Was Schaaf aber meinte, als er sagte, der Kader sei für drei Hochzeiten nicht breit genug, war wohl, dass er eine höhere Anzahl Spieler benötige, die 1zu1 auf bestimmten Positionen auszutauschen sein müssen. Dies, um eben auch mal Spieler zu entlasten, die sonst Woche für Woche 2 resp 3 Spiele absolvieren und dann, wie gerade gehabt, irgendwann mal auf dem Zahnfleisch krauchen.
Dann wäre es zuerst mal eine Überlegung wert, ob das,
sofern TS es tatsächlich so meinte, auch wirklich stimmt. Wie flexibel sind wir denn, wenn es darum geht, die Möglichkeiten des Kaders auszunutzen? Wir hatten mit der Raute nach zerfahrenem Beginn ein System gefunden, das mit der ersten Elf ohne grosse Ausfälle funktionierte. Als Bargfrede ausfiel, bröckelte zusehends das Gebilde, ein formschwacher Boro konnte im Defensivverbund, wofür er ohnehin nur bedingt taugt, keinen Ausgleich schaffen. Aber dieses sensible System wurde stoisch so weitergespielt, bis die Resultate immer schlechter wurden und, damit einhergehend, das Selbstvertrauen des Teams zerfiel. Warum bekam ein Niemeyer erst so spät eine Chance? Warum wurde nicht systematisch früher reagiert - mit dem 4-2-3-1, was dann wieder auf die zur Verfügung stehenden Spieler passte. Ein Fritz zum Beispiel hat schon in der N11 im DM gute Spiele gemacht. Haben wir sonst keinen RV? Wären geringfügige, aber erfolgversprechendere Verschiebungen im Mannschaftsgefüge nicht möglich gewesen? Warum spielte Özil praktisch immer, obwohl er quasi zwei Jahre in drei Wettbewerben plus U21-EM und N11 durchspielt und die WM vor sich hat und sich diese gnadenlose Überspieltheit auch auf dem Platz offenbarte? Das sind, wie ich finde, wichtige Fragen, bevor das Rufen nach einem breiteren Kader beginnt.
Wenn ich zu meinem Vorgesetzten gehe und mehr Personal auf der Baustelle einfordere, dann muss ich mir darüber im Klaren sein, dass hinterfragt wird, warum mit den kalkulatorisch zur Verfügung gestellten Leuten nicht die gewünschte Effizienz erzielt wird. Wofür ich selbst schließlich mein Geld verdiene.
Reagiert man konsequent auf diesen Aufruf, so wird man wohl schauen, auf Schlüsselpositionen die eine oder andere Verstärkung zu holen um den Kader eben entsprechend zu verbreitern.
Aber vor allem: Ich habe Zweifel, dass wirklich auf der Problemposition gute Spieler auf dem Markt waren. Es geht hier doch vor allem um das zentrale defensive Mittelfeld. Hier hat Werder sich in der Vergangenheit bemüht. Aber es zeigt sich doch, dass gerade auf dieser wichtigen Position echte Lenker kaum zu verpflichten sind.
Zwischen 2007 und 2009 hatte Werder teils gewaltige Defizite in puncto geschicktem Umkehrfussball, cleverem Spiel im Raum, es fehlten Leute, die ein Spiel auch aus der Tiefe lesen und angemessen auf dem Platz reagieren konnten. Es fehlte generell an Physis und Kampfkraft. Die Königstransfers hiessen Carlos Alberto, Sanogo, Marin, dazu die Piza-Leihe und für Moreno war Werder ein Jahr zuvor ebenfalls bereit, einiges an Geld in die Hand zu nehmen. Natürlich hat uns ein Marin individuell enorm verstärkt, aber war nach dem Diego-Abgang wirklich das Kernproblem, in der Offensive möglichst annähernd eins-zu-eins einen guten Mann zu verpflichten oder wäre es sinnvoller gewesen, statt eines Super-Dribblers
in erster Linie einen flexibel einsetzbaren Mittelfeldmann, der ein Spiel organisieren kann, für dieses Geld zu holen?
Gerade der Bargfrede - Ausfall dokumentierte in der abgelaufenen Saison eindrucksvoll, wie rar die Alternativen an solchen Spielern sind, besonders dann, wenn man ohnehin nicht bereit ist, personell flexibler zu agieren. Was wäre gewesen, wenn der Junge nicht so eingeschlagen hätte? Wie wurde der taktisch ungemein wertvolle Baumann ersetzt? Wir holten Boro, Moreno, Marin.... :zweifeln: und jetzt sieht es erneut so aus, dass der Königstransfer Marko Arnautovic heisst. Warten wir`s mal ab...
Die zu gegebenen Zeitpunkten jeweilige Marktsituation kann ich freilich kaum beurteilen. Auffällig ist auch, dass KATS zuletzt die Defizite erkannt haben und reagieren wollten - letztes Jahr erst Tziolis-Leihe, dann Interesse an Cana, Zuculini. Ich werde dennoch den Eindruck nicht los, dass diese "Bemühungen" eher zaghafter Natur sind - im Vergleich zu den Bemühungen, stetig die Offensive (teuer) zu verstärken.