Ist halt die Frage, woran man die Zukunftsaussichten auf Erfolge festmacht. Wenn man sich nicht die Spiele, sondern einfach nur die Ergebnisse anguckt, wackelt Nouris Stuhl. Wenn man sich die Spiele anguckt und sich die Ergebnisse aus dem Kopf blitzdingsen würde, wäre Nouri im Rahmen der realistisch in dieser Zeit zu bewerkstelligenden Veränderung ein absoluter Glücksgriff. Ich persönlich bin der Meinung, dass diejenigen, die aktuell Nouris Kopf fordern, wohl hauptsächlich (berechtigte) Angst um den Verein haben und daher irgendetwas unternommen sehen wollen, Hauptsache, es ändert sich was. Ich persönlich sehe das kritisch: War bei VS noch ein klares strukturelles Defizit in der Mannschaft erkennbar, das durchaus durch einen Wechsel auf der Cheftrainerposition zu beheben war, ist bei Nouri das Gegenteil der Fall. Die Mannschaft hat Automatismen entwickelt, durch die sie sich im Aufbau klar verbessert hat und insgesamt ballsicherer geworden ist. Auch das offensive Umschaltspiel hat sich eher positiv entwickelt. Pech und Glück wird es im Fußball immer geben, die Frage ist nur, was Team und Trainer tun (können), um das zu beeinflussen.
Tatsächlich waren wir gegen Augsburg die bessere Mannschaft, sowohl hinsichtlich der Chancenqualität als auch bezüglich der Passstrukturen. (https://twitter.com/11tegen11/status/828281152846823426) Einzelne Patzer, besonders in der Organisation der Dreierkette, haben Augsburg erst die Chancen eröffnet. Jedem der drei Tore ging ein langer Ball voraus: Der Befreiungsschlag von Gouweleeuw auf Bobadilla vor dem 1:1, die weite Flanke von Verhaegh vor dem 2:2 und der Befreiungsschlag eines Augsburgers, der mir gerade entfallen ist, auf Koo vor dem 3:2. Alle drei Gegentreffer resultierten mindestens teilweise aus Abstimmungsproblemen in der Dreierkette, einer Mischung aus schlechter Antizipation seitens Sané und individueller Patzer von U. Garcia. Ist die Dreierkette deshalb böse? Nein, auch, wenn ich gerne einen guten IV im Winter dazugeholt hätte. Denn die Grundstruktur funktioniert, sie bietet große Vorteile im Spielaufbau und lässt dem Gegner grundsätzlich auch nicht viele Chancen (ich würde hier eher die Achterpositionen etwas defensiver besetzen, um durch zusätzlichen Druck gegen den Ball erst gar keine Halbfeldflanken zuzulassen). Es besteht eine gewisse Abhängigkeit von Moisander als Kommunikator und ein 4-4-2 wäre angesichts der Personaldecke sicher eine Option gewesen, allerdings wäre in diesem System wohl ein deutlich hektischeres, schwieriger zu kontrollierendes Spiel entstanden - und Werder war wie gesagt lange strukturell überlegen und hat die Kontrolle erst unglücklich durch die Augsburger Duttball-Brechstange verloren, der gewählte Ansatz hatte also durchaus relevante Vorteile.
Gegen Bayern waren wir übrigens auch leicht besser. https://twitter.com/Caley_graphics/status/825394400045965313 Unterm Strich glaube ich bis auf Weiteres an meinen Mix aus sichtbarem Fortschritt und diesen unterfütternden Daten. It's a numbers game, es gibt für alles gewisse Wahrscheinlichkeiten. Unsere letzten Niederlagen waren ziemlich unwahrscheinlich. Davon können wir uns nichts kaufen, aber ich sehe nicht den Anlass, durch einen bolzenden Feuerwehrmann, für den wir auch den Kader gar nicht haben, kommende Siege unwahrscheinlicher zu machen, Geld rauszuwerfen und die langfristige Entwicklung zu hemmen.