...All diese Dinge sind überhaupt keine moralischen Fragen. Wer sie moralisch stellt, der kapiert gar nicht, warum Menschen so handeln. Der Hühnerzüchter, der tausende Hühner in einen Schuhkarton sperrt, ist ebensowenig ein schlechter Mensch, wie der Bankberater, der Omis Geldanlagen anquatscht, die sie nicht brauchen. Sogenannte "a.rschlöcher" (m.Kind) hat es immer gegeben, aber wer glaubt, solche systemisch-gesellschaftlichen Fragen moralisch beantworten zu können, als eine Frage des moralisch korrekten oder inkorrekten Verhalten des einzelnen, der wird nie zu vernünftigen Lösungen kommen und der wird sich immer wieder mit sogenannten "Fehlverhalten" von angeblich "unmoralischen Einzelpersonen" konfrontiert sehen.
Dabei ist es vielmehr so, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse dermaßen verhärtet haben, dass die einzelne Person, der einzelne Kapitalist, der einzelne Banker und der einzelne Nahrungsmittelproduzent überhaupt nicht vermögen, etwas daran zu ändern, weil sich diese zu einer "zweiten Natur", die dem einzelnen äußerlich ist, entwickelt haben. An diese kann er sich nur besser oder schlechter anpassen, er kann in ihr mehr oder weniger Erfolg haben. Dies führt dazu, dass sich immer Leute finden werden, die hühner in einen Stall sperren, Waffen oder Drogen verkaufen oder Omis Versicherungen und Bankanlagen verkaufen, die sie nicht brauchen. Das hat mit Moral nichts zu tun.
"Ja, das ist eben schade
Das ist das riesig Fade.
Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht
Da hat er eben leider recht.
Natürlich hab ich leider recht
Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht.
Wir wären gut - anstatt so roh
Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so.
Ja, dann ist's freilich nichts damit
Dann ist das eben alles Kitt!
Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht
Da hab ich eben leider recht!"
schon irrsinnig praktisch, alles auf die verhältnisse schieben zu können und sich so aus der affäre zu ziehen.
ja, kapitalismus funktioniert so!
ja, das sollte man verstehen, bevor man sich in moral flüchtet und immer wieder vor den gleichen problemen steht!
aber NEIN, damit darf es nicht enden - und NEIN, durch selbstgerechtigkeit und arroganz verändert man die verhältnisse auf keinen fall.
man richtet sich in ihnen ein!
und was ist damit gewonnen?
mir sind menschen lieber, die sich wenigstens noch veränderung wünschen und sich nicht mit der erkenntnis begnügen, dass es eben kein richtiges leben im falschen gibt.
JA, das ist so, das darf aber nicht dazu führen, es sich im falschen bequem zu machen und jeden zu belächeln, der sich auch nur ansatzweise noch zu einem fünkchen empörung hinreißen lässt.
oh wie niedlich, wie naiv, da will jemand was gegen die produktionsverhältnisse unternhemen und hat noch nicht verstanden, dass es keinen guten kapitalismus gibt und wir alle nur im system gefangen sind... na den verhöhnen wir doch mal ein wenig und fühlen uns hinterher um so besser, weil wir uns nicht damit auseinandersetzen müssen, dass wir uns eben um gar nichts mehr scheren - weil wir wollen ja um jeden preis nicht naiv sein, dann doch lieber gleichgültig!
tja... muss jeder selber wissen, wohin ihn seine erkenntnis bringt...