Allgemeiner Politik Thread

Ja, ich bin u.A. beruflich Vater. Und dabei habe ich eine Erfahrung

gemacht : Die Lebensqualität meines Sohnes hat sich drastisch

erhöht, nachdem er die Grundschule verlassen und das Gymnasium

besucht hat. Der braucht nun kein Sanostol mehr, um den Schulalltag

zu ertragen; sein Selbstbewußtsein ist gestärkt, da nun seine

Leistungsfähigkeit und seine Leistungsbereitschaft anerkannt und

gefördert wird. Und das lege ich ihm nicht in den Mund aus

ideologischer Überzeugung. Das ist meine Erfahrung.

Die Grundschulzeit wird von vielen Kindern als sehr belastend empfunden und auch erlebt. Dass es deinem Sohn am Gymnasium besser geht, freut mich wirklich. Sollte ein Kind eben solch einem hohen Anspruch genügen und diesen für sich selbst als Herausforderung annehmen, dann ist es in einem Gymnasium mit Turboabitur gut aufgehoben.
Mir geht es aber um die breite Masse und um alle Schülerinnen und Schüler.
(Kinder wie dein Junge sind herausstechend und sollten die beste Forder- und Förderung erhalten, das geht an einem Gymnasium wunderbar.)
Der Ansatz des gemeinsamen Lernens ist in vielen Ländern Europas verwirklicht und wird erfolgreich in die Praxis umgesetzt. (Finnland, Schweden, Niederlande ...)
In Deutschland gibt es ebenso gute Umsetzungen, wie es viele IGSsen zeigen.
Für mich ist es keine Ideologie, sondern ein Menschenbild, welches hinter solch einem pädagogischen Konzept steht. Ich spreche hier von Chancengleichheit und einer kindgerechten Schule. Die Schülerin und der Schüler soll mit all seinen Fähigkeiten, Interessen und Neigungen wahrgenommen werden. Sie/er soll entsprechend seiner Anlagen gefordert und auch gefördert werden. Die Schule soll auf alle Umstände des Kindes(soziales Umfeld und individuelle Entwicklung) eingehen.
Gemeinsames Lernen darf nicht so gedacht werden, wie es in vielen Grundschulen praktiziert wird. Schule muss sich hier neu erfinden und von erfolgreichen Modellen im In- und Ausland lernen. Hier müssen aber von der Politik Ressourcen geschaffen werden. (Mehr LehrerInnen, Zeit für Fort- und Ausblidung, ...)
 
Zitat von Stürmerbraut;1655951:
Meine Dozentin für Sonderpädagogik hält im übrigen Bremen für das Bundesland einer der gelungensten inklusiven Schulpolitik. :thumb:

:lol:

Sorry! Da kann ich aber nun wirklich nur lachen. Wir haben nicht mal genug Plätze für die Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf, so dass sie theoretisch durch die halbe Stadt gekarrt werden müssten. Was haben die Eltern also jetzt nach der Grundschule gemacht? Sie haben ihre Kinder als "normale" Kinder an den weiterführenden Schulen (bei uns nur Oberschulen) angemeldet, so dass sich diese Kinder bald in Klassen wiederfinden, die eben keine Sonderausstattung für diese Kinder bekommen. Ja. Auf dem Papier klingt das Konzept gut. In der Realität ist das der größte Mist aller Zeiten. Empfehle da mal den Besuch in den Stadtteilbeiräten und das Gespräch mit den Eltern dieser Kinder.
 
@Niedersachse

Dem kann ich allerdings zustimmen. Die Ausbildung, aber auch die Wertschätzung gegenüber der Arbeit der Pädagogen lässt wirklich zu wünschen übrig. Auch der Stellenwert insgesamt, der díe Schulbildung für Kinder einnimmt, ist bei uns ziemlich gering.

Ich denke aber, auch heute ist eine Schulart bei uns nicht homogen. In der 1. Klasse kann der Leistungsunterschied innerhalb einer Klasse nicht größer sein.
In jeder anderen Schulart findet man auch große Leistungsunterschiede, also Heterogenität. Ist doch ein Irrglaube, dass alle Gymnasiasten den gleiche Leistungsstand haben. Die Konsequenz wäre: noch mehr splitten und differenzieren.
Heterogenität gibt es sowieso, also muss der Unterricht so organisiert werden, dass alle Kinder was davon haben. Was glaubst du, wieviel Prozent des Frontalunterrichts und gleichschrittigen Lernens an wieviel Prozent der Kinder glatt vorbei geht?
Ich mag gar nicht dran denken.

Und da wirHeterogenität schon haben, können in gewissem Umfang auch Kinder mit Behinderungen/emotionalen und sozialen Schwierigkeiten inkludiert werden. (Ich spreche bewusst nur von einem gewissen Umfang. Einigen Kindern wird der kleine beschütze Rahmen einer Sonderschule besser gerecht werden.)

Deshalb bedeutet ein guter Unterricht sowohl eigenverantworliches Lernen, als auch zieldifferenter Unterricht.
 
Zu den Wahlergebnissen: Die erwartete Katastrophe ist eingetreten. Man könnte es den erwarteten Super-Gau nennen. Ich gehe nach den heutigen Gesprächen davon aus, dass es keine "Laufzeitverlängerung" für die Kollegen Homburger, Brüderle, Westerwelle und Pieper mehr geben wird. In deren Schlepptau werden auch einige andere ihren Hut nehmen müssen. Eine Neuaufstellung in personelle Hinsicht ist unabdingbar, um wieder zur liberalen Programmatik zurückzukehren, wegen derer wir 2009 gewählt wurden.

Grundsätzlich müssen die Grünen es jetzt beweisen. Für Baden-Württemberg tut es mir ein bisschen leid. Die Spitzenplätze wird man wohl an die Bayern und Sachsen verlieren.
 
Zitat von Stürmerbraut;1656005:
@Niedersachse

Dem kann ich allerdings zustimmen. Die Ausbildung, aber auch die Wertschätzung gegenüber der Arbeit der Pädagogen lässt wirklich zu wünschen übrig. Auch der Stellenwert insgesamt, der díe Schulbildung für Kinder einnimmt, ist bei uns ziemlich gering.

Ich denke aber, auch heute ist eine Schulart bei uns nicht homogen. In der 1. Klasse kann der Leistungsunterschied innerhalb einer Klasse nicht größer sein.
In jeder anderen Schulart findet man auch große Leistungsunterschiede, also Heterogenität. Ist doch ein Irrglaube, dass alle Gymnasiasten den gleiche Leistungsstand haben. Die Konsequenz wäre: noch mehr splitten und differenzieren.
Heterogenität gibt es sowieso, also muss der Unterricht so organisiert werden, dass alle Kinder was davon haben. Was glaubst du, wieviel Prozent des Frontalunterrichts und gleichschrittigen Lernens an wieviel Prozent der Kinder glatt vorbei geht?
Ich mag gar nicht dran denken.

Und da wirHeterogenität schon haben, können in gewissem Umfang auch Kinder mit Behinderungen/emotionalen und sozialen Schwierigkeiten inkludiert werden. (Ich spreche bewusst nur von einem gewissen Umfang. Einigen Kindern wird der kleine beschütze Rahmen einer Sonderschule besser gerecht werden.)

Deshalb bedeutet ein guter Unterricht sowohl eigenverantworliches Lernen, als auch zieldifferenter Unterricht.

Logisch wäre, die Konsequenz darf nicht sein, noch weniger

" zu splitten und zu differenzieren " .
 
Den besonders wichtigen Teil habe ich einmal hervorgehoben. Das ist nämlich nach Ansicht vieler Experten der entscheidende Faktor im schulischen Erfolg. Eine Lehre, die man aus dem PISA-Erfolg Finnlands hätte ziehen können, ist, wie bedeutsam die pädagogische Qualifikation des Lehrpersonals ist, und wissenschaftliche Studien lassen vermuten, dass diese Qualifikation größeren Einfluss auf den Erfolg der Kinder hat als die Schulform. Da es aber billiger ist, in Sammelschulen zu investieren als in mehr und besser ausgebildete Lehrer, feiert das Schreckgespenst der Einheitsschule fröhlich seine Wiederauferstehung.

:tnx:

So siehts aus. Und an dem ganzen Gefasel kann auch nicht viel dran sein, denn Deutschland ist mit dem dreigliedrigen Schulsystem zu einem der erfolgreichsten Industrieländer der Welt geworden. Bergab ging es erst ab den 70ern.
 
:lol:

Sorry! Da kann ich aber nun wirklich nur lachen. Wir haben nicht mal genug Plätze für die Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf, so dass sie theoretisch durch die halbe Stadt gekarrt werden müssten. Was haben die Eltern also jetzt nach der Grundschule gemacht? Sie haben ihre Kinder als "normale" Kinder an den weiterführenden Schulen (bei uns nur Oberschulen) angemeldet, so dass sich diese Kinder bald in Klassen wiederfinden, die eben keine Sonderausstattung für diese Kinder bekommen. Ja. Auf dem Papier klingt das Konzept gut. In der Realität ist das der größte Mist aller Zeiten. Empfehle da mal den Besuch in den Stadtteilbeiräten und das Gespräch mit den Eltern dieser Kinder.

Ich weiß jetzt echt nicht, warum dir da zum Lachen ist. Das macht das Diskutieren mit dir sehr unangenehm.
 
Es ging auch nicht darum, dass die anderen ebenso vieles falsch machen. Das ist unstrittig.
Bemerkenswert sind solche Wahlergebnisse, die in Summe über den Horizont der allgemeinen Wählerschaft doch einiges aussagen.

Ich hab mich bei den letzten Bundestagswahlen auch über den Horizont von 15 Prozent-FDP-Wählern gewundert. Aber der Großteil davon würde diesen Fehler heute sicher nicht mehr machen. Nachdem der Parteivorsitzende z.B. nicht mal annähernd die Klasse und Popularität des ehemaligen grünen Außenministers erreicht und Rößler eine Politik für die Pharmindustrie macht und völlig gegen die größtenteils gesetzlich versicherte Wählerschaft.
 
Den besonders wichtigen Teil habe ich einmal hervorgehoben. Das ist nämlich nach Ansicht vieler Experten der entscheidende Faktor im schulischen Erfolg. Eine Lehre, die man aus dem PISA-Erfolg Finnlands hätte ziehen können, ist, wie bedeutsam die pädagogische Qualifikation des Lehrpersonals ist, und wissenschaftliche Studien lassen vermuten, dass diese Qualifikation größeren Einfluss auf den Erfolg der Kinder hat als die Schulform. Da es aber billiger ist, in Sammelschulen zu investieren als in mehr und besser ausgebildete Lehrer, feiert das Schreckgespenst der Einheitsschule fröhlich seine Wiederauferstehung.

Sicher ist das so.
Wenn die Lehrkräfte ungeeignet sind, sich auf Kinder und Jugendliche einzulassen, kann das ausgetüftelste System wenig Erfolg bringen.

Die sog. Einheitsschule nennt sich aber Oberschule. Diese hat nichts, aber auch wirklich gar nichts mit Einheitsbrei zu tun. Die neue Schule muss Schulzweigprofile herausarbeiten und diese umsetzen und ständig evaluieren. Die Schule muss die bisherige Qualität der Abschlüsse in den verschiedenen Schulzweigen garantieren.

MMn bietet diese neue Form der Schule viele Möglichkeiten, auf die jeweiligen Bedürfnissen der Kommunen einzugehen. Wie die Oberschule pädagogisch ausgestaltet wird, hängt von den Lehrkräften und Schulleitungen ab.

Ich bewerte die Oberschule in den meisten Aspekten als gutes Modell für Nds., obwohl ich den Regierungsparteien nicht sonderlich nahe stehe.
 
Zitat von Stürmerbraut;1656032:
Ich weiß jetzt echt nicht, warum dir da zum Lachen ist. Das macht das Diskutieren mit dir sehr unangenehm.

Weil es lächerlich ist, bei den Verhältnissen hier vor Ort davon zu reden, dass wir eins der besten inklusiven Systeme hätten. Praktisch ist das nämlich völlig falsch. Die Kinder bekommen keine Plätze und plötzlich verschwinden ganz viele Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf, weil die Eltern diesen nicht mehr beantragen, um ihre Kinder nicht die Kilometerweit zur Schule fahren lassen zu müssen.
Bremen hat das schlechteste Bildungssystem aller Bundesländer und die spiegelt sich eben nicht nur in Vergleichstest wieder.
 
Weil es lächerlich ist, bei den Verhältnissen hier vor Ort davon zu reden, dass wir eins der besten inklusiven Systeme hätten. Praktisch ist das nämlich völlig falsch. Die Kinder bekommen keine Plätze und plötzlich verschwinden ganz viele Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf, weil die Eltern diesen nicht mehr beantragen, um ihre Kinder nicht die Kilometerweit zur Schule fahren lassen zu müssen.
Bremen hat das schlechteste Bildungssystem aller Bundesländer und die spiegelt sich eben nicht nur in Vergleichstest wieder.

Sorry, aber was mich gerade gestört hat, ist, dass es so scheint, als fühltest du von meinen Argumenten persönlich angegriffen, denn dementsprechend hast du auch geantwortet.


Bremen als Stadtstaat mit anderne Flächenstaaten zu vergleichen wird wohl kaum gehen, und darin liegt wohl auch ein mathematischer Irrtum.
 
Nachdem der Parteivorsitzende z.B. nicht mal annähernd die Klasse und Popularität des ehemaligen grünen Außenministers erreicht ...
Was er gerade wiederbei Anne Will eindrucksvoll unter Beweis stellt. Wenn solch, sachlich unsinniges Geschwätz populär ist, braucht man sich über Horizonte von Wählern nicht mehr zu unterhalten. Dann lieber unpopulär, aber diejenigen erreichen, die mit Verstand an die Sache gehen. Leider erreicht man so freilich keine Wahlergebnisse, das stimmt wohl.
 
Die sog. Einheitsschule nennt sich aber Oberschule.

Nein, die neue Oberschule meinte ich gar nicht, obwohl noch abzuwarten bleibt, wie sie sich in der Praxis bewährt.

Gemeint waren vor allem Versuche, die darauf abzielen, die Kinder unter völliger Missachtung ihrer unterschiedlichen Talente und Fähigkeiten so lange wie irgend möglich gemeinsam einzupferchen in der wahnwitzigen Hoffnung, dass die Stärkeren die Schwächeren schon irgendwie mitziehen. Den Erfolg dieser irren Theorie hat man Anfang der neunziger Jahre in einer Studie über das Niveau von Gesamtschulen gemessen. Diese Studie fiel so vernichtend aus, dass sie jahrelang unter Verschluss gehalten wurde.
 
Sicher ist das so.
Wenn die Lehrkräfte ungeeignet sind, sich auf Kinder und Jugendliche einzulassen, kann das ausgetüftelste System wenig Erfolg bringen.

Die sog. Einheitsschule nennt sich aber Oberschule. Diese hat nichts, aber auch wirklich gar nichts mit Einheitsbrei zu tun. Die neue Schule muss Schulzweigprofile herausarbeiten und diese umsetzen und ständig evaluieren. Die Schule muss die bisherige Qualität der Abschlüsse in den verschiedenen Schulzweigen garantieren.

MMn bietet diese neue Form der Schule viele Möglichkeiten, auf die jeweiligen Bedürfnissen der Kommunen einzugehen. Wie die Oberschule pädagogisch ausgestaltet wird, hängt von den Lehrkräften und Schulleitungen ab.

Ich bewerte die Oberschule in den meisten Aspekten als gutes Modell für Nds., obwohl ich den Regierungsparteien nicht sonderlich nahe stehe.

Das System der Oberschulen ist grundsätzlich eine gute Idee. Die muss aber eben auch entsprechend umgesetzt werden. Und Bremen werden Schulen damit ziemlich allein gelassen von der senatorischen Behörde.

Wir haben Schulen im Stadtteil, in denen die Lehrer seit Jahren mit sehr viel Engagement, auch in ihrer Freizeit, beispielsweise an der Umsetzung zur Ganztagsschule arbeiten. Vom Senat wurde alles zugesagt. Eine Grundschule sollte bereits zu Beginn des laufenden Schuljahres Ganztagsschule werden, leider hat der Senat es nicht geschafft die Rahmenbedingungen, insbesondere baulich zu schaffen, folglich hat man den Start auf kommendes Schuljahr verschoben. Letzten Monat bekamen wir die Nachricht, dass man vor Frühjahr 2012 nicht mit den Baumaßnahmen beginnen könne. Also verschiebt sich es jetzt voraussichtlich um noch ein Jahr. Und so recht glaube ich noch nicht daran, dass wirs bis dahin schaffen. Der Frust in der Lehrerschaft ist zu recht sehr groß.
 
Zitat von Stürmerbraut;1656044:
Bremen als Stadtstaat mit anderne Flächenstaaten zu vergleichen wird wohl kaum gehen, und darin liegt wohl auch ein mathematischer Irrtum.

Bremen ist ein Zwei-Städte-Staat ;)

Davon aber mal abgesehen kann man auch die Großstädtevergleiche heranziehen, die gibt es nämlich auch, und auch da schneidet Bremen immer auf einem der letzten Plätze ab. Unter den "Stadtstaaten" landen wir auch hinter Hamburg und Berlin.
 
Ich hab mich bei den letzten Bundestagswahlen auch über den Horizont von 15 Prozent-FDP-Wählern gewundert. Aber der Großteil davon würde diesen Fehler heute sicher nicht mehr machen. Nachdem der Parteivorsitzende z.B. nicht mal annähernd die Klasse und Popularität des ehemaligen grünen Außenministers erreicht und Rößler eine Politik für die Pharmindustrie macht und völlig gegen die größtenteils gesetzlich versicherte Wählerschaft.

Die rot- grüne Bundesregierung hat unser Land ganz vernünftig regiert

und vergleichsweise enorme Reformen verwirklicht.

Ich bin kein Anhänger von rot- grün, aber dieser Koalition

als "regierungsunfähig " abzutun ist wirklich Quatsch.
 
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