Die AfD ist keine Protestpartei, sondern eine Alternative zur alternativlosen Rettungspolitik der Blockparteien.
Also ganz ehrlich für eine "Alternative" ist mir das Programm einfach zu dünn. Oder um es anders zu sagen der Antrag-Schäffler u.a., für den ich übrigens gestimmt habe, hatte mehr inhaltliche Substanz als das gesamte Wahlprogramm der AfD zur Währungspolitik.
Wen es interessiert ich zitiere es mal vollständig:
Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro.
Wir fordern die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde. Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein.
Wir fordern eine Änderung der Europäischen Verträge, um jedem Staat ein Ausscheiden aus dem Euro zu ermöglichen. Jedes Volk muss demokratisch über seine Währung entscheiden dürfen.
Wir fordern, dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem Euro erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert.
Wir fordern, dass die Kosten der sogenannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Großanleger sind die Nutznießer dieser Politik. Sie müssen zuerst dafür geradestehen.
Wir fordern, dass hoffnungslos überschuldete Staaten wie Griechenland durch einen Schuldenschnitt entschuldet werden.
In der Schuldenkrise müssen Banken ihre Verluste selbst tragen oder zu Lasten ihrer privaten Großgläubiger stabilisiert werden
Wir fordern ein sofortiges Verbot des Ankaufs von Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank. Inflation darf nicht die Ersparnisse der Bürger aufzehren
Quelle: Alternative für Deutschland
Dass die AfD gerne vom ÖR boykottiert wird ist bekannt, das passt in die generelle Europolitik nicht hinein.
Lucke war ja nun gestern im ZDF in der Sendung von Illner und hat entsprechend dem Thema auch viel Raum für seine Statements bekommen.
Habe ja die dämliche Sendung von Illner schon lange nicht mehr gesehen und habe sie mir gestern tatsächlich hauptsächlich wegen Lucke angeschaut. Das war unglaublich schwach, was er da gestern abgeliefert hat. Vor allem da die Währungspolitik ja die Kernkompetenz der AfD sein soll.
Die AfD wirft wegen des Bruchs der "Nichtbeistandsklausel" in der Europolitik, den anderen Parteien "Rechtsbruch" vor. Alleine vier der oben genannten Thesen wären ebenfalls "Bruch" geltenden Rechts. Auch wenn man es mit "Änderung der geltenden Verträge" umschreibt, was man wahrscheinlich gar nicht auf die Reihe bekommen würde, so wie ich die EU kenne.
Zur These des Nord- und Südeuros wurde es dann noch abstruser. Nachdem in der Runde bezweifelt wurde, dass so etwas überhaupt mach bei sei, hatte Herr Prof. Lucke doch ein praktisches Beispiel bei der Hand: die Tschechoslowakei!!! Schließlich hätte auch dort die einheitliche Währung in zwei Währung geteilt werden können, als Tschechien und die Slowakei sich zu zwei selbständigen Staaten entwickelten. Da haben ich dann endgültig an seinem Verstand gezweifelt. Die Situation der Tschechoslowakei in den Jahren 1992/93, also direkt nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, mit der Situation der Eurozone im Jahr 2013 zu vergleichen, ist irgendwie völlig unpassend. Das muss eigentlich jeder halbwegs gerad denkender Mensch erkennen.
Die Rückkehr zur DM. Kein Wort dazu, was das für die Bundesrepublik bedueten würde. Es sei machbar. Allein die Kosten für die Währungsumstellung würden die Volkswirtschaft unglaublich belasten!
Auch zu dem geforderten Schuldenschnitt für Griechenland kam keine gescheite Antwort. Das würde "50 Mrd. Euro oder so" kosten.
Wer in seiner Kernkompetenz so wenig detailliert und dünn auftritt, dabei immer wieder in populistische Phrasen verfällt, der ist in meinen Augen nicht mehr als eine Protestpartei.
Auch auf bestimmte Vorhaltungen von Herrn Hellmeyer, den ich ziemlich arrogant fand, hatte er selten wirklich etwas entgegenzusetzen. Insbesondere da nicht, als Herr Hellmeyer ausführte, dass mittlerweile eine ziemliche Investitionswelle nach Griechenland eingesetzt habe. Darauf konterte Lucke mit den Arbeitsmarktdaten Griechenlands, worauf ihm Hellmeyer erklärte, dass der Arbeitsmarkt doch ein nachlaufender Indikator sei und dies Lucke doch als Ökonom eigentlich wissen müsse. Könnte Lucke dies den Zuschauern mit Absicht verschwiegen haben? Wie war das noch gleich? "Mut zur Wahrheit"???
Bei aller Kritik an der Europolitik der Bundesregierung, der EZB und der gesamten Eurozone, halte ich nach dem gestrigen Auftritt die Währungspolitik in den Händen dieser Bundesregierung für wesentlich besser aufgehoben!