Wie würdest Du das begründen?
Erstens startet er ja schon mit einer gewissen Bürde. Schaut man sich in den sozialen Netzwerken wie Facebook mal die Kommentare zu dieser Entscheidung der SPD an, dann mosern ja einige schon, dass er gar nicht auf den Wahlzettel stand. Ich persönlich finde das jetzt nicht so problematisch, da sich eben die Situation eben nach der Wahl durch den Verzicht von Böhrnsen verändert hat. Aber die Leute sehen auch in solchen Entscheidungen einen Grund für die Wahlverweigerung, da nun die Partei bestimme wer Bürgermeister werde und nicht der Wähler. Einige mutmaßen, dass die SPD mit dem Spitzenkandidaten Sieling noch weniger Stimmen bekommen hätte als eben mit Böhrnsen. Der Präsident des Senats wird eben durch die Bürgerschaft gewählt und nicht durchs Volk. Ist nun mal so. Ich finde es eher problematisch - auch wenn ich dafür dann ebenfalls Verständnis habe - dass Böhrnsen auch sein Mandat in der Bürgerschaft nicht annehmen möchte.
Übrigens etwas, was wohl demnächst auch Motschmann ganz klar vorwerfen muss. Sie kann hier nicht als Spitzenkandidatin antreten und dann das lukrativere Bundestagsmandat behalten. Sie wolle, so war zu hören, ja nur bei einer Regierungsbeteiligung (Senatoren werden ja besser bezahlt) in Bremen bleiben.
Ansonstens ist Sieling in seinem Auftreten ziemlich arrogant. Eine gwisse Arroganz gehört in Spitzenämtern zwar dazu, aber es ist eben kein Vergleich zu Scherf oder Böhrnsen. Letzterer mag zwar blass gewirkt haben, aber ist durchaus jemand gewesen mit dem man auf Augenhöhe diskutieren konnte.
Dann geht es noch um inhaltliche Fragen. Ein Weiterso geht ja bei diesem Ergebnis. Habe gestern noch mit einem Kollegen aus der SPD gesprochen und da wusste ich dann schon, dass sich Sieling sofort auf Rot/Grün festgelegt hat. Meine Meinung der erste Fehler. Selbst, wenn er Rot/Grün beorzugt, dann hätte ich an seiner Stelle Rot/Schwarz für Sondierungsgespräche als Drohkulisse aufrecht erhalten.
In der SPD sieht man durchaus die problematischen Themenfelder. Spannend ist, was Sieling zu Bildungspolitik aufgeschrieben hat in seinem Sechs-Punkte-Papier, was er gestern vorgelegt hat. Sollte er wirklich mehr Autonomie für die Schulen wollen, dann würde er da sicherlich die Unterstützung der FDP in der Bürgerschaft bekommen. Kommt natürlich drauf an wie das ausgestaltet sein wird. Die Schulen brauchen natürlich entsprechende finanzielle Ausstattung. Ansonsten wird's zum Feigenblatt und er will lediglich den Schulen die Verantwortung für den Unterrichtsausfall übertragen.
Es geht dann weiter über baupolitische Fragestellungen, die zu beantworten wären. Aber das Ressort wird wahrscheinlich ja wieder zu Grünen gehen. Also wird er da nicht viel bewegen können. Man muss ja wissen, dass der Präsident des Senats keine Richtlinienkompetenz besitzt. Er ist ja auch "nur" Senator und ist mit den anderen Ressortleitern gleichgestellt, was immer das Problem aufwirft, dass die einzelenen Ressorts unabhängig agieren und gerne mal machen was sie gerade wollen. Deswegen wird es dann wieder ganz stark darauf ankommen, welche Ressorts die Grünen bekommen und wie die Ressorts zugeschnitten sind. Kommen Beispielsweise die KiTas von Soziales zu Bildung? Übernimmt die SPD wieder Soziales? Dass man den Grünen dieses Ressort überlassen hatte beim letzten mal, wurde von vielen Mitgliedern (und Wählern) ja stark kritisiert.
Er könnte als Finanzpolitiker durchaus damit punkten, dass er für Bremen in den Verhandlungen mit Bund und Ländern mehr Hilfen für Bremen herausschlägt. Ob das gelingt weiss ich nicht.
Die Gefahr, die ich für Sieling und die SPD sehe ist kurz zusammengefasst folgende:
Er selbst muss sich ziemlich ändern, ansonsten wird er die Beliebheitswerte seiner beiden Vorgänger nicht erreichen, was aber ungemein wichtig ist, um den Amtsbonus bei den nächsten Wahlen zu sichern.
Zweitens muss er aufpassen, dass er sich von den Grünen jetzt nicht zu sehr unter Druck setzen lässt. Man darf nicht vergessen, dass auch die Grünen massiv Zustimmung verloren haben und selbst irgendeinen Weg suchen müssen ihre (potentiellen) Wähler zufriedenzustellen. Da wird es drauf ankommen wer welche Ressorts übernimmt und wie diese zugeschnitten sein werden.
Daran wird sich dann festmachen, was inhaltlich laufen wird. Ich befürchte hier einen Stillstand, da beide Regierungsparteien doch massiv Zustimmung verloren haben und beide sich profilieren müssen. Wenn man sich die Regierungszeit 2007 bis 2011 anschaut, dann regierte Rot/Grün recht harmonisch. Trotz eines Loske. Die Reibereien wurden in der letzten (noch laufenden) Legislatur schon massiver. Man kann davon ausgehen, dass es jetzt noch unruhiger wird. Das kann dazu führen, dass man letztendlich nicht regiert, sondern sich auf der Suche nach Kompromissen, die beide Seiten zufriedenstellen, selbst bremst.
Es ist wird auf jeden Fall eine interessante Zeit. Für Bremen kann man nur hoffen, dass sich die Vernunft durchsetzt.
Ist doch klar. Mit seiner FDP-Zugehörigkeit. Unsere Waldkatze würde uns jetzt seitenlang einen derartigen Post mit Pseudoargumenten um die Ohren schlagen.
Übersetz den Nick nochmal richtig.
