Ich sage ausdrücklich nicht, dass hier alles perfekt läuft in dieser Transferperiode oder auch in den Vorjahren. Auch ich habe die ein oder andere Sorge, wie wohl Einjeder hier. Aber es läuft doch eben sehr viel mehr richtig als falsch. Wer dies nicht anerkennt, und das liest sich doch bei einigen sehr negativen Posts sehr deutlich zwischen den Zeilen, verkennt in meinen Augen einfach, warum Werder in den letzten Jahren diesen unglaublichen Erfolg hatte... und tut mir Leid, hat damit für mich nicht so recht verstanden, was es bedeutet, Werderaner zu sein.
Nämlich, dass Werder Bremen anders arbeitet als die direkte Konkurrenz, anders arbeiten muss. Transfers sind nicht alles, Leute.

:svw_applaus:
Fast noch viel wichtiger ist es, das Letzte aus dem vorhandene Spielermaterial herauszukitzeln, ein funktionierendes Team zu schaffen. In der Mannschaft, die 2003/04 das Double geholt hat, gab es trotz ihrer teils unglaublichen Dominanz der nationalen Konkurrenz auch keine Spieler, die man vor der Saison als alles überragende Topstars hätte bezeichnen können. Es hat eben alles zusammen gepasst. Fussball ist SO VIEL MEHR als die Summe der Potentiale der einzelnen Spieler.
In diesem Absatz sprichst Du mE einen ganz wichtigen Punkt an, der mir erheblich mehr Sorgen bereitet als irgendwelche nicht gelungenen Transfers oder angeblich zu vorsichtige Einkaufspolitik. Denn:
Was war in den letzten 10 Jahren, speziell aber im Verlauf der vergangenen 4 Spielzeiten regelmäßig
fast gleich (mit geringfügigen Ausreissern)?
1.) mittelmäßige bis schlechte Testspiele im Sommer, verletzungsbedingte Ausfälle von Stammspielern in der Vorbereitung
2.) großartige Ansagen oder Ankündigungen von den Verantwortlichen
3.) mittelmäßige bis schlechte Ergebnisse in den ersten 3, 4 BuLi-Spielen (Folge der Vorbereitung?)
4.) Zwischenhoch bis Weihnachten
5.) mittelmäßige bis schlechte Ergebnisse in Turnieren und Testspielen während der Winterpause
6.) katastrophaler Start nach der Winterpause, fast schon chronische Probleme an den Spieltagen 18 - 26
7.) generell Schwierigkeiten in der effektiven Umsetzung von Spielsystem, Taktik und Philosophie
8.) dann keine Bestätigung der in 2.) oder während 5.) genannten Ankündigungen. In der Außendarstellung Ansagen wie ein Spitzenklub, danach aber Leben und Handeln wie in der alten Underdogrolle. Das Ausgeben von Zielen und danach das ,,sich-nicht-zu-seinen-Zielen-bekennen-wollen", indem die spürbaren Konsequenzen fehlen (
das ist eine reine Vermutung meinerseits , resultierend aus dem, was sich üblicherweise ereignete. Was wir freilich nie wissen werden.), eher rosige Verhältnisse für die Spieler und offenbar teils biedere Ansichten im Verein vorherrschen, das scheinbar als enorm wichtig erachtete Ansehen des netten und fair agierenden Werder Bremens, dass dem Spieler zwar ein weitgehend kritikloses Klima zur Entfaltung bietet, uns aber im umgekehrten Sinne auch lähmt. Denn ich bin der Meinung, dass bei Werder von 2003 bis ca. 2006 das absolute Optimum aus der Mannschaft herausgeholt wurde, danach jedoch weniger. Für mich bleibt immer wieder der Eindruck haften, dass die Qualitätsteigerung, die der Kader kontinuierlich seit 2006 erfahren hat, sich nicht in dem Maß gewinnbringend auswirkte, weil es nicht einherging mit einem gestiegenen Selbstanspruch, statt dessen immer wiederkehrende Verhaltensmuster im Verein verhinderten, dass das entsprechend
,, Letzte aus dem vorhandene Spielermaterial herauszukitzeln"
möglich war. Und dies mache ich weniger am Investieren und Ausschöpfen der finanziellen Möglichkeiten fest, als an psychologischen und traditionellen Hemmnissen.
Aber das ist nunmal Werder Bremen und deshalb bin ich eigentlich bereit, es so zu akzeptieren. Nur der Umstand, dass es derzeit scheinbar so ist, dass sich 1.), 2.) (KA im Donnerstags-Kicker) und teilweise 8.) erneut wiederholen, finde ich wesentlich besorgniserregender als alles andere.
Werder dagegen hat mit Diego und Pizzaro - das darf man wohl so sagen - die Topspieler in der Offensive abgegeben. Da werden Marin und Moreno realistischer Weise nicht auf Anhieb herankommen.
Fazit: Es wird nicht einfach wieder unter die ersten 5 zu kommen.
Ähnliche Vorraussagen gab es schon immer, als Völler 87 ging, als Riedle 90 ging, als die Rehagel und Herzog (vorrübergehend)-Ära 95 endete, als 2001 Pizarro ging, zeitgleich Eilts, Bode und wiederum Herzog ihre Schuhe an den Nagel hängten. Doch Werder ist letztlich fast immer noch stärker daraus hervorgegangen. Hier helfen uns dann oben genannten Verhaltensweisen doch wieder.