Ja. Denn er will die liberale Diktatur einführen. Man müßte ihm eigentlich huldigen!
Das Traurige ist, dass er das gar nicht braucht. Putin würde selbst dann noch über 50% bekommen, wenn es echte Wahlen und eine echte Opposition geben würde.
Wir sind in Deutschland nach dem Krieg in einer Demokratie aufgewachsen, die einen großen Wert darauf gelegt hat uns über die Wichtigkeit dieser aufzuklären. Wir haben eine stabile Volkswirtschaft, keine große Arbeitslosigkeit, keine große Inflation, alles ist soweit ganz gut.
Die Amerikaner sind ein Einwanderungsland, das durch Auswanderer geprägt wurde, die in Europa Minderheiten angehörten, deren Freiheit hier nicht voll akzeptiert wurde. Sie haben für ihre Freiheit gekämpft und haben andere Meinungen toleriert, da die meisten vor der gleichen Art von Unterdrückung geflohen sind. Der Aufbruch in das Ungewisse zieht sich auch durch auf den Charakter vieler Amerikaner: Sie scheuen das Risiko nicht und haben keine Angst vor neuen Anfängen.
Russland ist anders. Die Russen kennen Demokratie nicht wie wir. Viele Russen haben Angst davor, dass das, was in den 90ern nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion passiert ist, wieder passieren könnte. Über die Regierungszeit von Putin und Medwjedew hat sich in Russland (fatalerweise größtenteils basierend auf Gas und Öl) ein größerer Wohlstand eingestellt, der der Bevölkerung auch mehr Geld gebracht hat, so dass man unter anderem auch häufiger Russen in touristischen Gebieten außerhalb der Schwarzmeerregion wahrgenommen hat. Es gibt in Russland, genauso wie teilweise auch in Ostdeutschland, eine Angst vor dem Unbekannten (Änderung, Ausländer, Homosexualität,...). Unter anderem weil man miterlebt hat, wie auf einmal das Geld nichts mehr wert sein kann. Es gibt zusätzlich Medien, die über eine permanente einseitige Berichterstattung, das Aufzeigen von Problemen in anderen Staaten, ständige Wiederholung von Filmen über den "großen Vaterländischen Krieg", einerseits von den eigenen Problemen ablenken und anderseits einen Nationalismus fördern, der beängstigend ist.
Kurz gesagt: Putin ist alles andere als ein lupenreiner Demokrat und mein Post gestern sollte auch nicht ausdrücken, dass ich hinter der russischen Seite stehe. Das heisst nicht, dass ich hinter der ukrainischen Seite stehe. Es sollte heissen, dass man hier ganz vorsichtig sein muss, um sich nicht weiter in einen Krieg hineinziehen zu lassen.
das was maddin in seinem letzten Post sagte.