Glaub mir. Das ist mir alles bewusst und ich bin auch kein Fantast, der ernsthaft glaubt, dass Werder mal eben eine zweistellige Millionensumme für einen einzigen Spieler ausgeben wird, geschweige denn das auch sollte.
Nur wird sich der Transfermarkt, sollte nicht etwas Gravierendes in mittelfristiger Zukunft geschehen, nicht groß verändern. Qualität wird teurer, die Konkurrenz größer, und man muss schneller sein als der Rest, um zum Zug zu kommen. Da man bei Werder Bremen aber nicht bereit ist von seiner sportlichen Zielsetzung abzurücken (was wir auch gar nicht könnten, da unser jetztiger Kader schon sehr kostspielig ist) muss man sich diesen Gegebenheiten leider stellen und sich anpassen. Wenn man oben bleiben will, muss man die Preise mitgehen und auch die marktüblichen Methoden anwenden, um dahin zu kommen.
Ich stehe auf dem Standpunkt, dass man durchaus Qualität bekommen kann, wenn man den Transfermarkt nur gründlich genug sondiert. Alleine in den letzten 18 Moanten wurden doch arg viele millionen doch reichlich unüberlegt ausgegeben, die man auch intelligenter hätte investieren könenn, Özil mal ausgenommen.
Das kann man so sehen und letztendlich sehe ich es auch so ähnlich wie du.
Nur gehe ich davon aus, dass Werders letzte Transfers sehr wohl überlegt waren, und zwar gerade hinsichtllich der problematischen Situation, hohe Ziele mit nicht ganz so viel Geld anpeilen zu wollen. Die Lösung, die Werder probiert hat, lautet, auf junge Spieler zu setzen, die ihr Potential noch nicht ausgeschöpft hatten, was man aber hier von ihnen erhoffte. Das macht auch durchaus Sinn, wenn man nicht genug Geld hat, um fertige Stars zu bekommen. Zumal dann, wenn man, wie Werder, auf spielerische Fähigkeiten setzt und andere (die gerne mal bei jungen Spielern fehlen) hinten anstellt.
Allerdings ist mein Eindruck auch, dass diese Strategie Werder ein bisschen in die Sackgasase geführt hat, die Qualitäten, auf die man bei Werder (notgedrungen) verzichtet hat, jetzt fehlen und dass man die Schraube in der Richtung etwas überdreht hat, womöglich auch aus einer gewissen Hybris heraus, dass bis dahin fast alle Transfers unbekannter Spieler geklappt hatten, sie sich also bei Werder oft explosionsartig verbessert haben.
Das ist nicht gut und dementsprechend ist die Bilanz diese Saison. Wobei natürlich noch andere, hauptsächlich interne, Faktoren dazukommen werden, über die ich mir an dieser Stelle aber kein abschließendes Urteil erlauben kann.
Nur: Ich sehe auch nur bedingt, dass "einfach mal mehr Geld ausgeben" zu einem anderen Ergebnis geführt hätte. Denn Spieler, die eindeutig besser als die vorhandenen, jetzt teilweise überforderten Spieler gewesen wären, wären mit Sicherheit unbezahlbar für Werder gewesen, was ja bereits von Linienrichter Jablonski erläutert und von dir auch gesehen wurde.
Natürlich kann man immer unterschiedlicher Meinung gegenüber bestimmten Transfers sein. Ich z.B. bin wie erwähnt der Meinung, dass man vielleicht zu sehr auf das spielerische Vermögen, auf das Potential, auf die Entwicklungsfähigkeit und den Wiederverkaufswert - zusammengefasst auf die Jugend gesetzt hat und vernachlässigt hat, dass zu einer Spitzenmannschaft auch andere Faktoren gehören wie Cleverness, Defensivverhalten, taktisches Verhalten, zusammengefasst also alles außer dem Spiel mit dem Ball. Und hier haben in der Regel erfahrene Spieler Vorteile gegenüber jungen.
Ich muss allerdings auch sagen, dass ich mich wundere, wie schnell andere Fans damit sind, die Transfers für Werders (relativ) schlechte Lage verantwortlich zu machen, denn wie einer meiner Vorredner, der glaub ich noch nicht mal Werderfan ist, sehe ich das Problem nicht primär in den Spielern, die neu dazugekommen sind.
Ich kann mich da nur wiederholen - mir kommt das so vor wie ein pawlowscher Reflex einer Generation, die mit Managersimulationen aufgewachsen ist und daher irgendwie der Meinung zu sein scheint, dass man eine erfolgreiche Transferpolitik an ein paar Tagen, mit ein paar Verhandlungen durchfühen kann und dann jeder Wunschspieler zu haben ist.
Dazu kommt anscheinend der Glaube, dass Werder aufgrund der letzten CL-Einnahmen im Geld schimmt. Hierzu fehlen mir genau wie allen anderen Fans die Insiderinformationen, meine Vermutung ist allerdings, dass bei den Einnahmen allzuoft brutto für netto genommen wiurd und das zwar Einnahmen berücksichtigt werden, aber Ausgaben nur ungern.
Richtig ist sicher, dass Werder ein Verein ist, der eher konservativ sein wird im Geldausgeben. An der einen oder anderen Stelle ist dies bis zu einem gewissen Maße sicher diskutabel. (so zumindest meiner Meinung nach bei der Frage, ob man sich auf einzelnen Positionen nur auf unerfahrene Fragezeichen verlässt)
Aber letztendlich bin ich der Meinung, dass dies dennoch weitsichtig ist. Viele argumentieren ja gerne damit, dass Werder aufgrund der Plazierungen der letzten Jahre den Anspruch haben muss, weiter im Konzert der Großen mitzuspielen und sogar den Anspruch haben muss, sich innerhalb dessen zu verbessern, da ja Stillstand Rückschritt sei.
Was dabei aber vergessen wird, ist aber, dass Werder nach wie vor nicht zu den Mannschaften gehört, die die einen vergleichbaren Anspruch haben können wie andere Dauer-CL-Teilnehmer der letzten Jahre. Auch wenn ich ebenfalls über diverse Rückschläge enttäuscht war und mich fleißig am Thread "Der Gang an die Spitze erfordert ein Umdenken" beteiligt habe, muss ich doch sagen, dass angesichts des dauerhaften Erfolges 2003-2007 wahrscheinlich das Bewusstsein immer mehr geschwunden ist, dass das, was Werder in dieser Zeit gelungen ist, keine Selbstverstädnlichkeit ist und sich vor allem nicht wie vielleicht bei anderen (ungleich finanzkräftigeren) Vereinen gleichsam automatisch reproduziert, sondern dass wir es mit einem absoluten Ausnahme- und Glücksfall zu tun haben (bzw. womöglich hatten), der jede Saison aufs Neue bestätigt werden muss.
Und dass das nach 5 Jahren einmal nicht oder zumindest schlechter gelingt als in all den Jahren zuvor, ist selbstverständlich enttäuschend und ärgerlich und liegt natürlich auch in der Verantwortung der sportlichen Führung aber es ist auch wieder nicht sehr überraschend. Wenn man sich die letzten Jahre anguckt, sieht man, dass eigentlich jede Mannschaft (Abstriche bei Bayern) über einen Zeitraum von 8 Jahren ein Katastrophenjahr hatte, und Werder kann sich glücklich schätzen und es zeigt sogar die Qualität der Arbeit, die bei Werder gemacht wird, wenn man sieht, dass wir über über einen Mittelfeldplatz diskutieren, und Werder nach Lage der Dinge nichts mit dem Abstieg oder Abstiegsgefahr zu tun haben wird.
Die in dem oben gestellten Beitrag aufgeworfenen Probleme sind natürlich trotzdem da.
Ich denke, dass man sich bei Werder tatsächlich Gedanken macht, ob das Jugendkonzept in der Form Zukunft hat (hat KA auch in einem Interview erwähnt) und sicher auch, ob und wie es möglich sein wird, mehr finanzielle Mittel auszugeben. Ich vermute aber, dass dies unter den bisherigen Bedingungen nur punktuell möglich ist. Ein Einkaufsverhalten (wie vielleicht bei Schalke), das einen auf Gedeih und Verderb dem Erreichen bestimmter BL-Plätze und internationaler Plätze ausliefert, wird es denke ich (und zwar zurecht) nicht geben, erst recht, da Werder mit Sicherheit weniger Mittel und Wege hat, finanzielle Mittel zu mobilisieren, die nicht direkt an den sportlichen Erfolg gebunden sind.
Was ich aber denke, ist, dass sich bei Werder immer wieder und regelmäßig die Frage stellen wird, ob man durch den Verkauf von Anteilen, Stadionnamen usw. die finanzielle Situation verbessern kann. Und die jetzige Saison trägt sicher dazu bei, diese Diskussion aktuell zu halten, da man bemerken musste, dass nicht immer alles, was Allofs und Schaaf anfassen, zu Gold wird.
MFG dkbs