Nachvollziehen kann ich die Sorgen auch, allerdings wird dabei gerade von dem genannten User weit über das Ziel hinausgeschossen.
Sicher ist die CL-Quali für Werder wichtig, aufgrund der schlechteren Rahmenbedingungen vielleicht in gewisser Hinsicht noch wichtiger als bei Vereinen wie Schalke oder Wolfsburg.
Das kann jedoch nicht im Umkehrschluss bedeuten, die CL durch Neueinkäufe erzwingen zu wollen. Das würde nämlich im Misserfolgsfall bedeuten, dass man erst recht in die Scheisse reiten würde - ebenfalls wegen der schlechteren Rahmenbedingungen. Zum Erfolg "verdammt " kann man eben auch sein, wenn man sich über Gebühr verausgabt, weil man scheinbar oder tatsächlich von der CL abhängig ist.
Das Argument kam von Karlotta ein paar Seiten vorher auch schon. Solange Werder für einen Stürmer nur vorhandenes Geld ausgibt (und darum geht es hier ja nur), sehe ich da wenig Gefahren. Sollte man sich z.B. nicht für die Championsleague qualifizieren, kann man Spieler auch wieder verkaufen. Deswegen halte ich es für richtig und wichtig von KA, auf den Wiederverkaufswert von Neueinkäufen zu achten (und deshalb stehe ich einer Verpflichtung von Pizzaro kritisch und selbst einer von Oliveira eher skeptisch gegenüber, obwohl sie uns sportlich fraglos weiterhelfen würden).
Auf die Weise, wie Werder es macht, sehe ich die direkte Abhängigkeit von Erfolg und CL zumindest weniger. Zum Beispiel, weil im Misserfolgsfalle "nur" das (vielleicht auch nur vorübergehende) Abrutschen ins obere Mittelfeld drohen würde, nicht aber eine wirtschaftliche Schieflage.
Und gegen das Abrutschen ins Mittelfeld gibt es verschiedene Mittel. Das können qualitativ hochwertige Neuzugänge sein bzw. der Aufbau einer guten Mannschaft bzw. eines guten Kaders.
Hier gehen unserer Meinungen auseinander (und sorry wenn es jetzt etwas redundant wird, ich hatte ähnliches auf Karlotta ein paar Seiten vorher erwidert).
Für jede Mannschaft, die sportlich erfolgreich sein will, gibt es heute eine zunehmende Abhängigkeit von CL und Erfolg. Das ist keine Frage von Vereinsphilosophie oder -strategie, sondern von Einnahmestrukturen (und das insbesondere bei Werder). Das bedeutet, das es immer schwerer wird, ohne CL-Quali sportlich Erfolgreich zu sein. Erfolg wird selbstverstärkend. Die Kluft zwischen CL-Teilnehmern und nicht-Teilnehmern wird größer werden, und es wird immer schwieriger sein, in die Phalanx der etablierten einzubrechen (und wieder: das gilt insbesondere für Werder).
Und bei allen unterschiedlichen Meinungen bezüglich der Einkaufspolitik dieser Saison muss man doch sagen, dass Werder hier insgesamt sehr erfolgreich ist.
Aber dazu gehört eben nicht nur, die Mannschaft immer wieder mit sehr guten und teuren Neuzugängen zu verstärken bzw. verstärken zu wollen. Sondern Werder beweist ja seit Jahren, dass dies auch mit etwas weniger finanziellem Aufwand möglich ist, wenn die Spieler umso gezielter und sorgfältiger ausgesucht werden.
Ja, sehe ich auch so, Werder hat eine ausgesprochen geschickte Transferpolitik betrieben. Werder hat sich dadurch eine Ausgangssituation erarbeitet, die für einen Verein wie Werder eigentlich ausgesprochen unwahrscheinlich ist- für Werderfans ein Glücksfall, kann man nicht oft genug betonen.
Inzwischen ist man aber in der Situation, so ca. 15 Mio investieren zu können, (wenn ich da richitg informiert bin). Und die Frage bleibt, wie verhält man sich jetzt am geschicktesten.
... Aber ich habe trotzdem den Eindruck, dass unter den Usern viele sind, die sich so an Plätze 1-3 gewöhnt haben, dass ihnen alles darunter als eine Art Weltuntergang erscheint. Und das scheint mir einer der Hauptgründe dafür zu sein, dass wie selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass Werder mindestens Zweiter oder Dritter werden muss. Und unter derartigem selbstgesetztem Erfolgszwang, gerät man leicht in ein Argumentationsmuster, in dem es plausibel erscheint, dass teure Neuzugänge eine Art Garantie für Erfolg bieten, denn schließlich zeichnen sich die meisten Mannschaften, die dauerhaft an der CL teilnehmen, u.a. dadurch aus, dass teure Neuzugänge an der Tagesordnung sind.
Werders (Erfolgs)Weg scheint mir jedoch ein etwas anderer zu sein. Dabei sind teure Neuzugänge nicht ausgeschlossen. Und tatsächlich haben sich für Werder ja auch die Grenzen stark nach oben verschoben. Und ich gehe auch davon aus, dass Werder nicht untätig ist. Das Interesse an Diarra, Anelka (letztes Jahr) oder Moreno und Fred (dieses Jahr) zeigen ja beides.
Ich für meinen Teil habe keinerlei Weltuntergangsstimmung und kann die so auch nicht bei anderen rauslesen. Als
sportliches Ergebnis einer Saison kann ich mit einer nicht CL-Teilnahme locker leben. Als drastische Verschlechterung der Ausgangsituation für die nächste Saison eben weniger. Aus oben genannten Gründen wird es halt immer schwieriger, wieder nach oben zu kommen. Die Durchlässigkeit von unten nach oben wird immer geringer.
Insgesamt glaube ich ähnlich wie du, dass Werder nah am Optimum operiert. Ich glaube nur nicht, dass es ein Zeichen von Erfolgsverwöhntheit ist, sich zu Fragen, ob man diese Transferperiode mit dem reichtigen Maß an Risiko angeht. Werder hat sich in den letzten Jahren die Chance erarbeitet, oben dran zu bleiben. Und nach meinem Kenntnisstand und meiner Meinung nach sollte man für einen Stürmer durch aus Geld im CA-Bereich oder sogar etwas mehr in die Hand nehmen. Falcao wäre super und Fred ein Traum.