Vielmehr macht mir das Mittelfeld sorgen. Wir agieren zu plan bzw ideenlos. ...
Aaron und Marko sind (noch) nicht in der Lage Mesut auch nur annähernd zu ersetzen. Wir spielen seid gefühlten 10 Jahren mit einem echten 10er im Mittelfeld. Vielleicht dauert es noch n bischen bis wir uns alle daran gewöhnt haben das es in dieser Saison eben anders läuft.
Wir spielen seit über 4 Jahren ohne echten Zehner. Das Problem ist nicht ein "echter Zehner" oder Mesut zu ersetzen, sondern die uralten Defizite, die wir schon seit dem Wegbrechen der Achse Ernst-Baumann-Micoud haben. Wir kriegen die Ordnung im Raum nicht hin.
Immer noch viel zu oft passiert es Werder, sich trotz einigermaßen Laufbereitschaft so dermaßen schlecht zu bewegen, dass Mannschaften wie Hoffenheim, Mainz, Hannover, die mindestens genauso laufbereit sind, sich aber im Gegensatz zu Werder an ein taktisches Konzept halten, also gut organisiert auftreten, uns mit fussballerischen Minimaltugenden zu kontrollieren, auszuspielen, auszukontern.
Grund hierfür ist oftmals eine verheerend schlechte Raumaufteilung und da insbesondere im ballorientierten Verschieben. So schaffen es Gegner wie die Genannten, nach Eroberung des Spielgerätes über wenige Stationen Platz und stetes Überzahlspiel zu schaffen, weil bei Werder weder die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen stimmen, noch das Doppeln klappt, noch dies aggressiv genug geschieht, noch die Antizipation/Intuition für die Spielsituation gut genug ist, um das zu vermeiden.
Mainz zum Beispiel hatte meist mit weniger Leuten mehr Anspielstationen. Exemplarisch auch die Situation vor dem 1:0 in Mailand, als zwischen unserer Viererkette sowie der eng daneben agierenden Doppelsechs und den anderen vier Spielern vorn ein Loch von etwa 30m klaffte. So dass Jensen nur hätte zurückspielen können, was es noch enger und schwieriger gemacht hätte oder den Ball ins Aus dreschen konnte. Tat er beides nicht, der Rest ist bekannt. Erschwerend hinzu kommt doch, so wie bspw. in diesem Spiel, dass Werder trotz dieser Defizite seinen Stiefel weiterspielt, zum Beispiel dass die Viererkette hoch steht und zusätzlich gnadenlos auf Abseits spielt. Das ist mit "Sprintern" wie wahlweise Merte, Petri oder Silvestre oder Jensen davor sukzessive Fehlverhalten im Raum fast schon fatal. Inter bspw. gewann
nicht zwingend wegen der kreativeren Offensive, sondern weil sie Werder`s (vorhersehbare) Schwächen mit einfachem Konzept und zwei sehr guten Individualisten eiskalt zu nutzen wussten.
Doch diese Probleme sind wie gesagt alt. In der letzten Saison bekamen wir das in den Griff, als Bargfrede sich eingespielt hatte, Frings zu alter Form fand und Hunt defensiv zulegte. Als nur einer - Bargfrede - ausfiel, kamen solche Spiele wie in HH, Frankfurt, München und Gladbach nacheinander zustande.
Es fehlt(e) uns seit Jahren an strategischen Denkern und Lenkern und damit an Organisation gegen den Ball und im Umkehrspiel. Ich denke, genau dafür waren Wesley und teils auch Arnautovic gedacht. Weil beide im Normalfall gute Zweikämpfer sowie lauf- und spielstark sind. So gesehen waren diese Transfers absolut sinnig, zumal ausserdem erneut versucht wurde, die leidige LV-Debatte in Angriff zu nehmen.
Konnten KATS aber ahnen, dass Wesley noch so viel spieltaktischen Nachholbedarf mitbringt, Silvestre fernab jeglicher Erwartungen agiert, teils die komplette IV plus AV plus Frings ausfällt, dazu Pizarro, der ja auch nicht unerheblich vorne "mitarbeitet" oder Bargfrede im schweren Formtief steckt?
Es fehlt nicht primär Mesut Özil, der zwar für den Spielfluss und die Ideen sorgt, aber keinesfalls oben genannte Probleme lösen könnte. AH und MM werden anders auftreten, wenn Werder insgesamt geordneter auftritt.
So ist es immer einfach, unter Vernachlässigung all dieser Umstände zu dem Schluß zu kommen, die Tranferpolitik sei leicht verfehlt oder etwa "zu sehr dem Sparstrumpf zum Opfer gefallen".