Nochmal: Der Pizarro-Transfer ist zwar (gerade vor dem Hintergrund der geringen Ablöse) fast als sensationell zu bezeichnen. Trotzdem hat er bereits letzte Saison bei Werder gespielt und ist damit nicht mehr als eine Erhaltung des Status Quo.
Wenn man bedenkt, wie ungewiss und für viele geradezu unwahrscheinlich bis ausgeschlossen Pizarros Verpflichtung über die letzte Saison hinaus war, ist zumindest der Passus "nicht mehr als" nicht unbedingt angebracht. Wobei du natürlich faktisch recht hast, aber es hätte ja auch leicht passieren können, dass Werder im Sturm neu planen muss.
Unter dem Strich stehen die Abgänge von Baumann, Diego und Sanogo. Dem stehen die Zugänge Borowski, Marin und Moreno gegenüber. Auch wenn man keine 1:1-Vergleiche vornehmen kann, kann man dennoch konstatieren, daß wir zwar gute Transfers getätigt, aber den Kader im Vergleich zur letzten Saison nicht bedeutend verstärkt haben.
Das ist richtig. Angesichts des Abgangs von Diego war das allerdings auch nicht als selbstverständlich vorauszusetzen.
Dass die Neuzugänge den Kader nicht von vornherein bedeutend verstärken, heißt aber nicht, dass sich der Kader nicht trotzdem als der stärkere erweisen kann (etwa durch die Entwicklung anderer Spieler oder dadurch, dass die Mischung mehr stimmt) und erst recht nicht, dass Werder nicht trotzdem erfolgreicher spielen kann, was in erster Linie hieße, konstanter zu spielen. Und gerade das ist nicht unbedingt eine Frage der Hochkarätigkeit von Neuzugängen, sondern von anderen Faktoren (wie funktioniert die Mischung? Wie ist die Erfilgsmotivation des Teams? Wie integrieren sich die Neuzugänge? Wie ausgeglichen istg der Kader besetzt? Gibt es Alternativen?)
Die Probleme der letzten Saison, nämlich daß man auf den Außenbahnen trotz schwankender (Boenisch) oder durchgehend niedriger Formkurve (Fritz) mangels Alternativen immer auf die gleichen Spieler zurückgreifen musste, sind dagegen weiterhin nicht behoben worden. Im Gegenteil. Prödl (der sowieso nur als Experiment zu betrachten war) ist ständig verletzt, Tosic endgültig demontiert, Harnik verliehen. Bleibt nur Pasanen. .
Da ist richtig und könnte Engpässe geben, wenn Boenisch oder Fritz längerfristig ausfallen.
Auf der anderen Seite kann es zumindest für Form und Entwicklung von Fritz und gerade Boenisch auch von Vorteil sein, wenn nicht ständig rotiert wird, sondern beide gesetzt sind, im Rythmus bleiben, Vertrauen bekommen und nicht beim ersten Fehler draussen sind. Bei Fritz ist es wahrscheinlich eine Glaubenssache, ob man in ihm den unsicheren Kantonisten der letzten Saison sieht oder den Spieler, der zuvor einen Stammplatz in der Nationalmannschaft hatte. Und damit ist es auch eine Glaubenssache, ob man ihm hochkarätige, aber auch teure Konkurrenz vor die Nase setzt.
Ähnlich sieht's im DM aus: Weil Baumann, der letzte Saison seinen zweiten Frühling hatte, aufgehört hat, wird Frings jetzt dauerhaft und nicht mehr nur in Teilzeit als Sechser verbraten..
Ja, das ist je nachdem, wie man Frings als Sechser sieht, vielleicht ein Problem. Auf der anderen Seite gibt es jetzt eine andere Aufgabenverteilung im Mittelfeld (in die womöglich auch die Außen einbegriffen sein könnten, die ja ihrerseits etwas dadurch, dass Marin und Özil mehr von außen kommen, entlastet werden könnten), die Frings auch wieder entlasten könnte. Durch den Einbau des polyvalenten Borowski beispielsweise ist Frings unter Umständen weniger in der Offensive als Antreiber gefordert.
Daß Werder irgendwo vielleicht am falschen Ende spart, wird besonders deutlich, wenn man sich unsere ersten Alternativen in den umstrittenen Mannschaftsteilen mal anschaut. In der Abwehr sind das Pasanen und der verletzte Prödl, danach nix. Im Mittelfeld streiten sich Niemeyer (!) und Hunt (!!!) um den Titel des "Edeljokers". Daß ein Bargfrede, der nichtmal bei Werder II Stammspieler war, in Anbetracht dieser Konkurrenz ein Kandidat für die Stammelf ist, spricht doch Bände (ohne seine Leistungen schmälern zu wollen). Aber vielleicht hofft man ja auch darauf, daß Jensen irgendwann mal wieder fit wird.
Ich will hoffen, daß uns keine Verletzungswelle erwischt. Reicht schon, wenn zwei Verteidiger ausfallen. Das wird eine spannende Hinrunde.
Im Mittelfeld sehe ich das Problem nicht. Niemeyer und Hunt sind aus meiner Sicht kein Problem, wenn sie einsprongen müssen. Jensen ist auch noch da. Und die Tatsache, dass Bargfrede ein Kandidat für die Stammelf ist, spricht aus meiner Sicht nicht gegen die dünne Personaldecke Werders, sondern einzig und allein für ihn.
In der Abwehr stimme ich dir eher zu, genauer gesagt was die Außenverteidigung betrifft. Da muss man schon etwas flickschustern, um Ausfälle zu kompensieren. Entweder es werden Spieler auf Positionen verfrachtet, die nicht unbedingt ihre sind (Pasanen oder Prödl, wobei beide das passabel können und bei defensiver Ausrichtung sogar auch Alternativen für die Stammspieler sein können) oder Tosic spielt, was bei mir immer ein komisches Gefühl hervorruft. Allerdings nicht unbedingt wegen der zu erwartenden Leistung (die war in letzter Zeit meist nicht sooo schlecht), mehr deshalb, weil er ansonsen ziemlich abgeschrieben wirkt.
In der Innenverteidigung hat Werder m.E. mit Pasanen und Prödl gute Alternativen und im Notfall kann auch Niemeyer da spielen.
Eine Verletzungswelle wäre sicher blöd. Aber ich glaube kaum, dass es viele Mannschaften gibt, die zwei Ausfälle von gesetzten Spielern in einem Mannschaftsteil gleichwertig ersetzen könnten.
MFG dkbs