Man merkt dem Kommentar an, dass er das wirkliche Problem nicht kapiert.
Denn es können nicht "die" Ultras auf Pyrotechnik verzichten, denn "die" ultras in diesem Sinne als streng monolitischen Block gibt es gar nicht. Ultras eines Vereins können sich oft genug schon nicht einigen, siehe Werder, da sie völlig unterschiedliche Auffassungen vom Fußball, von Ultra, von Gewalt, von Pyrotechnik, von Politik, von nahezu allen wichtigen Fragen haben, insofern können sie erst Recht nicht vereinsübergreifend als "die" Ultras agieren. Auch jetzt werden die Reaktionen "der" Ultras auf dieses Papier sehr gemischt ausfallen, einige werden vielleicht erstmal die Füße still halten, andere werden jetzt vielleicht erst Recht versuchen, gegen das Konzept aufzubegehren.
Genau hier sieht man, dass die klassische Konfliktlinie, die so gerne aufgemacht wird, hier die DFL und die Politik, da die Ultras, gar nicht funktioniert. Die dient vor allem dazu, das Feindbild Ultra zu pflegen und dazu geben einige Ultras auch mehr als genügend Gründe, insbesondere wenn sie Gewalt anwenden und Gewalttäter in ihren Reihen dulden sowie obendrein noch einen sehr zweifelhaften Corpsgeist pflegen.
Man muss allerdings sagen, dass in der Mehrzahl der Vereine, die jetzt für das Konzept gestimmt haben, diese Probleme marginal sind. Es ist die große Keule, wo das Skalpell gefragt wäre. Es sind doch die immergleichen Pappenheimer und wo es eine gute Fanbetreuung gibt, kennt der Fanbeauftragte alle Problemfälle mehr oder weniger persönlich. Es ist ja keineswegs so, dass da unkontrollierbare, gewaltige Massen gewaltbereiter Fans herumlaufen, die dauernd die Stadien abfackeln, sondern es kommt gelegentlich zu bestimmten Vorfällen.
Es ist nun aber so, dass das Gegenteil dieser sinnvollen Maßnahmen, die auf gezielte Ansprache und Sanktionierung derer setzen, die wirklich etwas tun, eben auch gegenläufige Effekte erzielt. Bis weit in Fangruppen hinein und bis zu Einzelpersonen, die gerne zum Fußball gehen, wird dieses Konzept als falsch abgelehnt. Es gelingt also gerade nicht, damit gezielt die Verursacher auszumachen, sondern es führt völlig zu Recht dazu, dass alle Fans, die die große Keule treffen wird, sich gegen die Keule empören werden. Will man der Vermassung entgegenwirken, muss man gezielt einzelne herauslösen, das Individuum ansprechen und an seine Vernunft appellieren. Will man dagegen der Vermassung Vorschub leisten, dann kommt man mit der großen Keule und behandelt alle Auswärtsfans wie Kriminelle, denen es mit Kollektivsanktionen zu begegnen gelte.
Dieses Sicherheitskonzept verdient den Namen nicht, den es trägt. Es wird die Sicherheit im und um die Stadien nicht befördern, es wird die verhandlungsbereiten Fans nicht stärken und es wird nichts dazu beitragen, den einzelnen Fan anzusprechen und aus der Masse herauszulösen, sondern es leistet im Gegenteil einer simplen Feinderklärung nicht nur Vorschub, sondern es ist bereits eine. Wer auf Verfehlungen einzelner mit Kollektivstrafen antwortet, der ist bereits der Auffassung, dass "der Fan", egal welcher Art, nicht der Partner, sondern der Gegner bei der Herstellung von mehr Sicherheit in und um Fußballstadien und bei der Gewaltprävention sei. Welch fataler Irrtum.