Stimmt das hab ich vergessen
Also ich komme auch aus einer Arbeiter Familie und ich bin so erzogen worden das man für sein Geld arbeiten muss. Wenn ich mein Leben lang im Niedriglohnsektor oder in Minijobs arbeite kann ich doch nicht erwarten das es mir im Rentenalter besser geht.
Jeder ist seines Glückes Schmied.
Ganz so einfach ist es meiner Meinung nach leider in Deutschland nicht, denn es ist durch zahlreiche Studien belegt, dass es Kinder aus Nichtakademikerfamilien deutlich seltener schaffen, das Abitur, einen FH- oder Uniabschluss zu machen als Kinder aus Akademikerfamilien. Und das liegt bestimmt nicht daran, dass die Kinder aus Nichtakademikerfamilien weniger intelligent sind.
Ich komme auch aus einer Nichtakademikerfamilie, habe einen Studienabschluss und einen Job, mit dem ich mir über meine Rente später keine Gedanken machen muss. Aber um das zu schaffen, brauchte ich viel Eigeninitiative - meine Eltern konnten mir nicht bei den Hausaufgaben helfen und für Nachhilfe wäre sicherlich der Sinn hinterfragt worden - und, genauso wichtig, die moralische und am Ende auch finanzielle Unterstützung meiner Eltern. Die Aussage "Wenn Du studieren möchtest, befürworten wir das und tragen dazu bei, was wir können" und dass sie bei ohnehin knapper Haushaltskasse auf Dinge für sich selbst verzichtet haben, damit ich - und später auch meine Geschwister - zur Uni gehen konnten, war unbezahlbar. Wenn ein begabtes Nichtakademikerkind diesen Rückhalt nicht hat, weil die Eltern vielleicht trotz Abitur sagen "Eine Ausbildung reicht doch auch, warum studieren" - und da kenne ich Beispiele - bleiben diesem Kind die gut bezahlten Jobs verschlossen, wenn es der Meinung der Eltern folgt. Ebenso, wenn es erstmal gar nicht aufs Gymnasium geht, weil die Eltern selbst das schon ablehnen (vielleicht auch aus Angst, weil etwas auf sie zu kommt, was sie selbst nicht kennen und überfordern könnte) oder weil die Lehrer die Befähigung zum Gymnasium in einer größeren Klasse oder aus welchen Gründen auch immer nicht wahrnehmen.
Dazu kommt aber noch etwas anderes, und das ist aus meiner Sicht das wesentliche Problem: Die extreme Schere in der Bezahlung, je nachdem, ob man studiert hat oder einen Ausbildungsberuf ausübt (Ausnahmen wie den Geisteswissenschaftlier als Taxifahrer gibt es natürlich, aber ich gehe hier einmal von der Regel aus ;-)). Für mich ist es unverständlich, dass Ärzte, Betriebswirte, Juristen, aber auch Lehrer, Ingenieure, studierte Informatiker etc. ein Vielfaches von dem verdienen, was eine Verkäufern, Pflegekraft, Krankenschwester oder Putzfrau verdient (von Managergehältern rede ich erst mal gar nicht). Es ist richtig, dass jemand, der studiert hat, mehr verdient, denn er hat Geld und Zeit in sein Studium investiert, so dass er sich damit einen "Ertrag" bzw. "Mehrwert" verdient hat, auch um Beitragsjahre nachzuholen, die andere schon seit dem Realschulabschluss oder Abitur sammeln. Aber, meine Meinung, sollte das "mehr verdienen" nicht so viel mehr sein, wie es ist.
Ich profitierre von dem System, was mich aber nicht die Augen davor verschließen lässt, dass es nicht fair ist. Die Debatte um die Einführung des Mindestlohnes fand ich hanebüchen. Jeder, der Vollzeit arbeiten geht, muss aus meiner Sicht von seiner Arbeit leben können, ohne ggf. auch noch Wohngeld oder andere Sozialleistungen beantragen zu müssen, und sollte am Ende eine Rente bekommen, von der er leben kann, ohne aufs Amt gehen zu müssen. Leider hat die Linkspartei - ganz unabhängig von der für mich längst nicht ausreichend aufgearbeiteten PDS-Vergangenheit - neben derartigen guten Ideen auch Ideen wie Hartz-IV erhöhen im Programm, was ich ablehne. Wer nicht arbeiten geht, sollte sichtbar schlechter dastehen als jemand, der einen gering bezahlten Job ausübt, denn sonst hat er ggf. gar keinen Anreiz, nach einer Stelle zu suchen und vielleicht auch eine anzunehmen, die seinen Vorstellungen nicht komplett entspricht.