Die Demonstranten sind nicht legitimiert für eine Mehrheit im oder gar für dasgesamte Volk zu sprechen, sondern da spricht jeder für sich. Sie können für sich keine demokratische Legitimation in Anspruch nehmen.
Richtig, aber diese Seite, die schweigend für das ist, wogegen demonstriert wird, kann für sich ebenfalls keine demokratische Legitimation oder die Mehrheit in Anspruch nehmen.Diesen kann nur ein Volksentscheid klären, weil ein 16 Jahre alter demokratischer Entschluß auf sehr wackeligen Füßen steht, oder würdest Du ganz ehrlich geantwortet einen 16jährigen Plebiszit im Sinne von rot-grün einfach so hinnehmen? Darüber kann man endlos diskutieren und deshalb ist ein Volksentscheid auch unter den v.g. Argumenten die einzige Legitimation für Mehrheit und Demokratie, damit die Fronten geklärt sind und dem Thema die Schärfe genommen wird.
Diejenigen, die nach einem „reinigendem“ Plebiszit (über welches Thema auch immer), immer noch demonstrieren zu müssen, denen kann man dann genau so wenig helfen wie einem, der nach rechtskräftigem Urteil wegen Ladendiebstahl weiter klaut.
In der Demokratie gehört es nun einmal auch dazu Entscheidungen von Mehrheiten zu respektieren und akzeptieren. Man kann dagegen sein. Das bin ich bei vielen Entscheidungen in Bremen auch. Dennoch versuche ich eben auf politischem Wege einen Veränderung herbeizuführen.
Korrekt, aber ob eine politische Entscheidung, die vor 16 Jahren getroffen wurde (was in der Politik schon Epochen sind), heute noch politisch bestand hat, darf zumindest angezweifelt, und deshalb versuchen die zahlreichen, und mehrheitlich friedlichen Demonstranten genau wie Du eine Veränderung herbeizuführen.
Und gerade der NATO-Doppebeschluss und die Stationierung der Pershing-II auf dem Gebiet der Bundesrepublik und die damit einhergehende Proteste zeigen doch zweierlei:
1. Trotz der lautstarken Proteste einer großen Gruppe von Menschen in Deutschland, scheinen gerade diese Gruppen nicht für die Mehrheit der Deutschen gesprochen zu haben. Anders ist der Wahlsieg Helmut Kohls 1982 nicht zu erklären.
2. Auch diese in Teilen der Bevölkerung absolut abgelehnte und gegen Proteste durchgesetze Entscheidung war im geschichtlichen Rückblick mehr als nur richtig.
Ich will zu diesem Thema nicht zu ausführlich werden, sondern nur etwas richtigstellen:
Zu 1.
- Der NATO-Doppelbeschluß (Verhandlungsangebot an den Warschauer Pakt, die Mittelstreckenwaffen in Europa zu begrenzen, verbunden mit einer atomaren Aufrüstung in Westeuropa, falls die Verhandlungen scheitern sollten), datierte aus dem Jahr 1979, zu dem SPD-Kanzler Helmut Schmidt trotz Widerstand in der Bevölkerung und in der eigenen Partei erheblich beigetragen hat. trotzdem bliebt er mit Unterstützung der FDP nach der Bundestagswahl 1980 Bundeskanzler. Die Verhandlungen scheiterten im Sommer 1982, so daß In der Ära Kohl „nur“ die Stationierung der Atomraketen auf deutschem Boden (Ende 1983) fiel.
- Der Wahlsieg von Helmut Kohl lag hauptsächlich nicht an der atomaren Aufrüstung, sondern weil die sozialliberale Koalition an unterschiedlichen Ansichten in der Wirtschafts- und Sozialpolitik zerbrach, indem die FDP-Minister zurücktraten und die Union im Oktober 82 mit Unterstützung der FDP Kohl zum Kanzler kürten. Die SPD war durch die Ursache des Zusammenbruch der Koalition geschwächt, durch den NATO-Doppelbeschluß innerparteilich zerstritten und der Kanzlerkandidat Hans-Jochen Vogel hatte noch nicht einmal ansatzweise das Charisma von Schmidt, so daß die Mehrheit der Bevölkerung bei der Bundestagswahl im März 1983 für Union und FDP stimmte.
Zu 2.
Hinterher ist man immer klüger. Die Hardliner Reagan und Thatcher haben es zwar geschafft, den Warschauer Pakt in den bankrott zu rüsten, so daß die atomare Aufrüstung im Nachhinein betracht richtig war. Aber vorher kann man sowas nicht wissen und man darf auch nicht vergessen, daß nach dem Tod von Breschnew (1982) und dem schnellen Ableben seiner Nachfolger Andropow (1984) und Tschernenko (1985) die Sowjetunion und damit der gesamte Warschauer Pakt politisch instabil war, und wer weiß wie die Geschichte weitergeangen wäre, wenn statt des Reformers Michail Gorbatschow der Hardliner Grigori Romanow Generalsekretär der KPdSU geworden wäre.