Bremen
Moderator
Wie z.B. die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für HoteliersSchnappatmung löst es vor allem bei den Politikern aus, die ihre Aufgabe darin sehen an irgendwelche Leute großzügige Geschenke zu verteilen, weil sie "ihre" Leute meinen so bei der Stange halten zu können. Wobei das in Deutschland insgesamt ja auch ganz hervorragend funktioniert.

Es war ja nicht nur die Bundestagswahl, sondern auch eine Reihe von Landtagswahlen, in denen die FDP von den WählerInnen verdientermaßen "abgewatscht" wurde. Vor allem ist zu hoffen, daß der Aufschwung der FDP nicht primär in den Drei Engel für Christian (ich bin beruflich im Vertrieb und Marketing tätig und weiß daher sehr genau, daß ein Kaufentscheid durchaus bis zu 80% vom Auge abhängig sein kann), sondern hauptsächlich programmatisch begründet ist.Ich persönlich sage aus der Innensicht, dass die herbe Wahlschlappe bei der Bundestagswahl für uns gut war.
Denn ich persönlich halte die Ideologie des Liberalismus grundsätzlich für einen unverzichtbaren Bestandteil in unserer poltischen Gesellschaft. Aber die FDP hat jedoch den Fehler gemacht, nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition 1982 sich vom sozialen Liberalismus weites gehend zu verabschieden, und dafür ihre Politik überwiegend auf den Wirtschaftsliberalismus zu focussieren. Für den politischen Zeitgeist der 1980er und wohl auch noch für die frühen 1990er mag die Festlegung auf eine bestimmte Richtung noch korrekt gewesen sein, aber während seit Mitte/Ende der 1990er mit der sinkenden Bedeutung des politischen Lagerdenkens Union, SPD und Grüne kontinuierlich WählerInnen aus den Schichten gewinnen konnten, die für sie wenige Jahre noch zuvor unerreichbar schienen, hatte die FDP imho diese Veränderungen in der politischen Gesellschaft verpennt. Denn nach meinem Ermessen rekrutierten sich die Stimmen für die FDP nach wie vor überwiegend aus ihrer Stammklientel von Freiberuflern/Besserverdienenden bzw. wenn irgendwo (mit Leihstimmen von Unionsanhängern) Rot-Grün verhindert werden sollte. Oder zu der Zeit, in der die rheinische Frohnatur Guido Westerwelle aus der FDP eine karnevalsähnliche Spaßpartei machte.
Wenn es der FDP gelingen sollte, sich politisch so zu positionieren, daß sie für breitere Schichten der Bevölkerung nicht nur als Mehrheitsbeschaffer wählbar sind, dann kann sie von der uniformen Politik von Union und SPD stark profitieren.



