Das ist natürlich genau umgekehrt. Israel ist zwar ein Staat der sich ausdrücklich zum Judentum bekennt wird aber säkular geführt und erlaubt den Bürgern säkulare Freiheiten von denen die meisten Menschen auf dieser Erde nur träumen können.
Das macht mich neugierig im Hinblick darauf, welche Freiheiten man uns hier ggf. in Deutschland vorenthält, die den Bürgern Israels gewährt werden. Bitte berichte doch mal.
Bisher sind mir vier ungewöhnliche Dinge aus Israel in Erinnerung geblieben, die den Umgang mit Grundrechten / Menschenrechten dort betreffen:
1. Die im Land gebliebenen, vormals aus Ihren Häusern und ihren Grundstücken vertriebenen israelischen Staatsbürger arabischer Kultur wurden bis heute nicht für die Vertreibung von Ihrem Land und die Enteignung entschädigt. Dabei wird insbesondere nicht etwa unterschieden, ob gewisse Leute in irgendeiner Weise aktiv gegen den Staat Israel gekämpft oder sonst Dinge getan haben, die Enteignung und Vertreibung rechtfertigen könnten. Es dürfte sich damit um religiöse bzw. genauer gesagt kulturelle Willkür gegenüber den betroffenen nichtjüdischen Bürgern Israels handeln.
2. Nach Rechtsprechung des höchsten israelischen Gerichts ist die Anwendung von Folter durch Sicherheitsbehörden unter bestimmten Umständen erlaubt, sogar wenn es keine richterlich verfügte oder bestätigte Haft gibt. Israel ist damit meines Wissens eines der ganz wenigen Länder auf diesem Planeten, das Folter ausdrücklich rechtlich als zulässig erklärt und keinen bzw. nur einen sehr eingeschränkten rechtlichen Schutz vor Folter gewährt.
3. Die nichtjüdische Bevölkerung der seit 1967 (45 Jahre !) besetzten Gebiete lebt trotz der gewährten begrenzten Autonomie in einem Zustand vielfacher Rechtlosigkeit, die sich insbesondere dann besonders deutlich zeigt, wenn es zu illegalen Landnahmen und Schwarzbauten durch sog. "Siedler" auf anderen Menschen (nichtjüdischen Einwohnern der besetzten Gebiete) gehörenden Grundstücken kommt. Teils ist es so, dass derartige Gewalt- und Willkürakte von der israelischen Verwaltung und Justiz gedeckt werden, teils werden in besonders krassen Ausnahmefällen, in denen selbst israelische Gerichte die Landnahme als illegal brandmarken, entweder gar keine Konsequenzen gezogen oder es erfolgen (wie in einem Ausnahmefall, der durch die Presse ging) lediglich Räumungen, nicht jedoch die gebotene strafrechtliche Verfolgung der jüdischen Täter oder die Verurteilung dieser zu Schadensersatz.
4. Es gibt für nichtjüdische Arbeitnehmer aus den besetzten Gebieten, die in Israel arbeiten, keinen Arbeitsrechtsschutz. Werden die Gebiete, aus welchen Gründen auch immer, einmal abgeriegelt oder einer der Arbeitnehmer, was durch Willkür an zahlreichen Kontrollposten leicht möglich ist, nicht zum Arbeitsplatz gelassen, ist dieser nach freier Entscheidung des israelischen Chefs womöglich verloren - alles gleichgültig, ob Verschulden vorliegt, ohne Kündigungsfristen und ohne Möglichkeit, sich dagegen vor Gericht zu wehren. Die nichtjüdische Bevölkerung der besetzten Gebiete ist so ein weitgehend rechtloses Reservoir an Arbeitskräften, die man billig ausbeuten kann.
Israel hat es in Zeiten des relativen Friedens und der Entspannung versäumt, Frieden zu schaffen. Dabei hatte man im Gegensatz zu den Kontrahenten die Macht, dies zu tun und damit gleichzeitig den nicht friedenswilligen Organisationen auf der Gegenseite durch konsequentes Festhalten am Friedenskurs den Zulauf zu entziehen.
Statt dessen wurde die Gallionsfigur dieses Friedensprozesses, Herr Rabin, nachdem dieser Ernst machen wollte mit dem Friedensprozess, unter überaus merkwürdigen Umständen ermordet und danach eine Politik des Zurückdrehens des bis dahin Erreichten und der Provokation gefahren, die dann statt "mehr Sicherheit" und "Frieden" wie von den jetzt herrschenden Kreisen offenbar gewollt für mehr Terrorismus und Zulauf bei den extremistischen Organisationen führte.
Es ist einerseits richtig und nicht in Ordnung, dass über die israelischen Opfer des extremistischen Terrors zu wenig berichtet wird. Andererseits wird über das Unrecht, das einem Großteil der nichtjüdischen Bevölkerung seit Jahrzehnten scheinbar ohne Chance auf Besserung widerfährt und das der Nährboden für den fortdauernden Terrorismus ist, ebenfalls viel zu wenig im Detail berichtet.
Das eigentlich Skandalöse ist, das es nach der Ermordung von Herrn Rabin viel zu wenig friedensliebende und vernünftige Menschen auf beiden Seiten gibt, die eine Stimme bekommen und das in beiden Lagern sich viel zu viele Menschen nur auf ihr eigenes Leid konzentrieren, als die gegenseitige Verstrickung zu bemerken.
Die aktuelle Entwicklung dient nur denjenigen, die die derzeitige Situation aufrechterhalten und daraus Nutzen ziehen wollen. Und dies sind sowohl die extremistischen und terroristischen Organisationen, als auch die derzeit in Israel herrschende politische Gruppe.
Und will man (mitunter durchaus zutreffend) eine Reihe prominenter "palästinensischer" Politiker des Terrorismus bezichtigen, so sollte man der Wahrheit die Ehre geben und nicht verschweigen, dass auch eine ganze Reihe prominentester israelischer Staatsmänner vor der Wahl in ihre Ämter nichts anderes als Mörder und Terroristen waren, die teils steckbrieflich als solche gesucht wurden.