wie die Scharmützel mit dem möglichen Koalitionspartner FDP, zu dem sich Angela Merkel sich übrigens erst heute nach langem Zögern auf Druck von Guido Westerwelle (und auch wohl aus den eigenen Reihen) eindeutig bekannt hat.
Zwischen Baum und Borkes steht die SPD, denn um Stimmen aus dem eher bürgerlichen Lager zu bekommen, hat sie in der Ära Schröder einen „Rechtsruck“ vollzogen und somit große Teile der klassischen SPD-Wählerschaft den Grünen und den Linken überlassen; wenn man die derzeitigen Umfragewerte sowie die derzeit wirtschaftliche Lage betrachtet, ein falscher Kurs und auch ihr Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier fehlt das Charma eines möglichen Kanzlers (ok, Helmut Kohl hatte das auch nicht und war 16 Jahre an der Macht). Und trotz miserabler Umfragewerte hat die SPD paradoxer Weise eine Chance, denn die unklaren Mehrheitsverhältnisse mit 5 Bundestagsparteien fordern Flexibilität in der Koalitionsaussage, so daß die Sozialdemokraten sich zu vielen Seiten hin offen halten, weil es auch ihre einzige Chance für eine Regierungsbeteiligung ist.
Trotz eines zu erwarteten Stimmenzuwachs bleibt abzuwarten, ob die FDP nach 11 Jahren Opposition wieder in der Regierung sitzt, denn die Liberalen haben sich schon früh auf einen Lagerwahlkampf an der Seite der Union fixiert, was bei unklaren Mehrheitsverhältnisse mit 5 Bundestagsparteien zum Eigentor werden kann (s. oben). Außerdem ist vielen Wählerinnen und Wählern die FDP immer noch als „Umfallerpartei“ in einer schwarz-gelben Bundesregierung in Erinnerung.
Die Grünen sind das geworden, was sie nie werden wollten: eine ganz normale Partei, die sogar bis vor einigen Jahren um der Macht willen unvorstellbaren Kröten schluckt (schwarz-grün in Hamburg). Aufwind können sie höchstens durch die AKW-Pannen bekommen, ansonsten sind sie nur noch ein Sammelbecken, für Pseudo-Ökös und diejenigen, denen die SPD zu rechts und die Linken zu links stehen.
Ebenfalls ein Sammelbecken werden die Linken sein, und zwar für Alt-Kommunisten, Ostalgiker, und Protestwähler, denn das was die Linken als Wahlprogramm deklarieren, ist blanker Populismus deren Umsetzung gar nicht bezahlbar wäre. Aber das die Nach-Nachfolgepartei der SED von so vielen Menschen gewählt wird, sollte den etablierten Partien eigentlich dazu anregen, über ihre eigene Arbeit nachzudenken...