hoh, hoh, hoh - ruhig. Mit keinem Wort habe ich mir Boulevardjournalismus gewünscht. Ich wünsche mir eine sachlich-kritische Berichterstattung, die aber fair bleibt. Ich habe schon vor einer Woche gepostet, dass ich mir gezielte Fragen zu der Transferpolitik gewünscht hätte.
Das impliziert aber den hier zahlreich vertretenen Irrglauben, Werder sei irgendwem Rechenschaft über die eigene Transferpolitik schuldig und wir hier als Internetuser könnten besser beurteilen, was Werder personell zu tun habe und wieviel Geld der Verein ausgeben müsse.
Es ist so verflucht einfach, als Fan in solch einem Forum erst aus purer Lust an neuen, womöglich teuren Namen monatelang Kracher-Transfers hinterherzugeiern und nach der ersten Niederlage seit 10 Spielen (eine Woche nach einer ziemlich guten Vorstellung gegen Schalke) zu sagen: "Habe ich doch gesagt: Wir sind zu schlecht besetzt!". Und dann ist auf einmal Özil zu grün und keine Verstärkung (eine Woche nach dem Spiel gegen Schalke...), unsere Außenverteidiger sind grundsätzlich zu schlecht (obwohl Fritz eine überragende Saison hinter sich hat und nur wegen der EM in ein völlig vorhersehbares Loch gefallen ist und Boenisch schon jetzt im Fokus von Joachim Löw steht) und wir hätten viel Geld für einen Sechser ausgeben müssen, weil ja jeder sieht, dass Baumann es nicht mehr bringt (obwohl er in der vergangenen Saison in seinen verletzungsfreien Phasen ein enorm wichtiger Rückhalt war, was aber scheinbar nicht jeder hier kapieren möchte, weil man von Baumann so selten Fallrückziehertore und Blutgrätschen sieht).
Werder hat ein finanzielles Korsett, das sehr eng geschnitten ist. Wir müssen möglicherweise nächsten Sommer genug Geld haben, um einen Diego-Nachfolger, einen Baumann-Nachfolger und einen Pizarro-Nachfolger zu kaufen. So genau weiß das niemand. Und dennoch sollen wir jetzt einfach schon mal den Sechser auf Vorrat kaufen??? Ohne zu wissen ob wir im nächsten Jahr nochmal CL spielen und unsere Mannschaft dann weiter problemlos finanzieren können? Das wäre blanker Aktionismus gewesen. Dafür brauche ich keinen Journalisten, der mal nachfragt.
Ich finde es sehr beruhigend, dass in diesem Jahr nicht jede Aktivität von Werder auf dem Transfermarkt durchgesickert ist. Wir alle wissen nicht, was Werder getan hat. Deshalb steht es auch niemandem zu, von außen so zu tun als wisse man ganz genau, dass Werder gepennt hat oder Geld hortet, das man genauso gut hätte ausgeben können. Da sind ein paar mehr Faktoren im Spiel, die wir alle nicht bewerten können.
Werder hat immer betont, dass noch ein Stürmer geholt werden soll, der uns weiterhilft und darüberhinaus eventuell noch ein Mittelfeldmann, wenn eine deutliche Verstärkung zu akzeptablen Konditionen zu haben wäre. Diese Aussage steht seit langem. Vor dem Pizarro-Transfer wurde hier rumgeweint, dass Allofs uns doch einen Stürmer versprochen habe und bestimmt nicht Wort hält, buuhuu. Und jetzt wird so getan, als wäre uns Werder einen Mittelfeldstar schuldig geblieben. Es wird gleichzeitig bemängelt, dass wir zu offensiv spielen und trotzdem wird gefordert, dass wir Thiago Neves hätten holen sollen, damit wir noch offensiver ausgerichtet sind.
Werder hat nie etwas anderes gesagt als das, was jetzt passiert ist: Es wurde ein Hochkaräter für den Angriff zu sehr vernünftigen Bedingungen geholt, und es wurde sich vermutlich um gute Leute für's Mittelfeld bemüht. Man kann sich hier hinstellen und tönen: "Ich kenne zwar keine Hintergründe, aber ich bin sicher,d ass die nur wieder zu geizig sind und es verpennt haben, einen guten Mann zu holen!".
Man kann aber auch anders verfahren und davon ausgehen, dass Werder sich um Spieler bemüht hat, die zu annehmbaren Konditionen nicht zu bekommen waren. Allofs hat nie etwas Anderslautendes gesagt, und wenn noch 30 Jouenalisten mit Schaum vor'm Mund nachgefragt hätten, wäre auch nichts anderes rausgekommen.