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Mick_666
Guest
Das 4-5-1 ist nicht das System was besonders Piza entgegenkommt. Als spielender Stürmer fehlt ihm deutlich eine Anspielstation im Sturmzentrum. Mit Özil, Marin und Hunt hat man dann im MF auch nicht zwingend Garanten für Tore. Der Gegner hat so den Vorteil, einen Verteidiger weiter vorne stellen zu können, um so die Angriffe von Werder bereits weit vor dem 16er abzufangen. Dadurch kommt Werder immer in die Situation viel klein/klein spielen zu müssen, weil der Gegner die Räume früh schließen und so schnell doppeln kann.
Naja, mMn beschreibt dies das Problem aber nur zu einem kleinen Teil.
Du benennst lediglich die Symptome, unterschlägst aber den Ursprung der Krankheit. Dabei ist es erst in zweiter Instanz entscheidend, ob mit einem oder zwei Stürmern, im 4-4-2 oder 4-2-3-1 agiert wird.
Denn letztlich ist das Grundübel immer wieder die zu langsame, zu umständliche und unökonomische Spielentwicklung.
Besonders auffällig, wie sich unsere Edeltechniker häufig und unnötig auf engstem Raum durch`s Mittelfeld dribbeln, kombinieren, auf wenige Meter den Ball zuschieben, dies aber in der Endkonsequenz weder Raum- noch Zeitgewinn bringt. Weil zu oft der durchstartende oder mitgehende Spieler auf der Außenbahn übersehen, zu oft die Option des Flankenwechsels nicht wahrgenommen und zu oft der entscheidende Diagonalball nicht gespielt wird. Dazu dann wie zuletzt noch Frings oder Niemeyer, die zwar kämpferisch und läuferisch immer ordentlich gegen den Ball arbeiten, dafür aber in der Regel genauso außerstande sind, ein Spiel zum entscheidenden Vorteil zu verlagern.
Dadurch ist Werder meist nicht in der Lage, die Spielfeldgrösse bei Ballbesitz raumgreifend zu nutzen. Im Gegenteil, es werden durch diese Spielweise sogar weite Räume bei Ballverlust angeboten, exemplarisch das 0:1 gegen Stuttgart oder beim Gegentor in Enschede.
Zwar verbuchen wir auch dann immer wieder Torchancen, bei genauerer Betrachtung fällt allerdings auf, dass die meisten davon allein über die fussballerisch-individuelle Klasse und Wucht entstehen, als über zielstrebiges Herausspielen derer.
Ein kompakter, die Ordnung haltender, lauf- und kampfbereiter Gegner kann Werder so - trotz fussballerischer Unterlegenheit - mit einfachsten Mitteln in Schach halten und auf die Möglichkeit für den einen, entscheidenden Konter warten.
Würde Werder ökonomischer und intelligenter im Raum, schneller und dazu mehr gegnerorientiert spielen, wären ggflls Platz und Anspielmöglichkeiten da für Pizarro und andere, nachrückende Mittelfeld-Akteure. Dann ist es vordergründig unerheblich, ob der Gegner einen Verteidiger weiter vorn platzieren kann, ein oder zwei echte Stürmer spielen. Da das aber nunmal selten der Fall ist, brauchen wir meist die Physis eines Hugo Almeida da vorn, der die Räume schafft, die wir auf spielerische Weise nicht schaffen können.
Das alles ist letztlich ein Problem mangelnden, strategischen Denkens, welches in unserem Kader absolut unzureichend vorhanden ist. Mein Eindruck ist aber, dass KATS aufgrund dieser Erkenntnis schon länger genau daran arbeiten. Der Versuch mit Tziolis, was nicht klappte oder angedachte Verpflichtungen letzten Sommer wie Zuculini oder Cana deuten darauf hin. Nur ist es bisher nicht gelungen. Bin gespannt, was diesen Sommer in dieser Hinsicht gemacht wird. In meinen Augen ist es unabdingbar und sollte der Verein vorhaben, relativ viel Geld in die Hand zu nehmen, wäre es ausnahmsweise mal wichtiger, statt wiederrum eines technisch beschlagenen Offensiv-Talents oder eines Stürmers in erster Linie in einen oder zwei solcher Spieler zu investieren. Technisch und individuell hat Werder ligaweit nahezu das höchste Potential, was fehlt, sind vor allem taktisch kluge, strategisch denkende Spieler.
Ich nehme an, weil die Raute noch höhere Spielintelligenz erfordert, ein noch sensibleres und damit störanfälligeres Gebilde darstellt. Zwar ist dieses System flexibler und, wenn es richtig gespielt wird, für den Gegner schwerer ausrechenbar, andererseits fehlen uns, insbesondere bei Ausfällen wie Bargfrede oder Niemeyer dafür die Mittel.Nun muss man sich fragen, warum lässt Schaaf trotzdem immer im 4-5-1 spielen.
Weder Boro, noch Marin, Hunt oder Özil sind ideale Halbpositionsspieler, die Du dann aber brauchst. Frings wäre einer, will dort allerdings nicht spielen.
Stuttgart war zudem noch eine Sondersituation. Weil mit Bargfrede, PN und Pasanen gleich drei Spieler ausfielen, die zumindest teilweise oben genanntes verkörpern. Dass eine Doppelsechs Boro, Frings nicht funktioniert, wissen wir spätestens seit dem Saisonstart, aber welche Alternativen hatte Schaaf? So gesehen ist es sogar noch erstaunlich, dass wir überhaupt einen Punkt gegen diesen guten Kontrahenten mitgenommen haben.
erlöst werden wir nicht mehr solchen Fußball zeigen können wie 2003/04. Dafür hat sich die Bundesliga zu sehr verändert.
